Minimalism

Fair Fashion Fazit: Ist fair kaufen schwierig?

Gut drei Monate sind vergangen, seit ich beschlossen habe, Schluss mit Fast Fashion zu machen und neue Kleidung nur noch zu kaufen, wenn sie fair produziert wurde. Zeit für ein erstes Fair Fashion Fazit. Wie schwierig war die Umstellung auf nachhaltige Mode? Und vor allem: Wie teuer?

Fair Fashion Fazit: In 3 Monaten gekauft

Zunächst einmal die harten Fakten. Was habe ich gekauft und wie viel musste ich dafür ausgeben?

– 1 Leggings
– 1 Top
– 1 Pullover

Der Gesamtpreis: 98 Euro.

Die Leggings und das Top kaufte ich, weil meine einzige Leggings kaputt gegangen ist und ich auf langen Busfahrten, wie der zur Hochzeit meiner besten Freundin im Juni, nicht auf bequeme Kleidung verzichten will. Leggings = Po bedecken! Da ich kein Longtop mehr hatte, das diese Bedingung erfüllen konnte, gab es zur schwarzen Leggings das passende graue Top.

Für mein Trauzeuginnenoutfit selbst gönnte ich mir noch einen schönen Pullover aus 65% recycelter Baumwolle, den ich abends übers Kleid ziehen konnte, ohne idiotisch auszusehen. Dabei war mir vor allem wichtig, etwas auszusuchen, das ich auch zu anderen Anlässen wiederverwenden könnte. Bei diesem grauen Allrounder mit extravagantem Schnitt: Check!

Alle Kleidungsstücke waren dabei neu und von Labels, die ökologische Stoffe verwenden und fair produzieren lassen. Mit knapp 65 Euro war es tatsächlich nur der besondere Pulli von Jan N‘ June, der mit einem hohen Preis zu Buche schlägt. Die beiden Basics von Grundstoff waren mit 13 und 20 Euro kaum teurer als bei einer Kette mit undurchsichtigen Produktionsbedingungen.

Fair Fashion Labels

Ingesamt habe ich in drei Monaten knapp 100 Euro ausgegeben; das sind gut 30 Euro pro Monat. Wenn ich überlege, wie hoch meine Rechnungen vorher waren, ist das tatsächlich nicht viel. Früher habe ich mindestens 50 Euro im Monat für neue Kleidung ausgegeben, manchmal auch 100. Dann hatte ich zwar mehr neue Teile – aber gebraucht habe ich die eigentlich nicht.

Fair Fashion Fazit: In 3 Monaten gefühlt

Fast Fashion zu boykottieren wirkt in einer (Mode-)Welt, in der das Kollektionsdenken vorherrscht, wie ein ganz schön heftiger Entschluss. Aber ist es im Alltag wirklich so einschneidend? Ich habe meine Erfahrungen der letzten Monate anhand einiger Fragen zusammengefasst, die ich immer wieder gestellt bekomme.

War es schwer, nicht zu H&M und Co reinzugehen?
Ehrlich gesagt: Nein. Wenn man einmal das Bewusstsein hat, dass man wirklich nicht mehr braucht, und überzeugt ist, dass man die Fast Fashion Versklavung nicht mehr unterstützen will, wird es relativ leicht, auch genauso entschlossen am Schaufenster vorbeizugehen. Dennoch gebe ich zu: Ich habe zu Beginn absichtlich nicht die ausgestellte Mode angeschaut. Ich wusste zwar, dass ich trotzdem nichts kaufen würde, aber warum soll man es sich unnötig schwer machen?

Was hast du mit der Werbung gemacht, die ins Haus kam?
Weggeworfen. Den ersten Fast Fashion Katalog, der in meinem Briefkasten lag, konnte ich nur angewidert in den Mülleimer fallen lassen, der zum Glück direkt daneben steht, weil mir sofort wieder das Bild von Shima durch den Kopf schoss. Sowas kommt mir gar nicht mehr in die Wohnung. Ich habe inzwischen alle Kataloge und Newsletter abbestellt und wenn doch mal wieder einer reinflattert – sofort weg damit.

Findest du überhaupt bezahlbare faire Mode?
Absolut! In den letzten Jahren wurde ein ziemlich großer Markt für nachhaltige Mode aufgebaut, angefangen bei Onlineshops wie Grundstoff, avocadostore oder Avesu, bis hin zu einzelnen Marken wie Armedangels, Jan N‘ June oder People Tree. Während ich früher auf Zalando gesucht habe, suche ich jetzt eben auf diesen Seiten. Alles, was ich dafür tun musste, war, mich zu informieren. Und manchmal ein bisschen mehr Geduld zu üben, um das, was ich mir vorstelle, zu einem für mich bezahlbaren Preis zu finden. Aber macht dieses Stöbern nicht auch Spaß?
Schwieriger und teurer wird es erst in den Bereichen Accessoires, Outdoor und Sport, also wenn es zum Beispiel um Taschen, Funktionsjacken oder richtige Laufschuhe geht. Ich bin froh, dass ich hier noch recht viel habe, und nicht alles auf einmal neu kaufen muss.

