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Introvert’s Diary: Keine Zeit für Entschleunigung

Zeit für Entschleunigung

Samstagvormittag, 11:34. Ich stehe an der Bushaltestelle und warte – schon zum zweiten Mal. Zwei Wochen nach dem Urlaub bin ich wieder vollkommen im Alltag gelandet. Und heute bin ich verzweifelt. Nicht nur, weil ich Schienenersatzverkehr hasse, gerade versehentlich im Kreis gefahren bin und innerlich eine Tirade darüber ablasse, dass das jetzt den halben Sommer an der U2 so laufen wird. Es ist wieder einmal der verdammte Zeitplan. Dieses imaginäre Ding, das mich permanent verfolgt, mich immer wieder von hinten am Knöchel packt oder mir von weit vorne ins Gesicht lacht: „Na, schaffst du’s wieder nicht?“ Bei angenehmen zwanzig Grad stehe ich in meiner gepflegten Hamburger Wahlnachbarschaft und will einfach nur zurück in mein Bett. Geht’s noch? Nein, nicht wirklich.

Mein Tag ist gerade einmal zweieinhalb Stunden alt, als ich ihn schon abhaken will. Früher war Samstag der Spaßtag in meiner Woche. Inzwischen ist er im besten Fall ein herausfordernder Staffellauf mit mir selbst und im schlimmsten Fall eine Odyssee ohne Happy End. Heute habe ich schon wieder verloren: Ich bin wieder nicht um 7 Uhr aufgestanden, um meine Yoga Practice zu perfektionieren und im Anschluss noch schnell die Mails zu beantworten. Ich habe seit zwei Monaten überhaupt kein Yoga gemacht. Ich habe auch nicht entspannt um 8 Uhr bei einem perfekten Matcha Tee gesessen und im Anschluss das heutige Instagram Bild vorbereitet, während ich mit manikürten Fingern in schönstem Handlettering mein Bullet Journal aktualisiere. Das mache ich nie.

Stattdessen habe ich beim Schnelldurchscrollen zwischen Frühstück und Treppenhaus wieder einmal von Entschleunigung gelesen und davon, wie gut die Projekte der anderen laufen, seit sie bewusster leben. Das Beiprodukt der Entschleunigung sind Ebooks, Podcasts und perfekte Instagram Feeds mit zehnfach schnellerem Wachstum als meinem eigenen. Leute, deren Message meiner so ähnlich ist, aber die einfach zig mal lauter gehört werden – weil sie viel mehr Zeit in die Verbreitung investieren als ich. Kurz sticht es mich, dann bin ich too tired to care.

Als ich da an der Bushaltestelle stehe, frage ich mich, wie es zu dieser allumfassenden Unzufriedenheit in meinem Alltag kommen konnte. Warum der Motivationsschub, den die Sonne mir in den letzten Tagen gegeben hat, mich mehr stresst als pusht. Und wieso es für mich gerade so ein riesiges Drama ist, dass ich die Endhaltestelle verpasst, zurückgefahren und dadurch 30 Minuten verloren habe.

Ich bin erschöpft.

Und das schon eine Weile. Ich könnte jetzt sagen „seitdem ich einen Vollzeitjob habe“, und obwohl das faktisch stimmen würde – das war der letzte Step, bevor es so wurde, und die Sache, ohne die logischerweise alles entspannter wäre – würde es die Gleichung ein bisschen zu einfach machen. Ja, es ist die Tatsache, dass ich mindestens 40 Stunden die Woche arbeite – und das zu den Hauptöffnungszeiten von Läden, Ärzten und Postfilialen -, die mir diesen Samstagsstress beschert. Ich schaffe es kaum, alle meine Lebensmitteleinkäufe zu erledigen und dann noch in die Stadt zu fahren, um etwas für die Wohnung oder die Sommergarderobe zu besorgen, das ich lieber lokal als online holen will, weil ich es gerne vorher anfasse oder anprobiere. Geschweige denn schaffe ich es vor Samstagabend zum Notebook oder zum Sport. Samstagabende widme ich meinem Freund oder Freunden – es sind gefühlt die einzigen entspannten Stunden meiner Wochenenden.

