Less Waste

In 3 Schritten zu weniger Müll im Bad

weniger Müll im Bad

Man könnte sich aufregen. Wenn die USA, Weltmacht und Energieverschwender Nummer 1, auf den Klimawandel pfeifen, was sollen wir, hier, als Einzelne, dann überhaupt noch ändern? Ich finde, man sollte sich sogar aufregen – egal wie vorhersehbar es war-, denn ohne Empörung keine Veränderung. Und die Veränderung fängt immer im Kleinen an, bei sich, beim eigenen Zuhause und bei der Politik im eigenen Land, und geht nebenbei immer weiter, während man darauf wartet, dass der Spuk da drüben irgendwann zuende ist und hofft, dass der Schaden in der Zwischenzeit nicht noch größer wird. Um den Verdruss ein bisschen zu mindern und die persönliche Motivation auch an einem solchen Tag zu pushen, habe ich euch heute Tipps für das kleinste Zimmer der Wohnung mitgebracht: Das Badezimmer. Denn ziemlich viel Müll im Bad kann ziemlich schnell ersetzt werden. #jetzterstrecht

1. Schluss mit Wegwerf-Baumwolle

Der einfachste Angriffspunkt für die tägliche Routine ist das Abschminken. Dafür habe ich bis vor ein paar Monaten immer Wattepads verwendet. Bis ich mir klar gemacht habe: Wattepads sind nichts anderes als Einweg-Baumwolle. Man benutzt eins, zwei, drei – und wirft das schwarz beschmierte Knäuel weg. Jeden Tag. Im Anbetracht der Tatsache, dass der Baumwollanbau selten fair oder ökologisch abläuft und dabei unglaublich viele Ressourcen verbraucht werden, wurde mir ziemlich schlecht bei dem Gedanken. Ich weiß nicht, wann ich es vergessen hatte: Ein stinknormales, hundertfach verwendbares Baumwolltuch reinigt genauso gut, wenn nicht besser!

Nicht nur ist ein waschbares Tuch viel umwelt- und menschenfreundlicher als die Wegwerf-Pads – seit ich es nutze, brauche ich auch kaum bis überhaupt keinen Makeup-Entferner mehr. Warmes Wasser reicht in meinem Fall meistens, um die Haut mit dem Baumwolltuch restlos sauber zu kriegen und sie durch die sanfte Reibung auch ein bisschen aufzuwecken. Der eine oder andere von euch braucht je nach Hauttyp und Schminkgewohnheiten wahrscheinlich doch noch 1-2 tägliche Pflegeprodukte – ich denke aber, im Allgemeinen ist weniger für eine natürlich gesunde Haut immer mehr.

Abschminktücher selbst nähen.

Ich wechsle seit mehreren Monaten zwischen zwei Abschminktüchern von Rossmann, die ich dann etwa ein Mal wöchentlich wasche. Eine Leserin empfiehlt außerdem die hypoallergenen Mikrofasertücher von M&H-24. Danke Christina! Noch umweltfreundlicher ist es, wenn du ein altes Handtuch übrig hast, das du zu Abschminktüchern oder -pads upcyceln kannst!

Auch für Wattestäbchen gibt es zumindest Alternativen mit Bambus- statt Plastikmitte. Die aus dem Unverpackt- oder Bioladen sind zudem meistens zertifiziert. Dennoch versuche ich, den Verbrauch einzudämmen – auch fair gehandelter Bambus muss unfassbar weit transportiert werden und verbraucht dabei Ressourcen.

2. Weniger Plastikflaschen, weniger Müll im Bad!

Hygiene, verpackt in Plaste – wirklich alles, womit wir uns pflegen, kommt in Flaschen und Dosen. Zum Beispiel praktische 200 Milliliter Duschgel, die nach 2 bis 4 Wochen leer sind. Das sind im Jahr 12-24 Plastikflaschen pro Person, nur zur Grundreinigung des Körpers. Man rechne diese Zahl hoch für: Shampoo, Haarspülung, Haarkur, Styling Wax, Zahncreme, Mundspülung, Kontaktlinsenlösung, Makeup-Entferner, Peeling, Bodylotion, Gesichtscreme, Handcreme, … Dazu kommen dann übrigens noch die Aluminiumflaschen für Haarspray, Deo, Rasierschaum, … es ist der Wahnsinn!

aufgebraucht im nächsten Jahr

Auf dem Foto seht ihr meine Restbestände, zurzeit besonders gesteigert durch die Tatsache, dass ich von meiner Ex-Mitbewohnerin noch ein paar Sachen geerbt habe, die ich natürlich nicht wegwerfen will. Plastik überall.

