Minimalism

Schluss mit Fast Fashion. Ich steige aus!

„Ich möchte, dass niemand etwas trägt, das mit unserem Blut hergestellt ist.“

Das ist die Stelle, an der die junge Frau ihre Tränen nicht mehr zurückhalten kann. Es ist der Moment, in dem mir klar wird, dass ich endlich mit der Scheiße aufhören muss. Shima kommt aus Bangladesch. Shima näht meine T-Shirts. In ihrer Stadt ist 2013 die Textilfabrik eingestürzt, die mehr als 1000 Menschen unter sich begrub. Ich sehe mir den Film „The True Cost“ an und ich weiß nicht, ob ich heulen, kotzen oder etwas werfen soll. Es widert mich an. Ich widere mich selbst an.

Eigentlich ist es mir schon lange klar: Ich muss aufhören, mit meinem Konsum das Elend anderer Menschen zu finanzieren – besonders, wenn es um puren Luxus wie Mode geht. Brauche ich auch nur einen einzigen Fummel von Zara oder Topshop, um gesund und glücklich zu sein? Die Antwort ist so einfach und doch habe ich es jahrelang vor mir hergeschoben, sie mir zu geben. Verdammt, natürlich brauche ich das alles nicht. Ich kann und werde jetzt sofort aufhören, Fast Fashion zu kaufen. Oder?

Kurz überlege ich, ob ich nicht doch – immernoch – zu faul bin. Ob das Einkaufen bei H&M und Co nicht einfach zu bequem, zu günstig, zu schön für mich ist, um es komplett aufzugeben. Nie wieder eine tolle Übergangsjacke von ONLY, nie wieder diesen H&M Basic Pulli nachkaufen, der mir so wunderbar passt? Energie aufwenden, um selbst Socken und Unterwäsche anderswo zu finden? Ganz schön anstrengend. Verdammt, sogar meine Nikes sind betroffen. Gibt es ähnlich schöne und bequeme Schuhe überhaupt in fair? Im nächsten Moment will ich mich für diese Gedanken ohrfeigen. Irgendwann muss doch etwas anderes wichtiger sein als meine eigene Faulheit und Eitelkeit. Irgendwann ist für mich jetzt.

Denn spätestens nach dieser furchtbaren Dokumentation ist für mich der Punkt gekommen, an dem ich nicht mehr in den Spiegel schauen kann, wenn ich so weitermache. Wer nicht getriggert werden möchte, sollte den folgenden Text nicht lesen. Ich will mit diesem Artikel niemanden belehren oder mich auf ein moralisches Podest stellen – im Gegenteil, ich will mir selbst noch einmal den wahren Preis des T-Shirts, das ich auf dem Artikelbild trage, vor Augen führen.

    Ein paar Fakten zur Fast Fashion Industrie:

  • Die Arbeiter in den Sweatshops von Bangladesch und Kambodscha verdienen weniger als 2 Dollar am Tag unter miserablen bis gefährlichen Arbeitsbedingungen. Sie können sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern, für die sie diese Arbeit eigentlich machen – für eine bessere Zukunft.
  • Mehr als 1000 Menschen starben beim Rana Plaza Unglück 2013 unter den Trümmern einer Kleidungsfabrik in Bangladesch. Viele weitere haben ihr Leben in anderen zusammenbrechenden oder brennenden Fabriken gelassen.
  • Als Shima und ihre Kolleginnen bessere Arbeitsbedingungen fordern, schließen die Manager die Türen ab und schlagen die Frauen zusammen. In Kambodscha werden Arbeiter, die für den Mindestlohn demonstrieren, verhaftet oder erschossen. Das Land ist abhängig von der Textilproduktion und ignoriert das eigene Gesetz, damit die Marken nicht in andere Länder gehen.
  • Indien produziert Unmengen an Baumwolle für die Großkonzerne der Textilbranche. Baumwolle wird mit Pestiziden behandelt, um Schädlinge abzuwehren. Je mehr Pestizide, desto immuner wird die Pflanze, umso mehr Pestizide werden benötigt. Die Menschen werden krank von diesem Gift.
  • Unzählige Kinder, die in solchen Baumwollanbaugebieten geboren werden, sind geistig und körperlich schwerbehindert.
  • Die Firmen, die die Baumwollsaat verkaufen, verkaufen auch die Pestizide und die Medizin für die Krankheiten, die von den Pestiziden ausgelöst werden. Viele der Bauern verlieren irgendwann ihr Land, weil sie bei dem Konzern Schulden haben. Die meisten trinken dann die Pestizide.
  • In Entwicklungsländern stapelt sich der Müll. Und zwar nicht nur der Plastikmüll, nein, Kleidung. Berge von Textilien, die wir gespendet haben, um unser Gewissen zu beruhigen – die aber niemand mehr braucht, weil wir einfach viel zu viel haben.
  • Die Produktion von billigem Leder verseucht zum Beispiel in Indien das Wasser und macht weitere Menschen krank. Hautkrankheiten, Magenerkrankungen und Krebs verbreiten sich dort wie eine Seuche.
  • Die Modeindustrie ist die zweitschädlichste Industrie für unsere Umwelt – direkt nach der Ölindustrie.