Sonntags komme ich dann vor 12 Uhr wieder zu „nichts“, und mit „nichts“ meine ich: Nichts Produktives. Ob das schlimm ist? Für mich eben schon. Kreieren ist unfassbar wichtig für meine innere Ausgeglichenheit. Aber selbst Fotografieren, Schreiben und Gestalten bieten nicht mehr die tiefe, introvertierte Versunkenheit von früher. Es ist jetzt meistens Hektik pur, weil ich vor, neben oder nach der Kür noch die Pflicht schaffen muss, bevor ich todmüde ins Bett falle. Zu den alltäglichen To Dos wie Putzen und Waschen kommen nahezu immer Sonderposten, die über Wochen oder Monate meine Aufmerksamkeit fordern. Zurzeit ist es der Umzug, der seit Anfang April immernoch irgendwie anhält; meine neue schöne Wohnung, die ich liebe, aber die mich auch jeden Tag Zeit kostet, weil sie einfach noch nicht fertig ist. Der Blog ist daneben im Moment eigentlich unschaffbar.

Wie oft habe ich in letzter Zeit gemotzt: „Wenn ich das jetzt wieder nicht packe, kann ich den Blog auch einfach löschen“. Wozu ein Blog, wenn er nie aktuell ist, ich das Antworten auf Kommentare schleifen lasse und die tollen Ideen, die ich habe, oll sind, bevor ich sie auch nur zu meiner halben Zufriedenheit umsetzen konnte – ach Quatsch, bevor ich überhaupt einen Absatz tippen konnte. Es ist gar nicht nur, dass mich die Reichweite nervt, die komplett stagniert, weil ich meistens eine Wahl treffen muss zwischen „Content kreieren“ und „Content verbreiten“, oder die Tatsache, dass ich thematisch meistens hinterherhänge und denselben Artikel noch plane, den fünf andere Blogger schon raushauen. Es ist nicht nur der Antrieb von außen, der mehr sein könnte. Ich will selbst leidenschaftlich gerne mehr Zeit investieren – und kann es einfach nicht, weil mein Alltag mich fertig macht.

Mache ich mich selbst fertig?

Man muss Prioritäten setzen – das ist der schlaue Satz, den ich mir auch selbst immer wieder vorbete. Das Problem ist nur, dass es inzwischen zu viele Dinge gibt, die auf der Prioritätenliste IMMER ganz nach hinten rücken. Das Fitnessstudio seit zwei beschämenden Monaten. Das Schminken am Wochenende. Die professionelle Zahnreinigung, weil wichtigere Arzttermine während der Arbeitszeit anstehen und ich nicht ständig fehlen kann. Zig Serien auf Netflix – sicherlich unwichtig. Fünf Bücher, die ich wirklich gerne für meinen Job lesen würde, ein Programm, in das ich mich reinfuchsen will – eigentlich ziemlich wichtig. Das Festplattenbackup. Die Versicherung, die ich seit Ewigkeiten abschließen sollte. Die wirklich gründliche Recherche über Nahrungsmittelunverträglichkeiten, weil es mir eigentlich seit Monaten nicht gut geht, was zusätzlich zur Erschöpfung beiträgt. Die Liste ist einfach zu lang und lässt oft schon das aus, was ich wirklich machen müsste, ganz zu schweigen von dem, was ich gerne machen würde.

Zeit für Entschleunigung – das ist doch bekloppt.

