Empowerment Gastbeitrag

Wichtige Entscheidungen treffen – aber wie?

Minimalismus und Entscheidungen

Das mit dem Minimalismus ist so eine Sache – es hat viel mit dem Reduzieren von Besitztümern zu tun, aber am Ende geht es eben auch um sehr viel mehr. Zum Beispiel darum, einen individuellen Fokus für sein Leben zu finden – und genau dabei wollen die beiden Berliner Sarah & Gerald mit ihrem Projekt Into Yourself andere unterstützen. Ich bin längst ein großer Fan ihres Instagram Accounts und als die beiden mein Introvert’s Diary kommentierten und mir erzählten, dass die Ruhe den Hauptteil ihrer kreativen Arbeit ausmacht, war es um mein kleines, stilles Herz geschehen. Ich freue mich, dass sie sich bereit erklärt haben, einen Gastbeitrag auf A HUNGRY MIND zu schreiben und euch ein paar Gedanken zur Entscheidungsfindung mit auf den Weg zu geben.

// Gastbeitrag von Sarah & Gerald //

Wie trifft man gute Entscheidungen?

Oft stehen wir im Leben gefühlt an einem Wendepunkt, an dem wir uns entweder für Weg A, oder für Weg B entscheiden müssen – beziehungsweise wollen. Beide Entscheidungen breiten sich vor unserem inneren Auge aus, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Wir schreiben Pro und Contra Listen, reden mit Freunden und der Familie. Und aus Angst die falsche Entscheidung zu treffen, entscheiden wir uns erstmal ganz lange Zeit gar nicht. Aber ist das nicht auch eine Form der Entscheidung? Haben wir uns dann nicht für Weg C entschieden, dem eigentlich schlechtesten Weg von allen? Aber lass uns vorne anfangen…

Wie entstehen eigentlich Entscheidungen und warum gibt es überhaupt diese Angst vor schlechten Entscheidungen? Auf Basis der heutigen Hirnforschung können wir grob erklären, dass es in unserem Kopf verschiedene Systeme gibt, die alle über unser Bewusstsein miteinander kommunizieren.

Wenn wir mit einem Problem konfrontiert werden, haben alle diese Systeme eine eigene Vorstellung zur Lösung, die in ihrer „Meinung“ die Beste für uns als Individuum ist. Oft sind die Meinungen aber nicht deckungsgleich, oder gehen sogar in unterschiedliche Richtungen. Dies können wir uns wie ein Engelchen und Teufelchen vorstellen, das auf unserer Schulter die Für und Wider diskutiert. Nur, dass es nicht nur zwei, sondern viele solcher Systeme gibt.

Dies kann ein System sein, dass unsere Sinneseindrücke verarbeitet, ein System, dass Zukunftsszenarien vorhersagt, ein System das unsere Erinnerungen und Erfahrungen verwaltet, ein System das unsere Emotionen steuert und so weiter und so fort.

Doch was bedeutet dies für unsere Entscheidungen? Eine Entscheidung fühlt sich immer dann im Nachhinein richtig an, wenn alle unsere Teilsysteme im Kopf die gleiche Meinung haben, oder sich zumindest einstimmig auf eine Entscheidung ​geeinigt​ haben.

Das Problem: Ohne ausreichend Übung (z.B. durch Yoga und Meditation) laufen die Prozesse in unserem Unterbewusstsein meist automatisch ab. Wenn wir dann eine Entscheidung voreilig treffen und Bedürfnisse unseres Kopfes ignorieren, werden diese bei den ersten Problemen ganz schnell laut und schreien: „Habe ich es doch gewusst!!“ und das Gedankenkarussell und die Zweifel beginnen von Neuem. Weil wir genau vor diesem inneren Konflikt Angst haben, entscheiden wir uns lange Zeit oft gar nicht.

Innere Ruhe macht entscheidungsfähig.

Doch was können wir dagegen tun? Als erstes ist es wichtig herauszufinden, was wir wirklich in unserem tiefsten Inneren wollen. Dies muss noch nichts mit unserer aktuell schwierigen Entscheidung zu tun haben, sondern es ist vielmehr unsere persönliche Vision für unser Leben. Denn wenn wir diesen Herzensweg kennen, lassen sich dann daraus die Grundwerte ableiten, die für uns persönlich wichtig sind und unser Handeln steuern bzw. unsere Entscheidungen in die für uns richtige Richtung lenken können.