Quelle: The True Cost (aktuell auf Netflix verfügbar)

Ja, viele dieser traurigen Tatsachen waren mir schon vorher bekannt. Aber nicht wirklich bewusst. Denn ohne die Bilder zu sehen, ohne die Frau zu sehen, die weinend sagt, dass sie nicht möchte, dass ich Kleidung trage, an der ihr Blut klebt, konnte ich ihre furchtbare Realität von meiner eigenen trennen.

In meiner Realität ist die High Street ein Ort der Erholung, Shopping ein Freizeitsport. In meiner Realität schaut man sich zur Unterhaltung und „Inspiration“ Youtuber an, die ihren neuesten Haul von 20 Teilen zeigen. Die Realität der Frau, die dafür keine 20 Euro bekommt, die ihr Kind weggibt oder es mit in den giftverseuchten Sweatshop nimmt, wo es auf dem harten Boden schläft, kann man in dieser Hochglanzwelt ganz gut von sich wegschieben. Am Black Friday rennen tausende Menschen bei Ladenöffnung wie von Sinnen in die Geschäfte und kaufen sich dumm und blöd. Weil es billig ist und wir immer mehr brauchen – obwohl in Entwicklungsländern ganze Landstriche von Textilmüll bedeckt sind, den wir „ausgemistet“ haben. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und selbst die Kinder in diesen Ländern stellen immer mehr für uns her. Ihre Mütter ackern vergeblich für eine bessere Zukunft, in der wenigstens die Kinder menschenwürdig behandelt werden. Ihre Väter bringen sich wegen uns um.

Die Gegenüberstellung der beiden Welten widert mich an.
Meine eigene Dekadenz widert mich an.

Ich fühle mich schuldig an dem, was diesen Menschen passiert. Weil ich bequem in einer 20 Meter Schlange am Ende der Warenausgabe stehe und mich verhalte, als würde ich den Anfang der Kette nicht kennen. Weil es mir anscheinend scheißegal ist, so lange die mega langsame Kassiererin, die mich an diesem Samstag ja sowas von nervt, am Ende mein 5 Euro T-Shirt über den Scanner zieht.

Wieso ich für diese Erkenntnis so lange gebraucht habe? Verdrängung, Faulheit, Egoismus – you name it. Für mich steht fest: Ich will nicht irgendwann meine Kinder in Klamotten stecken, für deren Produktion andere Kinder schwerbehindert zur Welt kommen. Ich will keinen Cent mehr in das Elend anderer Menschen investieren.
Und ich werde mir keine faulen Ausreden mehr erlauben. Ich habe nicht zu wenige Möglichkeiten. Ich habe nicht zu wenig Geld, um fair zu kaufen. Ich habe jetzt in diesem Moment schon genügend Kleidung, um die nächsten drei Jahre überhaupt nichts kaufen zu müssen, das ich mir nicht leisten kann.