Wenn ich kaum das in meinen Zeitplan kriege, was ich schaffen muss, plus wenigstens ein priorisierter, abgespeckter Teil von dem, was ich schaffen will – wann zur Hölle soll ich Zeit für Entschleunigung finden? Was soll ich langsamer und bewusster tun, wenn alles ein Wettlauf gegen die Zeit ist? Wann soll ich den Punkt sehen, an dem man sagt: So, jetzt ist genug, jetzt setzt du dich hin und trinkst eine Tasse Tee? Versteht mich nicht falsch, ich mache das. Ich erkenne oft genug, dass ich am Limit bin und ziehe die Notbremse. Klar kann ich das machen – aber dann mache ich immer etwas anderes nicht. Und das ist meistens der Blog, weil er eine der wenigen optionalen Komponenten im Terminkalender ist. Vieles fühlt sich zurzeit wie ein Wettrennen an – und geschafft habe ich am Ende gefühlt immer zu wenig. Und alles, was liegen bleibt, macht mich noch müder.

Man könnte jetzt sagen: Es ist alles in deinem Kopf. Deine Sichtweise ist das Problem, weil durch den mentalen Stress, den du dir machst, nichts beschleunigt wird. Du darfst dein Leben nicht in Work/Life oder Must/Want unterteilen und dabei eine Balance finden wollen, du solltest den Job, die Hausarbeit, den Sport und deine Arzttermine als freiwilligen, selbst gewählten und positiven Teil deines Lebens begreifen.

Und plötzlich wird selbst das Mindset zur Leistung.

Hinsetzen und Matcha schlürfen – das kann nur, wer zuerst seinen Shit auf die Reihe kriegt, wer strukturiert, ausgeglichen und dankbar ist. Bedeutet der sprichwörtliche Matcha Tee wirklich Entschleunigung oder hetzen diese Leute sich vorher genauso ab wie ich, fluchen über alles, schmeißen den Dreck in die Ecke, die man nicht sieht, und lächeln dann in die Instagram Story? Ich persönlich habe das so in etwa schon getan. Leider kein Witz.

Vielleicht heißt Entschleunigung, zu akzeptieren, dass ein Umzug in einer Erwachsenenrealität nichts mehr ist, das man an einem Wochenende wuppt, wie damals neben dem Studium. Sondern etwas, das sich über Monate zieht, und dass es ganz normal ist, nach einem Monat noch immer über Mist in der Wohnung zu stolpern und es die ersten drei Wochen einfach nicht hinzukriegen, mal richtig zu putzen. Dass in so einer Zeit noch mehr anderes auf der Strecke bleibt als sonst.

Vielleicht heißt Entschleunigung, manche Dinge komplett zu streichen und zeitweise bewusst ein Leben ohne sie zu gestalten. „Sometimes, giving up is solving the problem“ stellen die Mustards in ihrer neuesten Podcast Folge vom 16. Mai fest. Ich denke, so eine Sache wird es bei mir geben müssen. Was es ist – das weiß ich im Moment einfach noch nicht. Es kann nicht die gesunde Ernährung beziehungsweise das abendliche Kochen sein, es sollte auch nicht der Sport sein. Ich will aber auch absolut nicht, dass es der Blog ist. Vielleicht ist es nicht eine ganze Sache, die ich lassen muss, sondern eher Teile davon oder die Art, wie ich mich organisiere und meine To Dos wahrnehme.

Vielleicht ist es Laufen zur Arbeit statt Fitnessstudio am Abend, Sonntagabends drei Mahlzeiten vorkochen statt jeden Abend eine. Vielleicht ist es mehr Multitasking oder Scheiß auf Multitasking. Ich habe noch keine Ahnung. Aber irgendwas muss (s)ich gewaltig ändern.

Hast du schon einmal eine große Sache komplett gestrichen, deinen Zeitplan oder deine Einstellung radikal geändert?
Was hilft dir in einer Situation wie dieser?

