Creative Minimalism

Über Küchenkunst und Food Trends: Interview mit Gretchen Roehrs*

minimalistische Küchenkunst

*In Zusammenarbeit mit JUNIQE.

Umziehen – gar nicht so einfach! Nach mehr oder weniger hartem Struggle auf dem Hamburger Wohnungsmarkt hast du dein Traumobjekt gefunden – und dann geht es erst richtig los. Dem ersten Pinterest-Enthusiasmus folgt die Erkenntnis, dass du jetzt echt anpacken musst. In meinem Fall hieß anpacken: Meinen gesammelten Kram in die neue Wohnung tragen… zu Fuß. Zum Fahren zu nahe, zum Laufen mit gefühlten zwei Tonnen Gepäck und nur zwei Händen ziemlich weit!

Wenn man so einen ganzen Monat zum Umziehen hat, hilft das einerseits – anderseits zieht sich die anstrengende Periode dann ziemlic. Und dann stehst du am 23. in der Wohnung, in der du bis zum 10. eigentlich die Küche montiert haben wolltest, und willst noch schnell für diesen Beitrag zwei Bilder aufhängen. Zwei Hände, zwei Nägel, ein Gummihammer, eine Steinwand. Was soll ich sagen – ich musste improvisieren. Aber das passt super zu der Künstlerin, die ich euch heute vorstellen darf!

Gretchen RoehrsKüchenschubladen

Gretchen Roehrs macht Kunst mit Kohl. Und Granatäpfeln. Und Feigen. Sogar mit Schokolade. Als ich ihre filigranen Tusche-Silhouetten sah, die in sehr viel Besseres gekleidet sind als schnöde Fummel, wusste ich sofort: Die sind’s! Minimalistisch, witzig und mit direktem Futterbezug. Voll mein Ding. Umso mehr freue ich mich, dass ich die Frau hinter der Küchenkunst interviewen durfte! Die Bilder hängen noch ein bisschen schief – aber das tut ihrer Message keinen Abbruch.

Gretchen lebt in San Francisco und widmet sich dort ihren ungewöhnlichen, schnell improvisierten Kunstwerken. Als eine von vielen, individuellen KünstlerInnen verkauft sie ihre Prints bei JUNIQE. Damit bringt JUNIQE internationale Künstler direkt in unsere Wohnung! Ich bin froh, dass ich Gretchen so entdecken konnte, und habe ihr ein paar Fragen zu ihren Ideen, ihren Designs und ihrem kreativen Workflow gestellt.

minimalistische Küchenkunst Gretchen Roehrs Interview
Pom: hier | Kale 3: hier

Gretchen – you’re living the dream of making a living through art. What took you down that road?
My background in fashion design had a huge influence on my career — I’ve always wanted to create and solve problems through design. The illustrations I do are a fun part of all the creative endeavors I have.

You’re covering human silhouettes in food. What’s that all about?
The similarities between the shape of a woman’s body and the curves that naturally occur in produce always struck me as sort of funny. So, as a joke I thought it would be funny to bring that idea to life!

People say they express themselves through the clothes they wear. How is food – or eating – part of the same self-expression?
The food we eat and the clothes we wear are creative ways a person interacts with their environment each day — you have the ability to be creative and practical several times a day! Sometimes it’s wearing a particularly bold outfit or trying a new cuisine … one can find small ways to exercise creativity every day.

What are your favorite food trends?
I’m a big fan of the farm to table movement. I think it forces chefs to be creative and work with what’s fresh in this moment, which can lead to innovating on classic dishes or trying something really radical to play up certain flavors.

How about food waste – is it barely on your radar or part of your agenda?
A big thing for me to help people realize that some of the everyday things they think are unremarkable can actually be beautiful and delicious. Roots, leaves and other trimmings are starting to be incorporated in recipes more which thrills me.

How long does producing a new piece take you? And how is timing important for your work?
It’s all very quick! If it took a long time, I’d end up eating the produce before it’s finished!

As a User Experience designer, I sometimes find it very hard to explain my job to my family, especially grandparents who barely understand the digital world. What’s your grandma phrase?
I like to tell people that I design how things feel. It’s vague enough that they usually just nod along…

„I design how things feel“! Awesome, that’s exactly what I do.
Thank you, Gretchen!

kreative Küchenkunst Gretchen Roehrs Interview
Pom: hier | Kale 3: hier

// Deutsche Übersetzung

Gretchen, für dich ist der Traum wahr geworden – du lebst von deiner Kunst. Wie bist du dazu gekommen?
Meine Vorerfahrung im Modedesign hatte einen großen Einfluss auf meine Karriere. Ich wollte schon immer mit Design Probleme kreieren und lösen. Meine Illustrationen sind ein Teil meiner kreativen Arbeit, der mir besonders viel Freude macht.

Du stellst menschliche Silhouetten mit Lebensmitteln dar – wie kommst du darauf?
Ich fand die Ähnlichkeit zwischen dem weiblichen Körper und den Kurven, die auch in Lebensmitteln auftauchen, irgendwie interessant. Es macht Spaß, diesen Gedanken kreativ umzusetzen.

Viele Leute sagen, sie drücken mit ihrem Kleidungsstil ihre Persönlichkeit aus. Auf welche Art gehört unser Essen zur Selbstdarstellung?
Durch das, was wir essen und tragen, interagieren wir mit unserem Umfeld. Dabei können wir jeden Tag kreativ sein und gleichzeitig praktisch denken! Zum Beispiel, indem wir ein gewagtes Outfit tragen oder eine neue Küche ausprobieren. Es sind die kleinen Dinge, mit denen wir im Alltag kreativ umgehen können.

