Minimalism

5 Ideen gegen Lebensmittelverschwendung

richtige Mengen einkaufen - Einkauf planen

Ich könnte diesen Artikel mit viel Pathos beginnen. Ich könnte aufzählen, wie viele Lebensmittel in Deutschland jährlich in der Tonne landen, und dann vom Welthunger und all den Obdachlosen erzählen. Aber ich denke, wir sind alle erwachsen und wissen es längst: Lebensmittel wegschmeißen ist scheiße. Es fühlt sich auch genauso scheiße an, wenn es mal wieder passiert. Nur irgendwie… können wir es nicht wirklich verhindern. Ich habe mir in letzter Zeit oft überlegt, woran das liegt. Und ein paar neue Routinen eingeführt, die mir im Alltag helfen, meinen Lebensmittelmüll endlich nahe null zu bringen.

Wie man Lebensmittelverschwendung vermeidet, ist ja eigentlich ganz klar: Nicht mehr kaufen als nötig, alles rechtzeitig aufbrauchen und wenn das nicht klappt, alles Übrige frühzeitig weitergeben. Well thank you, Captain Obvious. Und jetzt mal ernsthaft?

1. Einen Wochenplan erstellen

Ich kaufe vor allem dann zu viel, wenn ich planlos einkaufe. Wenn ich im Supermarkt denke: Oh, auf Ravioli hätte ich auch mal wieder Lust. Und auf Lasagne. Und die Avocados sehen heute toll aus… Ist ja alles super. Aber wenn sich am Ende keine sinnvollen Mahlzeiten zusammenstellen lassen – oder einfach zu viele, die ich gar nicht alle in meiner Woche unterkriege, dann entsteht Müll. Die richtige Menge einzukaufen klappt am besten, wenn man schon vorher einen Plan hat.

Als ich das erste Mal sonntagabends mit einem Notizbuch im Bett saß, kam mir die Idee irgendwie komisch vor. Es fühlt sich falsch an – wollte ich wirklich heute festlegen, worauf ich in drei Tagen Lust hatte? So sehr ich Struktur liebe – bei Essen bin ich störrisch genug, um an spontanen Gelüsten festzuhalten.
Die Erfahrung zeigt: Es geht trotzdem und kann sogar Spaß machen. Hier ein paar Tipps:

Plane flexibel.
Und zwar so, dass es nicht wichtig ist, ob du die Reispfanne am Mittwoch oder am Donnerstag isst. Plane lieber ein bisschen weniger ein, als du zunächst denkst. Es bleibt immer etwas übrig oder man geht eben spontan doch mal essen. Ich mache es auch manchmal so, dass ich einen Tag bewusst freilasse – dafür darf ich mich dann spontan im Supermarkt inspirieren lassen.

Plane früh.
Gelernt aus eigener Erfahrung: Sonntagabend ist gar nicht mal so klug, wenn du montags wenig Zeit zum Einkaufen hast. Inzwischen versuche ich, meinen Plan freitags schon hinzukriegen, sodass ich meinen Wocheneinkauf samstags machen kann. Einzelne, frische Zutaten hole ich dann noch 1-2mal die Woche nach der Arbeit.

Bio Café Altona

Das Wochenende ist außen vor.
Gleichzeitig sind Samstag und Sonntag für mich Sonderfälle. Da möchte ich ein Frühstück, das über meine Evergreens, die ich immer zuhause habe, hinaus geht. Auch beim Kochen gebe ich mir am Wochenende mehr Mühe, finde es fast schon meditativ. Andererseits bin ich abends vielleicht eher verabredet und brauche gar nichts zu essen. Das versuche ich vorauszusehen. Deshalb ist es übrigens doppelt gut, dass ich samstags einkaufe und nicht montags!

2. Unverpackt einkaufen

Besonders in einem Singlehaushalt ist es manchmal schwer, die richtigen Mengen zu kaufen. Zwar muss man sich mit niemandem abstimmen – aber dafür gibt es viele Lebensmittel im Supermarkt nur in relativ großen Portionen. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für exakt dieses Problem kommen die neuen Unverpackt Läden in ganz Deutschland genau richtig. Vielleicht gibt es auch in deiner Stadt schon einen – oder zumindest einen Bioladen, der ein paar wenige Lebensmittel zum Selbstabfüllen anbietet, wie zum Beispiel Twelve Monkeys oder Bio.lose in Hamburg. Seit Anfang 2017 gibt es hier auch endlich den voll-und-ganz-unverpackt-Laden Stückgut – ich habe im letzten Jahr wochenlang mit dem Crowdfunding mitgefiebert und bin echt happy, dass die Gründer es geschafft haben! Hier findest du eine Liste von Wastelandrebel Shia, wo es noch solche Läden gibt.

Stückgut Hamburg Blog
Günstig unverpackt in Hamburg

Und falls du jetzt denkst: Unverpackt einkaufen ist doch eh viel zu teuer!, muss ich dir sagen, dass ich das auch dachte. Und auch noch nach dem zehnten Mal an der Kasse überrascht bin und denke: Hä, so günstig?