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14 Comments

  • Reply
    Alina
    23.05.17 at 21:46

    Ein toller Post! Ich lebe zwar ein Studentenleben, aber trotzdem kein entspanntes. Neben dem Studium habe ich momentan noch einen Haushalt zu schmeißen, einen großen und einen kleinen Nebenjobzu meistern, sowie meinen eigenen Blog. Dann die Balance zwischen gesunder Ernährung, sozialen Kontakten, Papierkram, Uni, Freunden, Beziehung (…) zu finden ist schwierig bis unmöglich. Ich habe mich in fast jedem deiner Worte wiedergefunden!
    Meistens leidet bei mir zuerst der Sport…
    Meine momentane Lösung: Ich habe den Luxus, nicht auf meine Nebenjobs angewiesen zu sein. Wahrscheinlich werde ich einen kündigen. Dieses berühmte Entschleunigen ist schwierig, aber wichtig. Wenn ich nicht zu den Dingen komme, die mir wichtig sind, werde ich total unglücklich.

    Liebe Grüße

  • Reply
    Jenni
    24.05.17 at 08:23

    Liebe Sabine,

    du glaubst gar nicht, wie gut ich mich in dich hineinversetzen kann – und das, obwohl ich auch immer noch im Studentenleben feststecke (die Wortwahl ist bewusst so, denn ich empfinde es in der Tat als ein Feststehen und Nicht-von-der-Stelle-kommen).
    Viele Dinge verlangen nach Aufmerksamkeit, ich habe in den letzten Monaten stark die Priorisierung verloren – und mit diesem Fokus letzten Endes auch mich selbst. Bei mir ist es weniger der Fall, dass ich 40 Stunden pro Woche in einem bestimmten Betrieb anwesend sein muss und daher mein Zeitfenster für alles Übrige zu klein ist, sondern vielmehr, dass ich ein wenig im luftleeren Raum schwebe, seitdem ich weiß, dass mir genau das in wahrscheinlich nicht allzu langer Zeit bevorsteht. Und ich muss gestehen: Davor habe ich echt Angst. Ich brauche viel Freiraum, viel Zeit für mich, viel Zeit zum Kreativsein. Und diese Angst, das bald nicht mehr zu haben, hat mich in eine Paralyse fallen lassen, aus der ich mich kürzlich erst wieder herausgearbeitet habe. Jetzt ist es wieder einigermaßen okay, aber auch nur, weil ich Zukunftsängste erstmal ausblende, mich auf das Jetzt fokussiere und das, was in diesem Moment geschafft werden will und mein nächstes Ziel ist. Step by step.

    Da ich ein Mensch bin, der Regelmäßigkeit braucht, schreibe ich mir jeden Morgen beim Kakaotrinken (oder beim Matcha 😉 ) meine To-Do-Liste des Tages, die ich ehrgeizig, aber bewusst realisierbar formuliere. Und bei der ich weiß, dass es nicht schlimm ist, wenn sie nicht zu 100% abgearbeitet ist – obwohl das immer das leichte, im Hintergrund formulierte Ziel ist.

    Was ich für mich festgestellt habe, wenn man solche Phasen hat (die vollkommen normal sind): Mir hilft es am besten, das einfach erstmal anzunehmen. Sich einzugestehen, dass etwas nicht rund läuft (was du ja bereits getan hast) – und im zweiten Schritt nicht gramerfüllt oder sauer demgegenüber zu sein (auch wenn’s ziemlich schwerfällt), sondern eher neutral zu schauen, woran es liegt und was anders gemacht werden könnte und sollte.
    Ich schreibe mir für solche Zwecke auch wiederum gerne eine Liste oder eine Gegenübstellung: Wie ist es jetzt – und wie hätte ich es gerne? Letztes im realistischen Rahmen formuliert. Und was muss ich tun, um von A nach B zu gelangen? Wer kann mir dabei helfen?
    Als nächstes spreche ich mit Serdar und führe lange Gespräche mit ihm. Das bringt runter und öffnet regelmäßig den Horizont. Er sieht die Dinge nämlich meist viel entspannter als ich. Und – was auch total wichtig ist (jedenfalls für mich): Ich frage nach Hilfe. Bevorzugt natürlich eben die bessere Hälfte, weil die mich eben am besten kennt und am meisten Zeit mit mir verbringt, aber auch andere Menschen. Niemand schafft sowas ganz allein.