Die Lösung ist nicht einfach. Die Lösung ist sicher nicht, dass niemand mehr in Entwicklungsländern produziert. Aber wer weiß. Vielleicht ist es nicht „nie wieder H&M“. Vielleicht müssen auch die Textilriesen irgendwann anfangen, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht werden sie irgendwann einsehen, dass man mit Menschenleben nicht handeln darf und die moderne Sklaverei, die sie betreiben, auch von uns, die eigentlich davon profitieren, nicht mehr toleriert wird. Leider reicht es nicht, diese Hoffnung zu haben. Und weiter zu kaufen. Deshalb mache ich an dieser Stelle Schluss mit Fast Fashion. Ich kaufe ab jetzt nur noch fair produzierte Kleidung.

Sicherlich hat der Boykott des Einzelnen einen verschwindend geringen Effekt.
Aber wie wäre es, wenn wir Fairness und Menschlichkeit zum Trend machen?

Porträt: Johannes Fucke

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15 Comments

  • Reply
    Sandra
    26.05.16 at 19:27

    Liebe Sabine,

    „Meine eigene Dekadenz widert mich an.“ – besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Genauso ging es mir, als ich vor kurzem „The True Cost“ gesehen habe. Ich habe meine Garderobe schon ziemlich entrümpelt und daraufhin mal alles, was ich so besitze, auf’s Bett geworfen und nach der Herkunft untersucht. Ja, wie bei Dir: fast alles made in Banghladesh, Vietnam, Taiwan. Ich habe mich auch gegen Fast Fashion entschieden. Es wird allerdings sehr schwer. Ich fange in einer Woche einen neuen Job an, dafür brauche ich jede Menge neuer (eher schickere) Klamotten. Ich habe mich bei Loveco, hessnatur, the people tree & anderen Fair Fashion Shops umgesehen. Ich finde nichts! Entweder ist es nicht mein Stil oder schlichtweg zu teuer. Versteh‘ mich nicht falsch – ich bin bereit, deutlich mehr für ein fair produziertes Kleidungsteil zu bezahlen. Wenn eine Simple Bluse aber dann schon 1/6 meiner Miete ausmacht, dann wird es schwierig. Ich tu mich auch noch relativ schwer mit Online Shopping – ich hab einfach nicht die Standardfigur und müsste alles mindestens in 3 Größen bestellen, um sicherzugehen, dass irgendwas passt. Das ganze Hin- und Hergeschicke ist ja auch alles andere als nachhaltig. Ich bin motiviert, aber die Umsetzung gestaltet sich momentan noch mehr als schwierig. Und das frustriert mich. Es macht mich wütend, wenn ich zB zu COS gehe, wo eine Bluse auch um die 80 EUR kostet, und die dann aber auch in einem Sweatshop hergestellt wurde. Was soll das? Wie dürfen die das? Ich fühle mich etwas überfordert momentan. Erschwerend kommt hinzu, dass ich Laufbloggerin bin. Versuch mal faire Laufklamotten zu finden….nicht einfach. Von Laufschuhen wollen wir gar nicht reden.
    Ich denke wie Du, ich will auch keine Fast Fashion mehr kaufen. Weniger und bewusster konsumieren. Aber wie. Und wo? Ich freue mich über jegliche Tips diesbezüglich.
    Danke für diesen Artikel, er hat meinen Entschluss auf jeden Fall noch einmal gefestigt.