Fair Fashion Fazit

Was war dann die größte Schwierigkeit?
Immer daran zu denken! Gestern ging ich nach meinem Besuch bei einem Einrichtungsladen ganz automatisch in einen anderen Store, um „mal kurz bei den Portemonnaies zu schauen“. Bis mir einfiel, dass ich die Produktionsbedingungen der Marke nicht kannte und dort dementsprechend gar nichts kaufen wollte. Zum Glück bin ich aber kein Impulskäufer mehr und so ist es mir bislang noch nicht passiert, dass ich aus Versehen etwas aus nicht fairer Produktion gekauft hätte.

Hast du schon mal daran gedacht, doch wieder beim Discounter zu kaufen?
Als mir gestern eine meiner 4 verbleibenden Jeans riss, habe ich mich schon kurz bei dem Gedanken „Was ist das denn für ein Karma?!“ erwischt. Jetzt 100-150 Euro in eine neue Jeans investieren zu müssen, passt mir echt nicht rein. Aber mein Karma würde wohl nicht besser, würde ich zum nächsten Discounter rennen. Vielleicht versuche ich also vorerst, mit noch einer Jeans weniger auszukommen. Challenge accepted!

Was hast du als nächstes vor?
Ich will unbedingt Second Hand ausprobieren! War es früher doch eher die Vorstellung eines muffigen Ramschladens, die der Begriff bei mir auslöste, ist die Hamburger Schanze inzwischen voll von In-Läden mit Ware aus zweiter Hand. Wenn ihr Interesse habt, nehme ich euch gerne mal mit auf Tour!

Folgt mir dazu auf Snapchat @ahungrymind.

Mein persönliches Fair Fashion Fazit nach drei Monaten lautet hiermit: Nein, es ist nicht schwierig. Es ist sogar viel leichter, und nicht halb so teuer, als zu Beginn gedacht. Der größte Schritt war wirklich die Entscheidung. Danach musste ich mich nur noch informieren und dabei neugierig bleiben. Das Selbstermahnen war fast nicht mehr nötig, nachdem ich einmal begriffen hatte: Die Modeindustrie, wie sie jetzt noch zum Großteil ist, macht uns alle so viel ärmer.

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15 Comments

  • Reply
    Mrs. B.
    07.08.16 at 17:34

    Danke für den Artikel, einige faire Klamottenmarken kannte ich nicht, die muss ich mir ansehen.
    Du hast auch einen interessanten Blog, ich folge dir mal mit bloglvin’…
    Lg von Mrs. B. von beetrootmassacr.wordpress.com

  • Reply
    LISA
    07.08.16 at 22:22

    Hallo Sabine,
    vielen Dank für den tollen Beitrag und den ehrlichen Einblick in dein Kaufverhalten. Ich finde auch, dass Fair Fashion kaufen nicht schwer ist, sondern einfach eine Umstellung. Früher bin ich aus Gewohnheit durch H&M und Co. gelaufen und habe natürlich irgendetwas gefunden was ich unbedingt „brauche“. Seit ich nicht mehr bei H&M war, hab ich auch nichts mehr gekauft. Eigentlich ganz easy =) Ich habe mit dem Second Hand kaufen bei mädchenflohmarkt.de angefangen. Da bekommt man oft neue Sachen und kann teilweise auch Klamotten zurück schicken, wenn sie nicht passen. Vielleicht was für Dich?
    Mach weiter so!
    Liebe Grüße aus dem WOLF CLUB, Lisa (https://joinwolfclub.wordpress.com/)

  • Reply
    Jenni
    08.08.16 at 09:43

    Liebe Sabine!
    Ein tolles und motivierendes Fazit, das du bisher aus der Fair-Fashion-Reise ziehen konntest! Ich freue mich sehr für dich! 🙂
    Ich habe bisher ähnliche Erfahrungen gemacht seit meiner Umstellung und finde das „Gesamt-Paket“, wenn man es so bezeichnen kann, sehr befreiend. Ich habe absolut keinen Drang mehr danach, auf Teufel komm‘ raus zu konsumieren, nur weil man das so macht und „man sich was gönnen muss – schließlich arbeitet man ja die ganze Zeit dafür und andere machen es ja auch“.
    Es ist ein tolles Gefühl, an diesen ganzen Stores vorbeizugehen, keine Kataloge mehr zu erhalten und genügsam zu sein mit dem, was man hat. Und wenn es doch mal etwas Neues sein muss, dann schaut man vor dem Kauf wirklich genau hin – und hat am Ende langanhaltende Freude damit.