    Vielleicht haben dir meine Überlegungen ein wenig geholfen – auch wenn wir ganz andere Ausgangsvoraussetzungen haben.

    Fühl‘ dich gedrückt!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply
      Sabine
      25.05.17 at 08:27

      Liebe Jenni,
      danke <3 Du baust mich mit deiner entspannten Art und deinen Kommentaren so oft auf und mit diesem besonders!
      Ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen - die letzten Monate des Studiums fühlten sich für mich auch einfach nur zäh an und ich dachte, es würde nie aufhören. Mal vorsichtig formuliert: Ich weiß noch nicht, ob wir uns "einfach" an die Realität eines Vollzeitjobs gewöhnen müssen, indem wir alles andere darum arrangieren und idealerweise auch im Job kreativ sein können (das ist bei mir immerhin der Fall - wäre es nicht so, würde ich wahrscheinlich echt eingehen) oder ob wir uns an andere Arbeitszeitmodelle rantasten müssen. Das muss ja nicht gleich das digitale Nomadenlife auf Bali sein, aber vielleicht hilft ein halber freier Tag in der Woche, an dem man sich Erledigungen widmen kann, um am Wochenende mehr Zeit für Spaßprojekte und den persönlichen Ausgleich zu haben. Darüber würde ich an deiner Stelle vor dem Einstieg zumindest mal nachdenken!
      Ich sitze hier gerade mit einem Notizbuch und einer angefangenen Liste meiner To Dos und der Dinge, die mich aufhalten - also nochmal danke!
      xx

  • Reply
    Kati
    24.05.17 at 09:29

    Puuuh. Ich weiß nur allzu gut, was du meinst, und kann das sehr gut nachvollziehen. Eine wirkliche Lösung oder Balance habe ich noch nicht gefunden – aber mir „hilft“ vielleicht einfach ab und zu die Tatsache, dass ich wirklich faul bin. Essen gehen statt Kochen? Netflix statt Putzen? Kommt alles vor. Ich glaube ehrlich gesagt, die Lösung ist, (und das klingt so einfach – ist es aber nicht!) alles etwas entspannter zu sehen und die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Bei dir hört man ganz arg doll den Druck raus, den soziale Netzwerke auf dich ausüben – bezüglich Klickzahlen, Instagram-Feeds und Reichweiten. Ganz entziehen kann man sich dem freilich nicht – aber ich hab so den Eindruck, dass dein Blog einer der Wenigen ist, der wirklich treue Leser hat – unabhängig von deiner Post-Frequenz. Ich lese jeden deiner Posts sehr gerne und habe nicht den Eindruck, dass Themen sich oft doppeln oder andere schneller sind – und selbst wenn, deine Art, an ein Thema ranzugehen, ist ganz eigen und toll 🙂

    Perfektionismus – den ich ebenfalls meine, bei dir rauszuhören – ist in meinen Augen nicht realisierbar, wenn man mehr als 3 Baustellen hat – und die hat man als Erwachsener. Eine gewisse Routine stellt sich mit der Zeit schon ein, und ganz wie Jenni genieße ich es auch sehr, durch meinen Freund nicht alles alleine planen und machen zu müssen – zu zweit lassen sich solche Dinge wie ein Haushalt einfach leichter wuppen.
    Oh weia, Sonntagabend gleich 3 Mahlzeiten vorkochen.. das klingt schon wieder sehr nach Stress.
    Während des Studiums – wo man einfach mehr Zeit, und vor allem: mehr Flexibilität durch sich änderne Arbeits- und Vorlesungszeiten hat – ist es, abgesehen vom Geldaspekt, auch viel einfacher, einen nachhaltigen Lebensstil, der ja oft mehr (Planungs- und Zubereitungs-)Zeit in Anspruch nimmt, zu pflegen. Ja, ich glaube, danach muss man Kompromisse eingehen und einsehen, dass man in manchen Bereichen besser handeln könnte, aber vielleicht einfach nicht die Zeit hat.
    Meine Lösung sieht gerade so aus – ich steige aber auch erst in einigen Wochen in meinen ersten Vollzeitjob nach dem Studium ein und kann noch leicht reden – dass ich wenigstens versuchen werde, eben diesen Job nicht überhand nehmen zu lassen und nicht statt 40 Stunden in der Woche 50 zu arbeiten. Das sehe ich nämlich in meinem Umfeld überall und finde das ganz schwierig – da geht es mir ebenso wie Jenni. Teilzeit-Arbeiten wäre eine Lösung, und ich glaube auch ganz fest daran, dass auch der Arbeitsmarkt immer flexibler werden wird. Aber wir werden sehen, was aus diesem Vorsatz werden wird 🙂