Und das geht wirklich anders! Zugegeben, bei Cremes, Lotions und Deo muss man bisher meistens eher aufs Selbstmachen zurückgreifen, wenn man die Verpackung vermeiden will. Dazu hat nicht jeder von heute auf morgen Zeit und Muße. Aber das Basic der umweltfreundlicheren Körperhygiene ist so einfach, reinigt genauso zuverlässig wie das, was wir gewohnt sind, und kann fast überall gekauft werden. Es ist… Trommelwirbel… die gute alte Seife!

Seife statt Plastik Müll im Bad

So wie damals: Ich benutze Seife inzwischen wieder statt Duschgel und Peeling, und natürlich als Handseife. Seife ist super für die Haut am gesamten Körper. Wie du sogar die richtige Seife für die empfindliche Gesichtshaut findest, hat Kati in einem ausführlichen Artikel beschrieben. Auch fürs Peeling gibt es tolle Seifen, zum Beispiel bei LUSH.

Neben meiner festen Handseife steht weiterhin Flüssigseife am Waschbecken, um meine Brille zu putzen und für Gäste, denen es unangenehm ist, mein Seifenstück anzufassen. Allerdings kommt meine Flüssigseife nicht von einem konventionellen Hersteller, denn die Auffüllpackungen aus Plastik sind wohl kaum besser als der feste Plastikspender zum Wegwerfen. Ich fülle meine Naturkosmetikseife im Bio- oder Unverpackt-Laden aus einem großen, wiederbefüllbaren Kanister in ein eigenes Gefäß. Wer (noch) keinen solchen Laden in der Nähe hat, kann Flüssigseife auch einfach selbst machen! Eine Liste von Zero-Waste-Läden findet ihr bei Shia.

Zusätzlich zu meinen Seifenvariationen benutze ich Shampoo am Stück. Hier gibt es einen Unterschied: Haarseife vs. festes Shampoo / Shampoo Bars. Die tendenziell etwas günstigere Haarseife habe ich noch nicht ausprobiert, weil ich in Erfahrungsberichten gelesen habe, dass dabei ein leichter Film auf den Haaren zurückbleiben kann. Ich hasse nichts mehr, als beschwertes, sich feucht anfühlendes Haar! Mit der Shampoo Bar passiert das überhaupt nicht. Ich reibe sie ein Mal über den nassen Ansatz (klappt für Anfänger besser, als die richtige Menge mit der Hand vom Seifenstück zu nehmen) und verteile den Schaum, der sich anfühlt wie normales, hochwertiges Shampoo. Und meine Haare sind fluffig wie immer!

3. Weg mit dem Mikroplastik!

Der in diesem Artikel letzte, für mich aber auch fast der wichtigste Schritt im Kampf gegen den Müll, ist der Mikromüll. Was ich damit meine? Unglaublich viele herkömmliche Kosmetika enthalten feinste Plastikpartikel, die von keiner Kläranlage gefiltert werden können und deshalb auch bei uns direkt ins Meer geschwemmt werden. Kleinstlebewesen nehmen diesen Müll auf, Fische fressen den Plankton – er kommt so auch wieder auf unsere Teller und ist eine riesige Bedrohung für die Ökosysteme im Meer. Zwischen dem Konsum und der Umweltkatastrophe steht hier nicht einmal der Versuch einer Verwertung oder eines ernsthaften Verbots für die Hersteller – und das geht gar nicht. Während das sogenannte Mikroplastik aus Zahncremes fast restlos verschwunden ist, sind es noch immer die Peelings, Shampoos, Duschgels und sogar Hautcremes, die voll davon sind.

schwarze Aussichten fürs Meer

Die umfangreiche Liste des BUND gibt Auskunft über die Produkte, die Mikroplastik als Füllstoff oder Körnung enthalten – sie ist erschreckend lang und trifft von NIVEA, Balea und Vichy über Eucerin, sogar bis hin zu The Body Shop fast alle. Bei Greenpeace kannst du eine Petition für das Verbot von Mikroplastik unterschreiben. #wellemachen

