Minimalism

Wofür es sich lohnt, zu sparen

Ostsee Strand Süssau

An manchen Tagen habe ich keine Lust. An diesen Tagen fehlt mir der Antrieb, die Motivation und die Gelassenheit. Ich bin dünnhäutig, faul und kann mich, wenn ich mal ehrlich bin, selbst nicht leiden. An sich nicht so schlimm, wenn es mal so einen Tag gibt – aber manchmal, da werden diese Tage zu Wochen. Jeder Tag gleicht dann dem anderen, und obwohl nichts wirklich falsch ist, renne ich nur noch in meinem imaginären Hamsterrad in dem vergeblichen Versuch, mir selbst gerecht zu werden.

Ich rege mich über Kleinigkeiten auf, die nicht richtig laufen, verbissen in meinen eigenen, irrsinnigen Perfektionsanspruch. Ich bin nicht zufrieden mit meiner Arbeit, die mich zusätzlich nervt, weil ich wegen ihr anscheinend zu keinem privaten Projekt mehr komme, und ich bin nicht zufrieden mit mir. Ich fühle mich blockiert, kann mich auf nichts konzentrieren und rede mir ein, dass es am Zeitmangel liegt. Wenn ich ehrlich bin, versacke ich jeden Abend vor Netflix und vernachlässige sowohl meine sozialen Kontakte als auch meine kreativen Ideen, meinen Blog, meine anderen Projekte. Meinem Spiegelbild würde ich am liebsten die Zunge rausstrecken. Ich vernachlässige mich selbst, während ich versuche, es mir recht zu machen.

Was ich dann zu brauchen glaube:
– Ein anderes Gehirn (offensichtlich)
– Deko für meinen Schreibtisch (= bessere Arbeit)
– Neue Schuhe (fürs Gefühl)

Ist dir auch schon mal aufgefallen, dass du mehr einkaufst, wenn du unzufrieden bist? Ich jedenfalls erwische mich an solchen Tagen dabei, wie ich abends „zur Entspannung“ eine Serie laufen lasse, der ich gar nicht wirklich zuhöre, um nebenbei Sachen auf meine Wishlist zu packen, die ich gar nicht wirklich brauche.

Ich kaufe manchmal ein, um mich besser zu fühlen. Ich neige dazu, die Löcher in meinem Alltag mit Konsum oder dem Träumen von Konsum zu stopfen. Egal ob das neue Paar Schuhe drei Tage später ankommt, oder ich feststelle, dass ich es mir nicht leisten kann – am Ende bin ich kein Stück zufriedener.

Was ich wirklich brauche: Eine Auszeit.

Ich bin nicht kratzbürstig, weil ich zu wenige Klamotten habe. Ich bin nicht permanent gereizt, weil er ständig das Falsche sagt. Was mir nicht passt, ist die Sackgasse, in der ich denke. Mein Gehirn braucht Auslauf. Und das geht am besten, wenn auch ich Auslauf bekomme.

Also nehme ich das Geld, das ich in Schuhe und Co gesteckt hätte, und fahre los. Die Sonne scheint und ich atme tief ein. In diesem Moment merke ich regelrecht, wie sich mein Kopf öffnet. Ich weiß, dass ich ab sofort wieder bereit für neue Denkweisen bin, denn ich habe mir selbst den Kopf in die richtige Perspektive gerückt. Es ist alles nicht so schlimm, es ist nur der Alltag, der manchmal eben nicht läuft wie im Film. Und auf der Straße oder an einem anderen Ort ist die Welt – auch die zuhause – wieder in Ordnung.

abandoned ice cream parlor

Ich reise, also bin ich

Ich reise, um das Leben zu schmecken. Reisen sind meine Inspiration; sie bringen mir gleichzeitig freudige Aufregung und den puren Seelenfrieden. Egal, was unterwegs kommt: Ich rege mich (abgesehen von 10 cholerischen Sekunden, sorry, Charakterschwäche) über nichts auf. Nicht einmal das iPhone, das am dritten Tag auf den Fliesenboden knallt und dabei die Spider App installiert, bringt mich aus der Fassung. Ich finde gerade alles andere wichtiger und interessanter als das Materielle. Ich bin dankbar.

