Slow Fashion

Fair Fashion Outfit: Das Landei

authentische Fair Fashion Marke

Man kriegt das Mädchen aus dem Dorf – aber niemals das Dorf aus dem Mädchen. Wenn man mich fragt, woher ich komme, dann sage ich immer „Stuttgart“. Aber auch nur, weil das einfacher ist, als den Namen des Dorfes zu nennen, das zu einer Kleinstadt gehört, die 26 Kilometer östlich von Stuttgart liegt. Und weil die Großstadt immer ein bisschen cooler klingt, selbst wenn es nur der olle Kessel ist, bei dem ich immer mit den Schultern zucke, wenn jemand mich nach Sightseeing-Tipps fragt. Weiß nicht – ich komme ja vom Dorf. Und das heißt fast schon vom Land. Das wird mir auch immer wieder klar, sobald ich irgendwo draußen bin.

Während die Städter erschreckt die Nase rümpfen, atme ich tief ein: Ja, auf Bauernhöfen riecht es nach Dünger. Das war schon immer so und ist eigentlich gar nicht so schlimm. Wie ungefähr jedes zweite Dorfmädchen habe ich meine halbe Jugend im Pferdestall verbracht. Und irgendwie – erdet mich diese Umgebung und alles, was ich dort mache. Damals das Ausmisten, heute die Arbeit im gemieteten Biogarten. Wenn ich zwei Stunden lang die Hände im Dreck hatte, bin ich danach tiefenentspannt wie nach einer ausgiebigen Yoga Session. Die Arbeit tut gut, weil es nicht darum geht, alles schnell zu machen, um dann zum nächsten überzugehen. Es gibt hier draußen keinen Stress und nichts, was danach noch auf der Agenda stehen könnte (außer Schäfchen streicheln). Es geht darum, es gut zu machen. Und mit „gut“ meine ich nicht den klassischen Leistungsdruck, sondern eher die Tatsache, dass ich mich konzentrieren muss, damit ich als Anfängerin nicht die Pflanzen statt des Unkrautes aus der Erde hole. Ich betreibe dieses neue Hobby mit Hingabe.

Mode für Landeier

Wie ich aussehe – ist hier eigentlich egal. Wichtig ist nur, dass es simpel und praktisch ist. Ins Feld gehe ich, je nach Wetterlage, barfuß oder mit Gummistiefeln. Aber wenn ich in der Natur bin, und mir ihr bewusst werde, dann wird mir auch mit jedem Mal mehr bewusst, dass zu einem natürlichen Leben für mich auch natürliche Kleidung gehört. Mit einem billigen Synthetikfummel aufs Biofeld – das fühlt sich irgendwie falsch an. Andere Menschen ausbeuten, während ich meine fette Ernte absammle, sowieso. Seit mehr als einem Jahr vertraue ich deshalb am liebsten auf Marken, die mir beides glaubwürdig versprechen: Faire Produktion und gutes, natürliches Material aus verlässlichen Quellen.

Mein erstes Go To für eine authentische Fair Fashion Marke ist ARMEDANGELS – allein deshalb, weil man hier sogar online einen Einblick in die Produktionsstätten bekommt. Zehn Jahre Erfahrung helfen der Marke dabei, Prozesse transparent zu machen und Entwicklungen zu bewerten.

Dass das Sommeroutfit, das ich euch heute zeige, komplett von den Kölner Pionieren ist, ist eigentlich ein Zufall. Ich habe es erst bemerkt, als ich es fertig zusammengestellt hatte. Es liegt wohl einfach daran, dass ich hier immer finde, was ich suche: Die richtigen Schnitte, das richtige Material und vor allem die richtige Haltung – zum Beispiel zum Thema Kontrolle der Produktionsbetriebe durch die Fair Wear Foundation. Wenn man sich den ganzen Chichi und die falschen Versprechungen um Mode mal spart – schlankere Oberschenkel in schwarz, besseres soziales Ansehen durch Designerhandtasche – bleiben eigentlich nur noch zwei Verkaufsargumente: Ehrliche Bedingungen und Stücke, die gefallen. Hut ab vor einer Marke, die beides schafft und trotz großer Vision auf dem Boden bleibt. Natürlichkeit funktioniert eben am besten…

ehrliche Marken
Shirt: „Lida | Scream“ (67% Lyocell, 33% Bio-Baumwolle)
Denim Shorts: „Jannie“ (96.4% Bio-Baumwolle, 3.6% Elasthan)
Schuhe: alte Converse, faire Alternative von Ethletics

Fotos: Johannes Fucke

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2 Comments

  • Reply
    Christine
    08.06.17 at 09:50

    Ich empfinde es ja mittlerweile so, dass die Leute es sogar wieder cooler finden, wenn man vom Land kommt. Oder – wie ich – Berge vor der Nase hat. Keine Ahnung, vielleicht hängt’s auch mit den horrenden Mietpreisen in München zusammen. 😉 Und möglicherweise auch damit, dass ich nicht aus einem Dorf komme. Kleinstadt kann man das hier schon nennen…
    Aber tatsächlich rümpft da nie jemand die Nase! Was mich selbst manchmal überrascht.

    Danke für deine Worte; es freut mich, dass offensichtlich doch so viele Leute meine Kritik an „Tote Mädchen lügen nicht“ nachvollziehen konnten.
    Ich fand Hannahs Verhalten Clay gegenüber auch wirklich sehr, sehr schwierig. Im Endeffekt ist er auf den Kassetten, weil sie nicht auf ihn zugehen konnte. Er hat ja definitiv ein paar Schritte unternommen… aber da sie ja nie über irgendwas mit ihm geredet hat, kann er ja auch schlecht wissen, was in ihrem Kopf vorgeht.
    Er hat es aber definitiv gut mit ihr gemeint, und ihm dann all die Kassetten lang „Angst zu machen“ war schon auch nicht okay…
    Die Serie spricht ein paar wichtige Themen an, aber irgendwie wünscht man sich dann doch, sie würde es zum Teil anders machen…

  • Reply
    Claudia
    12.06.17 at 12:26

    Obwohl ich aus der Großstadt komme, finde ich es immer wieder schön auf dem Land zu sein. Die Nase habe ich noch nie gerümpft, gehört halt auch dazu. 😉 Was ich aber auf dem Land als sehr wertvoll empfinde ist die RUHE. Kein Autolärm, keine besoffenen Nachtwanderer unter dem Fenster. Das ist schön.

    Dein Outfit finde ich sehr schön, vor allem das süße Shirt!

    Claudia | http://junegold.blogspot.de

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