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply
      Sabine
      09.08.16 at 13:52

      Das hast du sehr schön gesagt!
      <3

  • Reply
    Kati
    08.08.16 at 13:47

    Sehr interessant zu lesen, und den Pulli zum Trauzeugen-Kleid finde ich wirklich total schön und passend! 🙂
    Ein kleiner Tipp für Second Hand Mode: ubup.com – used but precious heißt die Plattform, schöner Gedanke. Dort kaufen sie Klamotten von privat an und verkaufen sie professionell weiter, aber zu fairen Preisen und mit Rücknahme. Habe ich erst neulich zum ersten Mal getestet, da ich ein Kleid rbauchte, und bin ganz begeistert. Klar ist der Laden um die Ecke immer noch ein Stück nachhaltiger, aber dennoch find ichs einen guten Schritt in die richtige Richtung.
    Liebe Grüße!

  • Reply
    Amelie
    08.08.16 at 18:57

    Schöner Artikel!
    Ich bewege mich selbst seit geraumer Zeit in einer Art Neuorientierung was die Fairness meiner Kleidung angeht.
    Versuche jedoch Stück für Stück meinen Kleiderschrank auszutauschen, so konsequent wie du bin ich nicht. Hut ab! 🙂
    Mir geht es dabei vor allem darum zufrieden mit meinem Kleiderschrankinhalt zu sein und dazu gehört für mich auch ein gutes Gewissen und gute Qualität.

    Liebe Grüße, Amelie

  • Reply
    Kati
    08.08.16 at 21:30

    *test* – irgendwie kann ich bei dir nicht kommentieren?

    • Reply
      Sabine
      16.09.16 at 10:50

      Liebe Kati, es tut mir leid! Mein Spam Plugin hat in den letzten Wochen wohl ein bisschen gesponnen und ich habe heute einige tolle Kommentare entdeckt, die aussortiert wurden. Danke für deine! xx

  • Reply
    Catharina
    10.08.16 at 15:39

    Hallo Sabine,

    beim Lesen des Beitrags musste ich mehrfach daran denken, dass ich sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe bzw. gerade noch mache. 🙂 Aufgrund meines überbordenden Kleidungskonsums der letzten Jahre habe ich zu Beginn des Jahres beschlossen, es der Nunu (ichkaufnix.com) gleichzutun und 1 Jahr lang nichts Neues zu kaufen. Und nach mittlerweile knapp über 7 Monaten muss ich sagen: Mir fehlt überhaupt nichts! Ich vermisse weder das Shoppen gehen in der Stadt noch online. Wieso habe ich das eigentlich ständig gemacht?? Noch dazu fühle ich mich befreit davon, nicht ständig mit Newslettern bombardiert zu werden und anschließend den neuesten Trend „unbedingt haben zu müssen“. Wenn das shoppingfreie Jahr vorbei ist (und ich jemals wieder etwas Neues brauche XD), werde ich auf jeden Fall auch nur noch fair und ökologisch produzierte Sachen kaufen – alles andere kann ich nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, nachdem ich mich damit auseinandergesetzt habe.

    Was Second Hand angeht, habe ich mit den diversen online-Portalen sowohl als Käufer als auch als Verkäufer gute Erfahrungen gemacht – besonders bei Kleiderkreisel ist die Auswahl riesig (und kein Mottenkugel-Geruch wie in manchen Secondhand-Geschäften 😉 ).

    Liebe Grüße,
    Catharina

    • Reply
      Sabine
      11.08.16 at 17:58

      Hey Catharina,
      danke für den ausführlichen Kommentar! 🙂
      Wow, ich glaube ein ganzes Jahr ohne würde ich nicht schaffen. Dazu verliebe ich mich doch zu oft in schöne Dinge. Respekt!
      Auf Kleiderkreisel habe ich auch schon hin und wieder etwas erstanden. Ich will jetzt mal die lokalen Second Hand Shops testen, mal sehen, ob sich das Mottenkugel-Vorurteil auch in Hamburg bestätigt.
      xx

  • Reply
    Anissa Marie
    13.08.16 at 22:11

    Ach toll danke! Das kommt gerade wie gerufen ich brauche nämlich dringend einen Pullover weil der August sich gerade wie April verhält und die im Büro dauert Frischluft brauchen! Ich versuche mich auch auf bessere Qualität und ethische Marken umzustellen, der Post war auf jeden Fall Motivation weiter dranzubleiben 🙂 xx

  • Reply
    Philipp
    20.09.16 at 08:12

    Hey Sabine,

    beim Lesen bin ich am Begriff ‚Kollektionsdenken‘ hängen geblieben und habe mich gefragt, welchen Begriff man als Minimalist für seine Garderobe verwenden würde. ‚Selektion‘ gefiel mir dann ganz gut. 🙂

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Reply
      Sabine
      20.09.16 at 09:27

      Hey Philipp,
      Das ist wirklich ein schöner Gedanke!
      Liebe Grüße.

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