    • Reply
      Sabine
      26.05.16 at 21:08

      Liebe Sandra,
      vielen Dank für dein ausführliches Feedback und die unterstützenden Worte!
      Ich kann dein Dilemma absolut verstehen – deshalb bin ich auch echt froh, dass ich in der Agentur meine Alltagskleidung tragen kann. Ich kann die Veränderung nur deshalb so radikal durchziehen, weil ich auch sonst fast alles habe und nur nach und nach mal einzelne Teile ersetzen muss – eine komplette Arbeitsgarderobe auf einmal zu kaufen, könnte ich mir auch nicht leisten. Umso bewundernswerter, dass du es dir trotzdem vorgenommen hast! Vielleicht wäre es für dich eine Lösung, zunächst nur sehr wenige Sachen zu kaufen und dafür eben ziemlich oft zu waschen? Ich weiß, das ist auch nicht toll für die Umwelt, aber als Übergangslösung, bis du deinen Bestand Monat für Monat auffüllen konntest, vielleicht eine Option 🙂
      Ich kann dir auf jeden Fall diese Fair Fashion Liste von dariadaria empfehlen, da Maddie sich schon sehr lange mit dem Thema beschäftigt und eine recht breite Auswahl an Herstellern und Stores aufzählt. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dir Grundstoff empfehlen – ich weiß nicht, ob du dort etwas findest, aber schlichte Basics gehen vielleicht auch gut für die Arbeit und die Sachen sind wirklich günstig. Ansonsten fällt es mir bisher am leichtesten, bei Händlern wie dem Avocadostore zu suchen, die mehrere Marken verkaufen – die einzelnen Fair Fashion Hersteller haben meistens eher kleine Kollektionen (logisch) und so findet man leichter, was man sucht.
      Zu den Themen, wie man weniger und bewusster konsumieren kann, wo man einkaufen kann, woran man Fair Fashion erkennt etc. plane ich noch ganz viele Posts. Ich freue mich, wenn du wieder vorbeischaust! 🙂
      xx

  • Reply
    Margarete
    26.05.16 at 21:29

    Hi!

    Sehr schöner Artikel über Dein Umdenken!
    Ich hoffe, Du kannst noch viele inspirierten.

    Liebe Grüße
    aus dem nachhaltigen Berlin

  • Reply
    Verena
    26.05.16 at 22:28

    ich versuche immer, mir einzureden, dass ich was Gutes tue, weil ich einfach nicht bei H&M, Zara und Co einkaufe. Dass ich zwar eine Jeans von Mango besitze (Made in Bangladesh, genau in DEM Jahr, kurz danach gekauft. Ich habe nicht drauf geachtet. Als ich das Schildchen dann gesehen habe, wurde mir schon etwas schlecht), aber eben schon etwas länger. Dass Esprit hoffentlich besser produziert. Meine Klamotten trage ich oft einige Jahre. Ab und zu kommt es mal vor, dass ich etwas tatsächlich nur einmal trage und dann hängt es im Schrank, bis ich es nach Jahren weggebe. Meine Mutter sammelt die Klamotten von uns immer und bringt sie dann zur Kleiderkammer. So haben wir hoffentlich schon einige Menschen glücklich gemacht, die die Sachen, die wir nicht mehr tragen, dringend benötigen.

    Wenn faire Mode nicht so teuer wäre. Ich habe von Armedangels einige T-Shirts, würde mir auch mehr kaufen, jedoch habe ich kein Geld für eine 100 Euro teure Hose, die mir sehr wahrscheinlich eh zu lang ist und ich deshalb kürzen lassen muss. Bei Asos gibt es ja einige Sachen für Frauen unter 1,60m. Allerdings sind das immer Billigsachen. Da habe ich zwar mal was gekauft, aber so wohl ist mir dabei nicht.

    Mein Freund vertraut diesen Siegeln nicht, die anzeigen, dass etwas fair produziert ist. Er meint, das wäre nur Geldmacherei. Man wisse ja nicht, ob das wirklich so ist. Er hat ja schon irgendwie recht, aber dann vertraue ich lieber den Siegeln, als bei H&M zu kaufen. Ich hab den Laden ja eh nie gemocht.

    Du hast oben in einem Kommentar Grundstoff erwähnt. Die haben echt gute Basics, die erstaunlicherweise auch nicht sehr teuer sind. Auch im Avocadostore findet man oft nicht so teure Teile. Allerdings muss man bei manchen Sachen Versandkosten zahlen – z.B. bei denen von Armedangels.

    Schade, dass es in den Städten noch zu wenig Läden gibt, die Marken wir Armedangels anbieten (meine Lieblingsmarke, neben Esprit ). Zumindest ist das hier in Aachen so. Vereinzelt findet man mal was, aber nach ein paar Monaten führt der Laden die Marke nicht mehr.