    Liebe Grüße,
    Kati

    • Reply
      Sabine
      25.05.17 at 21:37

      Liebe Kati,
      mit den Klickzahlen, Reichweiten und Co ist es so: Natürlich steckt darin ein kleiner egoistischer Teil von mir, der gerne für seine Arbeit gelobt wird und gerne noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit dafür hätte, dass er sich so viel Mühe gibt. Das kann und will ich gar nicht leugnen. Dass ich schon sehr tolle und treue Leser habe, die mir immer wieder wertvolles Feedback geben – du gehörst dazu -, stimmt ebenso und macht das Schreiben erst erfüllend, weil ich das Gefühl habe, damit auch eine Reaktion auszulösen und Gedanken anzustoßen. Genau das würde ich aber gerne noch steigern. Ich habe ja eine Message, die mir über mein eigenes Geltungsbedürfnis hinaus wirklich wichtig ist und von der ich möchte, dass sie in die Welt hinausgetragen wird. Und da gilt eben ganz logisch: Je mehr Reichweite ich habe, desto mehr Menschen kann ich inspirieren.
      Deine Worte zum Thema Nachhaltigkeit und Zeit bauen mich gerade sehr auf – mit „50 percent green“ bist du für mich sowieso ein Vorbild dafür, dass Perfektion nicht sein muss und man einfach nicht alles richtig machen kann, wenn man noch andere Baustellen hat. Danke!
      xx

  • Reply
    Juli
    24.05.17 at 10:57

    Mir geht es genau so, inkl. der fünf Bücher für den Job, ausstehendem Mundhygiene-Termin beim Zahnarzt und eigenem Blog mit stagnierenden Besuchszahlen 🙂 Ich habe eigentlich keine Zeit zum Kommentieren momentan (haha), wollte aber auf jeden Fall folgendes sagen: ich bin ein neuer Follower deines Blogs, finde deine Themen und wie du sie angehst, super und werde mich immer freuen, von dir zu lesen, egal, ob jede Woche, einmal im Monat oder seltener. Und dass andere Minimalisten gleiche Themen vor dir aufgreifen… pff, mir ist es egal, ich lese nicht so viele Blogs und du hast sowieso eine eigene Art, wie jeder Blogger, dem ich folge 🙂 Es sind deine Texte und deine Fotos, die deinen Blog speziell machen… Bleib so wie du bist und – lass uns keinen Stress machen 🙂

  • Reply
    Claudia
    24.05.17 at 20:39

    Ich kann jedes Wort nachvollziehen – und es ist einfach nur ätzend und bei mir genauso seitdem ich Vollzeit arbeite. Wie oft ich schon überlegt habe, den Blog zu löschen kann ich gar nicht mehr zählen. Aber das will ich auch nicht. Gesunde Ernährung fällt unter der Woche schon fast täglich weg… weil keine Zeit zum kochen. Und Sport… naja… Arzttermine stehen noch einige aus (auch echt wichtige, die ich mal machen müsste) genau auch wie eine wichtige Versicherung abschließen.