Deshalb sind mir Reisen jeden Cent wert. Wenn ich reise, sehe ich wieder ein Stück mehr Erde. Ich erfahre wieder etwas mit den eigenen Sinnen, das auf Fotos und von Erzählungen nie so rüberkommen könnte. Ich rieche das Meer und spüre den Wind in den Haaren. Ich entdecke die Welt und mache sie zu meiner.

Damit sich solche Timeouts öfter realisieren lassen, führe ich ein Tagebuch über meine monatlichen Ausgaben, und versuche mich dabei an einen Maximalbetrag für Kleidung und anderen materiellen Luxus zu halten. Die Rechnung ist einfach: Je weniger Kram ich kaufe, desto mehr kann ich für Reisen zur Seite legen. Ich plane, so spätestens nächstes Jahr auch wieder auf einen anderen Kontinent zu reisen. Mit am schönsten stelle ich mir die Klassiker und auch die touristisch weniger frequentierten Ziele* in Neuseeland, Asien* oder Nordamerika* vor, die Meiers Weltreisen mit abwechslungsreichen Touren abdeckt.

Denn am Ende bin ich so viel lieber barfuß am Strand als mit neuen Schuhen in Eimsbüttel.

Grüner Brink Fehmarn

*In freundlicher Kooperation mit Meiers Weltreisen.

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6 Comments

  • Reply
    Lea
    09.05.16 at 20:32

    Sehr schöner Beitrag und toll geschrieben 🙂 Das mit dem Zeitmangel und daraus resultierender fehlender Motivation für Privates kommen mir sehr bekannt vor 😉 Und wenn man dann mal Zeit hat, macht man bzw. ich am liebsten NICHTS.
    Seit wann schreibst du eigentlich wieder auf deutsch? LG Lea

    • Reply
      Sabine
      09.05.16 at 20:44

      Danke! Und – erwischt! 😉 Seit zwei Beiträgen. Ich würde am liebsten zweisprachig schreiben, aber dafür fehlt im Moment die Zeit und vor allem die komplexe bilinguale WordPress Installation. Englisch als primäre Sprache fühlte sich zuletzt einfach (noch) nicht richtig an und wurde dadurch oft zu einer weiteren Hürde, die mich vom Schreiben abhielt…

  • Reply
    Missi
    09.05.16 at 20:50

    Wunderbarer Text, in dem ich mich hervorragend wiedererkenne 🙂 Manchmal hilft einfach nur, die Zehen im Sand zu vergraben!
    Und ich freue mich auch über die deutschen Texte, das geht mir irgendwie leichter von der Hand <3
    Alles Liebe,
    Missi

  • Reply
    Claudia
    09.05.16 at 20:58

    Ein wunderbar geschriebener Beitrag. Das Thema Zeitmangel kenne ich nur zu gut, vor allem auch noch aus der Examensvorbereitung. Tunnelblick pur. Bisher habe ich definitiv in solchen Phasen zu den Schuhen geneigt, aber ich gebe dir zu 100% Recht. Es lohnt sich viel mehr zu sparen fürs Reisen.

  • Reply
    Melli
    10.05.16 at 08:04

    bis ich meine Liebe fürs Reisen entdeckt habe ging es mir auch so, dass ich viel zu viel unnötigen Kram gekauft habe, der macht am Ende aber auch nicht glücklich eine Reise dafür schon

  • Reply
    Candy
    10.05.16 at 16:18

    So, so ehrlich und so, so wahr…
    Mehr kann ich gar nicht dazu schreiben, außer, dass es hätte genauso auch von mir kommen können 😉

    Liebe Grüße von den Philippinen nach Eimsbüttel

    P.S.: Ganz besonders toll ist: „Denn am Ende bin ich so viel lieber barfuß am Strand als mit neuen Schuhen in Eimsbüttel. „

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