Dieser Prozess braucht Kraft, Ruhe und vor allem Zeit, da wir uns in dieser Phase sehr stark mit uns selbst beschäftigen. Am Besten funktioniert dies, wenn wir dabei ​einem Leitfaden folgen, der uns Stück für Stück durch den Prozess der Selbstreflektion führt.

Denn wenn wir unsere Grundwerten kennen ist es so, dass die einzelnen Systeme im Kopf nicht bei jeder Entscheidung eine neue Debatte lostreten, sondern wir uns darauf besinnen, dass wir uns ja schonmal auf diese Grundwerte geeinigt haben. Zukünftige Entscheidungen werden dadurch leichter und untereinander stimmig.

Am Ende sind es die leisen Stimmen.

Das war ziemlich viel Theorie, oder? Also lasst uns zum besseren Verständnis ein Beispiel anschauen, wie wir zum Beispiel schwierige Entscheidungen treffen.

Unser größten und dominierenden Grundwerte sind Liebe und Freiheit. In der Vergangenheit standen wir schon häufiger, besonders zum Anfang von unserer Selbstständigkeit, vor dem Problem, dass unser Geld knapp wurde. Wir bekamen Existenzangst und standen plötzlich vor der folgenden, sehr schwierigen, Entscheidung: Sollen wir einen sicheren Nebenjob annehmen, oder sollen wir weiter 100% unserer Energie in unsere Selbstständigkeit stecken, auch mit der Gefahr dass wir noch stärker auf Dinge verzichten müssen und wir es vielleicht nicht schaffen?

Immer wenn wir heute vor so einer schwierigen Entscheidung stehen, besinnen wir uns ziemlich schnell ganz auf uns selbst. Wir nutzen dabei die Methoden, die wir während unserer Meditation gelernt haben, nur das wir uns ab einem gewissen Punkt nicht mehr auf die Atmung konzentrieren, sondern wir die aktuelle schwierige Entscheidung zu unserem Meditationsobjekt machen. Wir konzentrieren uns also nicht mehr nur auf den Atem, sondern auf das Problem.

Alle Positionen der Systeme, über die wir oben gesprochen haben, lassen wir dann ihre Meinung vortragen. Wir bewerten nicht, sondern lassen die Gedanken einfach vorbeiziehen, so dass sich niemand benachteiligt, oder unterdrückt fühlt. Wenn alle dann ihre Meinung vorgetragen haben, lenken wir unseren Fokus auf unsere Grundwerte. In den meisten Fällen verschwindet dann das Problem von selbst und der für uns richtige Weg wird deutlich.

Für die Entscheidung aus unserem Beispiel bedeutet dies, dass wir uns für den Weg der Freiheit und Liebe (mehr Zeit zu zweit) entscheiden und die Option des sicheren Jobs plötzlich für uns keine Rolle mehr spielt. Die Hoffnung, dass wir es schaffen und noch mehr Freiheit dadurch erlangen ist einfach zu groß. Dadurch dass alle Positionen ihre Meinung vortragen durften und wir uns auf eine gemeinschaftliche Lösung in unserem Kopf geeinigt haben, ist es auch egal was andere über uns denken, oder uns einreden wollen was richtig ist.

Es klingt vielleicht komisch, aber wir wissen dann, dass die Entscheidung für uns richtig ist und es gibt keine Zweifel mehr.

Denn ist es nicht so, dass innere Ruhe erst den kleinen und feinen Stimmen Beachtung schenkt, die sonst im Getöse unseres Alltags untergehen? Und sind es nicht meist die kleinen und leisen Stimmen, die eigentlich die Wahrheit sprechen?

***

Wir danken euch für eure Aufmerksamkeit und besonders der lieben Sabine, die uns die Möglichkeit für diesen Gastbeitrag gegeben hat.

***

Ich danke euch!

Foto: Unsplash

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1 Comment

  • Reply
    Wichtige Entscheidungen treffen – Into Yourself
    12.05.17 at 11:09

    […] Artikel ist zuerst, bei der lieben Sabine, auf A Hungry Mind als Gastbeitrag […]

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