    Du siehst, irgendeine Strategie habe ich auch nicht. Wie ich meinen Zeitplan ändern sollte, wüsste ich gar nicht. Viel zu oft habe ich mir schon irgendwelche Pläne gemacht und dann kam doch wieder irgendwas dazwischen…

  • Reply
    Carolin
    24.05.17 at 23:07

    Ein wunderbarer Post! Mein eigenes Leben ist meistens zum Glück doch noch recht geruhsam, aber ich weiß von meinem Umfeld nur zu gut, dass der Zeitdruck immer größer und die ToDo-Liste immer länger wird. Fertig ist man da nie. Das ist schon ätzend. Leider weiß ich aber auch nicht, wie man dagegen ankommt.

    Keine Bange, ich weiß genau, was du meinst. Aber es ist schon verblüffend, wie einfach man online ein ganz anderes Bild von sich erschaffen kann, nicht wahr? Und das ganz ohne Lügen, sondern nur durch das Weglassen von Details. Ich habe bisher immer penibel darauf geachtet, meinen Rollstuhl etc. auf Fotos wegzuschneiden (auch weil ich das Ding nicht gerade ästhetisch finde), da es schwierig ist, nur übers Internet das Ausmaß dieser Behinderung zu erklären. Sobald man mich live erlebt, ist die Situation hingegen völlig klar. Außerdem mochte ich den Gedanken, dass hier – in der virtuellen Welt – nur mein Geist und meine Interessen zählen.
    Trotzdem bin ich ebenfalls sehr froh, den Post veröffentlicht zu haben. Du hast recht, ich musste es mir von der Seele schreiben und ich glaube, das war genau die richtige Entscheidung. Danke für diesen Kommentar! <3

  • Reply
    Christiane
    25.05.17 at 17:35

    Jaaa…. Ja… Kenn ich.

    Ich fühle mich zurZeit auch sehr ausgelaugt. UND DAS, obwohl ich Schüler bin! Okay, gerade im Abschlussstress – stressen mich aber mehr die Menschen hier in Hamburg. Doch zur einer Großstadt wie Hamburg, gehören Menschen dazu. Damit muss ich leben, bis ich Zeit und vor allem Geld habe, mir eine Wohnung außerhalb zu suchen. Wie handle ich solche Situationen? Meine To-Do-Liste wird gehegt und pflegt: Ich schreibe alles auf, was mir in den Sinn kommt, was ich machen muss oder gerne machen würde. Aber weil ich so großzügig notiere, bin ich ebenfalls großzügig im streichen. Zudem erlaube ich mir maximal zwei große To-Do-Punkte pro Tag. Keine Musterlösung, aber ich fühle mich nicht so, als würde diese „stressige Situation“ mich vollkommen lahmlegen.

    Zudem zum Blog… Nun,… Muss man ständig dreimal die Woche bloggen? Viele der Blogs denen ich folge, habe seit Wochen nichts mehr gepostet. Das stört mich aber nur minimal – aus Egoismus: weil ich dann nichts zum Lesen habe! Ich selbst bin mit meinem Blog (mal wieder) umgezogen und habe jetzt zum Glück alte Beiträge zum Re-posten, da fällt es nicht auf, dass ich kaum Einfälle für Texte hab. Doch nach Jahren habe ich ebenfalls beschlossen: Back to the roots! Mein Blog wird dann gefüttert, wenn es etwas zu schreiben/sagen gibt. Scheiß auf „Ihr müsste jeden zweiten Tag was posten, sonst verliert ihr Leser!“

    Grüße aus Barmbek

    • Reply
      Sabine
      25.05.17 at 21:26

      Hey Christiane!
      Ich glaube, die Sache mit dem Blog ist im Artikel ein bisschen falsch rübergekommen, weil du jetzt schon die zweite oder dritte bist, die es so interpretiert.
      Ich meinte eigentlich gar nicht, dass ich mehr posten „muss“, um mitzuhalten, sondern eher, dass ich das wirklich gern machen würde, weil ich auch die Ideen dazu hätte. Nur deshalb, und nicht generell, ärgert es mich, wenn andere mir „voraus“ sind, weil ich denke: Hätte ich mehr Zeit, hätte ich das auch längst erzählt. Es gibt mehr als genug zu sagen…
      xx