Meine Ausbeute vom letzten Mal:
– ca. 750g Cornflakes
– ca. 250g Popcornmais
– ca. 200g Kichererbsen
– ca. 100g Linsen
– ca. 150g Risotto Reis
Preis: 10€

3. Verschenken – an jeden!

Die richtige Menge einkaufen und alles ist erledigt? Zu schön, um wahr zu sein. Manchmal bleibt aber eben doch was übrig. Und dann? Klar, Foodsharing kennt man inzwischen. Dass das eine tolle Sache ist, ist auch gar keine Frage! Aber ehrlich gesagt ist es nicht ganz unanstrengend und ich bin selbst oft zu faul oder zu beschäftigt, um einen Essenskorb einzustellen und einen Abholtermin zu organisieren. Was allerdings fast gar keine Energie kostet, ist: Die Mitbewohnerin fragen, es dem Freund mitgeben, es mit zur Arbeit nehmen, es in den Rucksack packen und dem nächsten Obdachlosen in der Bahn schenken. Wichtig ist nur, dass du daran denkst, bevor das Zeug schlecht wird.

Lebensmittelverschwendung im Haushaltunverpackt einkaufen Hamburg

4. Ordnung halten

Je voller der Schrank, desto schlechter die Übersicht? Muss gar nicht sein. Mein Essensvorrat ist auch meistens recht groß – Evergreens und Sachen, die ich unverpackt kaufe, nehmen schon einiges an Platz ein und das finde ich auch in Ordnung, weil ich dann auch mal eine Notlösung (Nudeln mit Pesto) zuhause habe, wenn ich keine Zeit mehr hatte, frisch einzukaufen. Aber ich achte darauf, meine Sachen relativ sortiert zu halten und hole etwa ein Mal im Monat alles aus dem Schrank. Dann erinnere ich mich wieder, was ich in die nächste Wochenplanung einbeziehen könnte und sehe außerdem Verfallsdaten, die sich nähern.

5. Mindesthaltbarkeitsdatum prüfen

Und prüfen heißt nicht wegwerfen! Dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht das Verfallsdatum ist, ist wahrscheinlich die größte Binsenweisheit, die ich hier erzähle. Denn eigentlich weiß das jeder! Es ist nur so eine irre Überwindung, diese vermeintliche „Anweisung“ zu ignorieren und sich selbst die Entscheidung anzuvertrauen. Es gibt auch ein paar Sachen, bei denen ich pingelig bin – vor allem tierische Produkte – aber im Großen und Ganzen kann das meiste viel länger gegessen werden, als auf der Packung steht. Im Zweifelsfall riechst du, wenn etwas schlecht ist. Und nur dann sollte es auch in den Müll.

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3 Comments

  • Reply
    Regina
    04.02.17 at 07:49

    Hallo Sabine !
    Danke für deinen wunderbaren Artikel , es spiegelt meine Einstellung zu Lebensmitteln und Einkauf voll und ganz wieder . Auch ich mache Listen und kaufe einmal wöchentlich auf Vorrat ein . Auch wir halten uns nicht immer stur an den Plan , aber ein gewisser Ansatz ist wohl da. Besprochen wird vorab was jeder von uns beiden gerne wieder mal essen würde , das wird berücksichtigt. Springt mir dann im Kühlschrank ein Lebensmittel entgegen das unbedingt weg muss dann wird das vorab verwendet und verkocht. Ich kann die Lebensmittel die ich im Laufe eines Jahres wegwerfe an einer Hand abzählen- es kommt so gut wie nie vor.
    Schön das ich dich gefunden habe !
    Liebe Grüße Regina

  • Reply
    Jenni
    05.02.17 at 10:59

    Liebe Sabine!

    Lebensmittelverschwendung ist ein unglaublich wichtiges Thema, das auch mir (wie vielen anderen) sehr am Herzen liegt.
    Wir haben es bisher unter anderem unter Anwendung der Tipps, die du hier aufzählst, geschafft, fast keinen Lebensmittelmüll mehr zu produzieren. Problematisch wird es nur, wenn wir (Schwiegermama in spe meint es ja nur gut) Essen in großen Mengen geschenkt bekommen (und es dann nicht schaffen, alles rechtzeitig aufzubrauchen). Bis ich dann vor Kurzem auf die naheliegende Idee gekommen bin, alles Überflüssige – sei es aus der Biobox, dem Einkauf vom Wochenmarkt oder eben Geschenktes – ebenfalls weiterzuverschenken. Da ich in meinem Bekanntenkreis weniger Menschen habe, die sich dafür eigenen, bringe ich die Lebensmittel einfach zur örtlichen Tafel – hier bekommen sie genau die Menschen, die sie aus meiner Perspektive am dringendsten gebrauchen können. Mein Gewissen sagt mir da, dass ich gleich zwei Mal etwas Gutes getan habe und das ist ein schönes Gefühl.

    Liebe Grüße
    Jenni

  • Reply
    Minimalismus beim Make Up » LifeSaysHello.com
    11.02.17 at 11:02

    […] über ihre Entscheidung zum Minimalismus. Zum Beispiel hat sie vor kurzem Tipps gegeben, die gegen Lebensmittelverschwendung helfen und vor einer Weile auch einen Einblick in ihr minimalistisches Zimmer gegeben. Wer sich mehr […]

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