Was sind deine liebsten Food Trends?
Ich bin ein großer Fan der Farm to Table Bewegung. Dadurch werden Köche gezwungen, mit dem zu arbeiten, was da ist. Sie können klassische Gerichte kreativ interpretieren oder etwas wirklich Radikales ausprobieren, indem sie ungewöhnliche Aromen in den Vordergrund rücken.

Was ist mit Lebensmittelverschwendung – kaum auf deinem Radar oder sogar ein Teil deiner Aussage?
Mir ist wichtig, Leuten dabei zu helfen, in den Dingen, die sie sonst als selbstverständlich wahrnehmen, etwas Schönes und Appetitliches zu finden. Wurzeln, Blätter und andere Reste werden jetzt in Rezepten verwendet – das finde ich aufregend!

Wie lang brauchst du für ein neues Kunstwerk? Ist Timing wichtig für deine Arbeit?
Es geht sehr schnell! Wenn ich länger brauchen würde, würde ich die Lebensmittel vorher aufessen.

Als User Experience Designerin finde ich es manchmal schwierig, anderen meinen Job zu erklären – besonders Großeltern, denen die digitale Welt völlig fremd ist. Was ist deine Oma-Antwort?
Ich erzähle anderen gerne, dass ich gestalte, wie sich Dinge anfühlen. Das ist vage genug, dass die meisten einfach nur nicken…

Gestalten, wie sich Dinge anfühlen – so ein Zufall, das ist genau, was ich mache. Danke für den Oma-Satz und das Interview, Gretchen!

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3 Comments

  • Reply
    Tabea
    29.04.17 at 20:00

    Also ich bin doch echt froh, dass der Wohnungsmarkt auf dem Land hier in Nordhessen eher entspannt war, als ich letztes Jahr gesucht habe. Da habe ich beide Male schnell was gefunden (Die erste Wohnung brauchte ich quasi von jetzt auf gleich und sie hat sich dann schnell als suboptimal erwiesen, sodass ich nach drei Monaten noch mal umzog – in meine Traumwohnung am Rand einer Kleinstadt, in der meine Hochschule liegt).

    Einen Umzug zu Fuß stelle ich mir zwar richtig blöd vor, aber gerade beim zweiten Umzug hätte ich gern mehr Zeit gehabt, denn da bin ich an einem Tag umgezogen und musste daher alle Möbel vorher bei Mama einlagern, da die an gerade diesem Tag keine Zeit zum Fahren hatte und ich darf den Anhänger ja nicht fahren 🙁 So lebte ich zwei Wochen mit Matratze und Klapptisch sowie Sitzball, denn mehr passt nicht in meinen kleinen VW Up 😉

    Deine Küchenkunst ist ja mal echt hübsch – oder vielmehr Gretchens 😉 SO eine kreative Idee… und Essen ist immer schön anzusehen 🙂

    Richtig cool finde ich ja, dass du sogar ein Interview mit der Künstlerin geführt hast – und das, obwohl sie ja von so weit weg kommt und sicher viele Fans hat, die auch in ihrer Heimat Interesse an ihr zeigen, oder?

    Ich finde, deine Fragen und ihrer Antworten sind echt spannend! Ich hätte nicht gedacht, dass die Werke der Spaßteil ihrer Mühen sind… Denn für mich wirken sie einfach, als seien sie nicht mal eben locker flockig aus dem Handgelenk geschüttelt 😉

    Bei den Foodtrends kann ich mich Gretchen eigentlich nur anschließen! Sehr achte ich inzwischen ja selbst auch darauf, möglichst viel direkt beim Erzeuger zu kaufen – und wenn das nicht geht, dann wenigstens saisonal und aus Deutschland statt aus Übersee.
    Außerdem freut es mich natürlich auch, dass wir langsam auch nicht nur Superfoods aus den hintersten Ecken der Welt entdecken, sondern auch das wieder mehr nutzen, was eher als langweilig galt. Das fängt doch schon bei Backrezepten für Kuchen an, die Rote Beete enthalten 😉

    Haha – ihr Statement zu Zeit, die sie braucht, ist ja mal sympathisch und genial 🙂

    Hach… es war echt schön, mal wieder englische Sätze zu lesen…

    Liebe Grüße

  • Reply
    Jenni
    30.04.17 at 12:07

    Liebe Sabine,

    ich muss gestehen: Die Bilder sind auch so voll meins!
    Ich habe Gretchen dann auch gleich auf Juniqe gestalkt und einige ihrer wunderschönen Bilder zu meiner viel zu langen Wunschliste hinzugefügt.
    Aktuell bin ich gerade dabei, das Potential von schönen, ausgesuchten Bildern für einen Raum zu entdecken und liebe dabei natürlich minimalistische Kunst – direkt neben vollen, grünen, von Leben strahlenden Botanik-Drucken. Wie gesagt: Da muss sich gerade etwas entwickeln. (Der Prozess dauert bereits drei Monate an, aber hey! – gestern habe ich mich endlich überwunden und ein Bild bestellt! :D)

    Ich finde diese Vorstellung von JUNIQE-Prints auf jeden Fall sehr erfrischend und habe mich sehr beim Lesen des Interviews gefreut! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  • Reply
    Anne
    01.05.17 at 18:56

    Was mich leider vom Dekorieren abhält und gleichzeitig der Grund ist, wieso ich immer noch kein Hängeregal hab: Plattenbauwände aus Beton! Für alles braucht man eine Bohrmaschine und den passenden Dübel… Die Bilder finde ich auch sehr schön 🙂 Erinnern mich ein wenig an die Sachen von Christoph Niemann.

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