    • Reply
      Sabine
      26.05.16 at 23:58

      Ich finde, es ist schon ein guter Anfang, nicht da zu kaufen, wo man fest davon ausgeht, dass nicht fair produziert wird. Ehrlich gesagt hätte ich Esprit jetzt intuitiv auch in diese Kategorie gesteckt, allerdings habe ich eben noch einmal recherchiert. Interessant: Zu der Marke gibt es sehr verschiedene Einschätzungen. Da Esprit aber keinerlei Zertifizierungen hat und von keiner Fair Trade Organisation erwähnt wird, würde ich eher vermuten, dass die Produktionskette nicht ganz hasenrein ist. Womit wir beim Thema wären: Klar kann man nie wissen, ob fair wirklich fair ist. Aber da man kaum selbst in jede Fabrik reisen und nachschauen kann, muss man wohl irgendwem vertrauen. Für mich sind Organisationen wie GOTS da die beste Partie – nicht zuletzt, weil es sich um NGOs handelt, deren einzige erklärte Zielsetzung es ist, die Welt ein bisschen besser zu machen. Und selbst, falls sich eines Tages herausstellen sollte, dass ein Siegel doch nicht vertrauenswürdig war, habe ich als Konsument wenigstens noch immer das Zeichen gesetzt, dass ich Fair Trade haben will (Angebot und Nachfrage). Beim Discounter weiterzukaufen, nur weil man den anderen nicht vertraut, finde ich wenig konstruktiv…
      Ich finde es übrigens auch okay, dass man Versandkosten bezahlt, so lange sie nicht überteuert sind. Klar wäre es besser, wenn überall Läden wären, und ich zucke auch immer kurz zusammen, weil ich es anders gewohnt bin und 5 Euro eben 5 Euro sind – aber auch am anderen Ende. Die Firmen müssen den Versand ja auch bezahlen.

  • Reply
    Annika
    27.05.16 at 04:14

    Super! Ich freue mich mehr zu lesen wie es dir dabei so geht. Besonders der letzte Kommentar von Verena ist interessant – ist alles fair wo fair draufsteht?
    Kennst du DAriaDaria? Wenn nicht, sie ist eine österreichische Bloggerin die sich sehr mit dem Thema auseinandersetzt – hat bestimmt ein paar tolle Anlaufstellen fuer dich!!

    • Reply
      Sabine
      27.05.16 at 13:42

      Danke! Die Liste von Dariadaria habe ich in einem anderen Kommentar schon verlinkt. Sie hilft mir auf jeden Fall, mich durch die Fair Fashion Welt zu navigieren. Ich merke aber jeden Tag mehr, wie viel ich noch recherchieren und hinterfragen muss. In einem Artikel gestern Abend fand ich sogar Kritik an Armedangels – dass zwar die Baumwolle sicher bio und fair gehandelt sei, man aber nicht wisse, wie genau produziert wird. Es ist glaube ich sehr schwer, sich vollständig zu informieren und zu entscheiden, vor allem, weil man ja eigentlich die perfekte Ethik haben will, wenn man schon mal damit anfängt. Gibt es bei dem Thema also nur schwarz und weiß?

  • Reply
    Candy
    28.05.16 at 06:13

    Sehr schöner Artikel, sehr informativ und regt zum Nachdenken an.
    Ich bin voll und ganz bei euch! Bei allen. Am liebsten würde ich auch nur noch Klamotten kaufen, von denen man weiß, dass sie fair produziert werden. Aber wer soll das bezahlen? Ich kann es leider nicht.
    Ich reise seit einiger Zeit in Asien umher, auch in Kambodscha und Vietnam. Eine Frage kommt mir schon, wenn wir über faire Arbeitsbedingungen und v.a. faire Löhne reden: Nehmen wir an, H&M & Co. denken um, produzieren nur noch biologisch, verbessern die Arbeitsbedingungen und zahlen faire Löhne: Denkt ihr die Unternehmen würden weiterhin in diesen Ländern produzieren und die Stoffe von dort beziehen? Wer bezahlt den Bauern die Umstellung? Wer gibt den Frauen andere Jobs, die gehen mussten, weil die Lohnkosten des Unternehmens gestiegen sind oder weil das Unternehmen in einem anderen Land (nun gleiche Lohn-, aber bspw. geringe Logistikkosten) produziert? Was passiert mit den Familien, die auf diese Unternhemen angewiesen sind? Ich habe den Film noch nicht geschaut, vielleicht gibt er ja Antwoerten darauf…
    Was ich aber damit sagen will, ist, dass viele Menschen, so traurig es auch ist, von diesen Unternehmen und deren Methoden abhängig sind. Was passiert mit ihnen, wenn wir, die Reichen, nur noch bio und Klamotten made in EU kaufen?