  • Reply
    Elin
    27.05.17 at 09:09

    Du sprichst mir so aus der Seele, Sabine. Bald beginne ich mit meiner ersten Vollzeitstelle und ziehe für einige Monate zu meinem Freund, bevor wir gemeinsam umziehen (in was Größeres und Schöneres), ich hab schon jetzt Muffensausen wegen allem. Wenn man keine Kantine hat, muss man eben vorkochen und das raubt einfach Zeit für andere Dinge. Das hatte ich schon bei meiner Teilzeitstelle neben der Uni und es hat irgendwann nur noch genervt. Zudem ist da nichts mehr mit „Hotel Mama“ und darf erst mal meine Bügelkenntnisse ausbauen, das wird lustig. Dazu möchte ich mit dem Auto zur Arbeit fahren, bin bisher aber nicht oft gefahren, obwohl ich mich da mittlerweile sehr viel sicherer fühle. Das sind alles Dinge neben dem Job und seinen Anforderungen, die mich gerade etwas kirre machen und schon jetzt liege ich deswegen wach und weiß nicht, ob ich das alles jetzt schön oder schrecklich finden soll. Einerseits freue ich mich auf alles…endlich arbeiten, nicht mehr lernen. So richtig schön erwachsen sein: wollte ich immer sein. Aller Anfang ist schwer…mein recht gutes Gehalt hält mich mental etwas über Wasser und die Aussicht auf eine vielversprechende Karriere. Da muss man durch. Egal, wie sehr man zwischendurch untergeht. Solche Phasen hatte ich immer mal wieder, aber hab aus jeder Zeit meine Lehren gezogen und optimiert. Was nicht sein muss, kam erst mal weg. Leider war das meine Freizeit mit Freund und Freunden, gerade am Wochenende, die ich aber wiedergewonnen habe. Dummerweise führt leider kein Weg an diesem Hamsterrad vorbei. Doch immer wenn ich ruhig an alle Aufgaben herangehe kommt es mir so vor, als ob der innere Druck, alles erledigen zu müssen, von mir abfällt und ich vor allem präziser bin und es eher gerne mache, also auch diese Dinge bewusst angehe. Wir hatten jetzt zwei Tage Besuch. Wir haben jeden Quadratzentimeter geputzt, vorgekocht, gekocht etc und obwohl ich mit Besuch immer das Gefühl habe, meine Selbstbestimmung zu verlieren, war es dieses Mal für mich doch aushaltbar. Ich hab mich nicht gestresst, mein Freund stresst generell nicht und daher war ich zum ersten Mal ausgeglichen. Diese innere Ruhe ist schon eine tolle Sache und hilft. Da hat jeder ein anderes Rezept.
    Danke für den tollen Artikel. Ich mag deinen Blog, auch wenn ich weder Minimalistin bin noch irgendwie annähernd vegetarisch lebe.

    Liebe Grüße
    Elin

    • Reply
      Christiane
      27.05.17 at 16:24

      Aber wenn es genug mehr als genug zu erzählen gibt, dann musst du das doch nicht auch längst erzählt haben 😀

      • Reply
        Christiane
        27.05.17 at 16:24

        Der sollte eigentlich unter die Antwort von Sabine zu meinen Kommentar -.- Die Hitze XD

  • Reply
    Lieblings-Links im Mai - 50percentgreen
    31.05.17 at 12:03

    […] Gar keine Zeit für solche Zerstreuungen zu haben, für die schönen Dinge im Leben, und noch nicht mal für die unangenehmen, ist ein echtes Problem. Ständig wird propagiert, man sollte entschleunigen – aber was, wenn man dazu leider gar keine Zeit hat? Eine schwierige Situation – auch für Sabine und den neuesten Beitrag in der Serie Introverts Diary. […]

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