Minimalism Slow Fashion

5+ Marken, die nur auf Bestellung produzieren

fair fashion on demand

H&M verbrennt seine Überproduktion. Nicht nur, wer in der Fair-Fashion-Szene unterwegs ist, hat diese Schlagzeile in der letzten Woche gelesen. Eigentlich ist es nicht einmal überraschend, auch wenn man vielleicht meinen könnte, dass nicht verkaufte Textilien dem supernachhaltigen Recycling-Kreislauf zugeführt würden, für den das Unternehmen ein Mal im Jahr werbewirksam trommelt. Trotzdem dementieren Hennes & Mauritz die Verbrennung guter Kleidung, denn: Überproduktion existiere bei H&M gar nicht; es gebe nichts, das nicht in irgendeiner Filiale noch verkauft wird. Nachdem dieses Argument nicht zieht, kommt ein anderes: Angeblich sei die Kleidung mit Schadstoffen belastet. Wie glaubwürdig man diese verstrickt geäußerten Wahrheiten findet oder ob man sie eher den alternativen Fakten zuordnet, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ich für mich habe entschieden, mich nicht weiter aufzuregen, sondern lieber Alternativen aufzuzeigen.

Wie verhindert man eigentlich Überproduktion? Naja: Indem man Kleidung nicht als wöchentlich wechselnde Massenware produziert. Bei H&M kaufe ich schon lange nicht mehr ein, und ich weiß, dass die kleinen wie auch die größeren Fair Fashion Labels weniger und vor allem kleinere Kollektionen haben. Die Sachen sind viel länger verfügbar, was manchmal fast schon nervt, weil die 36 lange weg ist und man das schöne Produkt weiter in der Vorschau sehen kann – aber irgendwann ist es dann eben auch in den seltener getragenen Größen ausverkauft. Und das finde ich gut.

Eine noch nachhaltigere Idee: Fair Fashion on demand, also erst dann produzieren, wenn jemand ein Exemplar bestellt. Natürlich ist das aufwendiger und dauert länger. Aber warum ist es eigentlich so schrecklich, mal zwei bis sechs Wochen auf etwas zu warten? Ungeduld ist ein Gefühl, bei dem ich mich auch beim Einkaufen selbst immer wieder ertappe. Haben wir verlernt, uns auf etwas zu freuen, weil wir alles immer sofort haben können? Ich will es mir wieder beibringen! Zum Beispiel mit einer dieser wunderbaren, fairen Marken:

1. Éthical by Dariadaria

Als Maddie beim großen Blog-Relaunch von Dariadaria enthüllte, dass sie ab jetzt ihre eigene Kollektion anbietet, war ich begeistert. Nicht nur, weil sie die Shirts und Beutel, die es bisher in Unisex-Größen gibt, erst auf Bestellung bedruckt, sondern auch, weil sie sagt: Bitte kauft nur, wenn ihr etwas braucht. Chapeau! Bisher hat mich genau dieser Reminder abgehalten, ein Shirt zu bestellen, aber es sieht so aus, als würde die Kollektion bald um einen tollen Sweater erweitert… Schaut im Éthical Shop vorbei!

2. Caseable

Caseable verkauft keine Kleidung, sondern Alltagsgegenstände, über die man in der Nachhaltigkeitsdiskussion seltener nachdenkt: Schutzhüllen für Notebooks, Tablets und Co. Dabei sind gerade die Plastikhüllen fürs Smartphone so austauschbar geworden! Caseable produziert alles, was geht, aus Recyclingmaterial wie PET-Flaschen. Die Sachen werden von Hand in Deutschland und den USA gefertigt. Und der Druckauftrag startet erst, wenn die Bestellung eingeht – nicht nur beim selbstgestalteten Produkt, sondern auch bei der Kollektion.

3. feinwasser

Öko, fair, politisch und noch im Crowdfunding – umso wichtiger, dass man das Label von Lukas und Crispin kennenlernt und kräftig unterstützt! Neben dem Druck on demand (die beiden verwenden für ihre Aquarellmotive Shirts von 3freunde.de) hat feinwasser sich zum Ziel gesetzt, noch mehr zu sein als eine Marke, die besser produziert: nämlich ein „explizit politisches Unternehmen“, mit dessen Gewinnen andere soziale und nachhaltige Projekte unterstützt werden sollen. Das Preismodell soll solidarisch sein – wer mehr hat, zahlt freiwillig ein bisschen mehr, damit auch die, die weniger haben, sich tolle, faire Shirts leisten können. Klingt perfekt? Dann unterstützt das Crowdfunding von feinwasser! Mein Favorit ist das „shame“ T-Shirt. Seine Vorlage ist mir nämlich den ganzen Sommer unangenehm aufgefallen…

Zugegeben – die Recherche für diesen Artikel fiel mir schwer. Gibt es tatsächlich erst so wenige (Öko) Marken, die auf Bestellung produzieren? Sagt doch bitte in den Kommentaren Bescheid, wenn ihr weitere kennt.