    • Reply
      Sabine
      28.05.16 at 09:51

      Liebe Candy,
      danke für den ausführlichen Kommentar und die Anregung! Dein Einwand ist auf jeden Fall richtig und wichtig. Wenn jetzt plötzlich niemand mehr bei H&M kaufen würde, oder H&M von heute auf morgen beschließt, dass anders produziert werden muss, hätten die Menschen in Bangladesch und Indien natürlich ein noch viel größeres Problem. Aber das wird nicht passieren, nur weil eine Minderheit (wir) sich Gedanken macht und ihr Konsumverhalten ändert. Bis sich in allen Köpfen und bei allen Marken etwas ändert, wird es sehr lange dauern, und diese Zeit können faire Unternehmen dazu nutzen, auch in solchen Ländern andere Produktionsstätten aufzubauen anstatt nur die Produktion zurück nach Europa zu holen. Wer das aktuell schon macht, kann ich aus dem Stehgreif nicht beantworten, weil ich dazu selbst noch mehr recherchieren möchte. Aber ich denke, das wären Brands, die bekannt werden sollten.
      Zum Thema „Ich kann fair nicht bezahlen“: Ich möchte mir natürlich nicht anmaßen, über deine finanzielle Situation zu urteilen, aber ich sage dir etwas zu meiner: Ich bin aktuell noch in der Ausbildung, also wirklich alles andere als reich, und ich glaube, dass ich es hinkriegen werde, zumindest Kleidung komplett fair zu kaufen. Es gibt wirklich günstige Anbieter wie Grundstoff, da kostet ein Shirt nicht mehr als bei Vero Moda, und außerdem habe ich schon so viele Sachen, so dass ich nur hin und wieder etwas ersetzen muss. Wenn du dauerhaft reist, sind deine Bedingungen diesbezüglich aber vielleicht auch anders…

    • Reply
      Corinna
      02.09.16 at 14:40

      Hallo Candy,
      du fragst wer soll das bezahlen? Ich finde die Antwort ist klar: der Konsument soll das bezahlen! Denn der ist auch dafür verantwortlich, dass die Bedingungen so sind, wie sie sind. Das Argument „das kann ich mir nicht leisten“ ist zu einfach (ohne dich persönlich angreifen zu wollen, aber ich habe das schon so oft gehört, auch von Leuten, die sich so einiges leisten können wenn es um Quantität der Kleidung, teuren Urlaub, Handys oder Freizeitvertreib geht). Es ist eine Frage der Prioritäten: Einfach weniger kaufen und dafür hochwertiger. Wer wirklich gar kein Geld hat, kann Secondhand Kleidung kaufen, wofür keine neuen Rohstoffe verwendet werden müssen.
      Es gibt genügend faire Labels, die sich genau der Thematik annehmen, die du ansprichst: Das Unternehmen Glimpse z.B. (http://www.glimpse-clothing.com/) sorgt dafür, dass misshandelte Frauen in Indien faire Arbeitsbedingungen haben und eine Bildung bekommen. Es wird ihnen deutlich mehr bezahlt als dem durchschnittlichen Arbeiter in Indien, aber es ist trotzdem nur ein Bruchteil von dem Lohnstandard in Deutschland oder Europa. Es muss darum gehen, nachhaltige Arbeitsplätze, auch in Asien zu schaffen – denn made in China oder Bangladesch bedeutet nicht automatisch, dass es schlecht ist. Daher produziert z.B. auch die Fair Fashion Marke Bleed oder HempAge u.a. in Asien, eben um die Bedingungen dort zu verändern. Die Lösung ist nicht, dass alle Arbeiter entlassen werden, sondern das sichere Arbeitsbedingungen geschaffen werden, für die am Ende auch der Konsument den Preis zahlt. Der aber auch nicht in unerschwingliche Summen gehen muss, dafür gibt es viele Beispiele! Wichtig ist aber auch, dass generell WENIGER produziert und konsumiert wird – kein Mensch braucht 12 Kollektionen im Jahr.
      Leider stimme ich Sabine aber auch zu, dass es nie so kommen wird, dass alle plötzlich nur noch bio und europäisch produziert kaufen.