EDIT – eure Nennungen!

4. Pré Studios
5. Frija Omina

High End
6. Elsien Gringhuis
7. Johanna Hauck
8. BÉBHÍNN

Ihr seid der Hammer – danke euch für den schnellen Input und macht weiter so!

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9 Comments

  • Reply
    Wiebke
    22.10.17 at 19:31

    Super Artikel! Es ist so wichtig, sich nicht nur über die großen „bösen“ aufzuregen, sondern gute Alternativen zu zeigen und zu überlegen, was man wie besser machen kann 🙂
    Mir würden da noch Elsien Gringhuis, Johanna Hauck und Bébhínn einfallen. Es gibt aber sicher noch ein paar mehr Labels, die auf Bestellung produzieren! <3

  • Reply
    Tabea
    23.10.17 at 07:05

    Also dass mit H&M ist mir zwar bisher entgangen, aber es klingt leider total einleuchtend, dass die viel Kleidung vernichten und somit Ressourcen verschwenden.

    Den Ansatz, den du hier vorstellst, finde ich also prinzipiell gut. Zum Problem wird sowas eben eigentlich nur, wenn man schnell noch was zum Verschenken braucht oder etwas dringen umgehend ersetzt werden muss.

    Liebe Grüße

    • Reply
      Sabine
      23.10.17 at 09:33

      Ja, schon – Geschenke kann man aber ja meistens auch planen und dringend ersetzen muss man glaube ich eher mal die Winterjacke, als ein einzelnes Shirt 🙂
      xx

  • Reply
    Sylvie
    23.10.17 at 08:01

    Ein ganz toller Artikel, an denen sich einige Marken unbedingt ein Beispiel nehmen sollten. 🙂

    Love, Sylvie von http://www.miss-interpreted.com

  • Reply
    L♥ebe was ist
    23.10.17 at 09:46

    leider ist es nicht nur H&M, die diese Ressourcen-Verschwendung betreiben, sondern wie ich gehört habe auch einige anderen Onlineshops :/
    den Launch von Maddies Kollektion finde ich auch sehr spannend!

    hab eine schöne Woche,
    ❤ Tina von http://liebewasist.com

    • Reply
      Sabine
      23.10.17 at 15:36

      Klar – es waren auch nicht nur Mango und Primark, die in Rana Plaza produzieren lassen haben. Aber es müssen halt meistens diejenigen als Sündenbock herhalten, die man als Erstes erwischt. Wichtig, dass man das als Konsument hinterfragt und auf echte Alternativen ausweicht!
      Schöne Woche xx

  • Reply
    Laura
    24.10.17 at 12:48

    Ich finde deinen Beitrag wirklich richtig super!
    Wie schon Wiebke im ersten Kommentar gesagt hat – nicht zu sehr über die großen „bösen“ aufregen, sondern viel mehr die Alternative zeigen!
    Weiter so! 🙂

    • Reply
      Sabine
      24.10.17 at 12:57

      Danke für dein Feedback! Es ist oft gar nicht so einfach, nicht in negative Denkmuster zu verfallen, wenn man liest, was alles schiefgeht.. aber zum Glück gibt es auch diejenigen, die das Gute einfach mal anpacken!
      xx

  • Reply
    Jenni
    27.10.17 at 09:19

    Liebe Sabine,

    ein klasse Artikel!
    Ich finde Labels, die nur auf Bestellung produzieren, auch sehr sympathisch und habe im Hinterkopf, dass TWOTHIRDS das auch macht – ob das bei den gesamten Kollektionen der Fall ist, weiß ich leider nicht, aber bei der aktuellen auf jeden Fall.

    P.S.: Ich finde den Ansatz, sich auf ein Ding lange zu freuen und es dann endlich in der Hand zu haben, um sich dann noch mehr darüber zu freuen, dass es nun da ist, einen ganz tollen und versuche, das für mich auch mit der 30-Tage-Warten-bevor-ich-etwas-kaufe-das-ich-haben-will-Liste umzusetzen. Klappt nicht immer, aber immer öfter. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

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