      Liebe Grüße,
      Corinna
      http://www.kissenundkarma.de

      • Reply
        Corinna
        02.09.16 at 14:45

        Übrigens ein wunderbarer Artikel liebe Sabine. Ich hab den Film auch gesehen und meine Entscheidung, keine Fast Fashion Sachen mehr zu kaufen zwar schon vor über einem Jahr getroffen, aber es berührt mich einfach immer wieder zu Tränen, wenn ich sowas lese. Und mir geht es ganz genau wie dir. Ich kann dir aber schon sagen: es geht sehr gut ohne H&M und Co, falls du nicht selbst schon zu dem Schluss gekommen bist. Irgendwann kommt es einem nicht mal mehr in den Sinn, je wieder dort einzukaufen. 🙂
        Weiter so und alles Liebe,
        Corinna

  • Reply
    Meine Highlights im Mai 2016 - Himmelsblau.org
    06.06.16 at 08:01

    […] noch was? Austieg aus Fast Fashion ~ Beautyhacks ~ DIY Pulver für die […]

  • Reply
    Kati
    08.06.16 at 14:32

    Du hast einen tollen Blog, ich freu mich sehr, dich über Bloglovin entdeckt zu haben 🙂

    „nie wieder diesen H&M Basic Pulli nachkaufen“ – da zeigt sich schon das Kernproblem. Das man ein Verbrauchsprodukt nachkauft, weil es überzeugt, ist ja normal, ein ein Pulli sollte einfach kein VER-, sondern ein Gebrauchsprodukt sein. Die ganzen Fast Fashion Anbieter sind an der ganzen Misere ja durch ihr Konzept der geplanten Obsoleszenz und durch das absichtliche Fördern von minderer Qualität auch selbst schuld, dass der doofe Ottonormalverbraucher so denkt. Das ist ja auch ein Generationending. Wenn ich mir anschaue, was meine Mutter so im Schrank hat und wie oft sie etwas neues kauft – sie wertschätzt Dinge noch viel mehr, als unsere Generation, die um die geringe „Halbwertszeit“ weiß und die manche Teile notfalls auch nur einmal trägt und dann zB bei Kleiderkreisel weiterveräußert. Das ganze Bewusstsein muss sich ändern.

    Auch der Einwand von Candy ist natürlich richtig – aber nur wenn wir als Verbraucher ein Zeichen setzen, wird die Wirtschaft auch reagieren, und die hat doch schon immer Mittel und Wege gefunden. Ich glaub einfach, das Maximum an Absatz ist derzeit erreicht und es kann (zumindest im Modebereich) kein weiteres Wirtschaftswachstum geben. In dem Zusammenhang kann ich übrigens die beiden Bücher von Sina Trinkwalder „Wunder muss man selber machen“ (lokale, ökofaire Modeproduktion in Deutschland und Hintergründe) und auch „Fairarscht“ (kann das mit dem Biozeugs und -siegeln überhaupt funktionieren) sehr empfehlen!

    Liebe Grüße,
    Kati

  • Reply
    JA ZU FAIR FASHION | NACHHALTIGKEIT | DUNJA FREY
    02.09.16 at 11:48

    […] Mit Worten bin ich (noch) nicht so gut. Es fällt mir oft schwer, ins geschriebene Wort das zu packen, was in meinem Kopf völlig klar und eindeutig ist. Das braucht einfach Übung, ich weiß! Deshalb möchte ich an dieser Stelle einen Artikel von Sabine verlinken, der viel mehr aussagt, was ich denke: SCHLUSS MIT FAST FASHION. ICH STEIGE AUS!. […]

  • Reply
    Fashion Revolution: Warum es so wichtig ist, über faire Kleidung zu sprechen | Mehr als Grünzeug
    24.04.17 at 06:35

    […] Vom Ausstieg aus dem Fast-Fashion-Konsum und dem Warum. […]

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