Trotzdem gibt es eine Hoffnung, und die heißt Naturkosmetik. Grundsätzlich gilt: Alle Naturkosmetikmarken sollten safe sein! Da die Inhaltsstoffe organisch sind, wirst du hier im Normalfall auch kein Mikroplastik finden. Während du im NIVEA Peeling also wirklich die Plastikkugeln auf der Haut spürst, ist es bei Lavera, Weleda, Alverde und Co natürliche Körnung durch zum Beispiel Jojobaperlen! Klingt irgendwie angenehmer, oder?

kein Mikroplastik in Naturkosmetik

Meine Empfehlung ist: Stell das Mikroplastik weg, so schnell du kannst. Alles aufzubrauchen mag bei anderen Sachen – wie zum Beispiel Kleidung – wirklich sinnvoll sein, weil es nachhaltiger ist, als neu zu kaufen. Ich finde, bei Mikroplastik überwiegt der Schaden, den es anrichtet. Der BUND empfiehlt für Deutschland, die Flaschen gesamt im Hausmüll zu entsorgen.

Wenn du also bei Schritt 2 fertig bist, die verpackten Hygieneartikel auszusortieren, schau dir alles an, was übrig bleibt. Welche Pflegeprodukte brauchst du wirklich? Welche davon enthalten Mikroplastik? Letztere werden dann – entweder sofort oder so schnell es eben für dich geht – durch bessere Alternativen ersetzt. Tipp: Marken wie Alverde von dm sind auch wirklich nicht teuer! 

Je konsequenter wir jedoch beim ganzheitlichen Verbannen von Kunststoff bleiben, desto besser für die Umwelt! Ich versuche, im Badezimmer absolut nichts zu benutzen, das ich nicht wirklich brauche und das mir nur mit leeren Versprechen von glossy Werbeanzeigen aufgequatscht wird. Dieser Minimalismus bei der Pflegeroutine heißt für mich automatisch: Mehr Zeit für anderes und weniger Müll im Bad. Plus eine Haut, die nicht von zu vielen Botschaften irritiert ist. 

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6 Comments

  • Reply
    Eda Lindgren
    02.06.17 at 13:09

    Hallo liebe Sabine,

    erstmal vielen Dank für die Erwähnung – ich freu mich!

    Ich bin schon fast vollständig auf Naturkosmetik umgestiegen, aber bei deinem Punkt 2, den Verpackungen, hapert es bei mir noch sehr. Die Sache mit der Gesichtsseife hört sich sehr interessant an. Meine Haut ist so empfindlich, da greife ich zur Sicherheit immer noch zum altbekannten Reiniger. Aber vielleicht teste ich mich jetzt doch mal durch die Seifen 🙂

    Liebe Grüße
    Laura

  • Reply
    Tabea
    02.06.17 at 20:15

    Oh ja, über die USA, oder vielmehr das Oberhaupt von denen, kann man sich wirklich aufregen – und das ohne Ende. Aber ich finde es super, dass du nun nicht in eine „Dann ist alles sinnlos“-Mentalität verfällst, sondern selbst einfach weiter ein Vorbild für uns alle bist 🙂 So werde ich das auch machen – denn aktuell arbeite ich noch an der Umsetzung deiner letzten Küchentipps 😉

    Im Bad entsteht bei mir nur wenig Müll, worüber ich sehr froh bin. Aber reduzieren kann man da sicher noch, und wenn die ganzen Shampoo-Proben der Apotheke endlich alle sind, dann werde ich mal Haarseife testen.
    Abschminken tue ich mich eh nicht, da ich nie Schminkzeug verwende. Das ist echt praktisch, aber einigen Freundinnen möchte ich zum Geburtstag oder Weihnachten mal wiederverwendbare Abschminkpads nähen 🙂
    AUch Plastik habe ich echt nur beim Duschgel und der Zahncreme, alles andere besitze ich nicht oder nutze es echt wenig (0,5 Tuben Handcreme im Jahr wegen Kälteallergie), und mein Deo ist tatsächlich in einer Glasflasche 🙂 Ein Hoch auf CD 🙂
    Sogar von Flüssigseife, wie ich sie von Mama kenne, habe ich mich verabschiedet, weil sich Seifenstücke so toll anfühlen und ich eh noch welche hatte.

    Ich muss aber echt mal schauen, ob in meinen Produkten noch Microplastik drin ist – was würdest du da empfehlen: Trotzdem aufbrauchen oder wegwerfen? Beim Aufbrauchen gelangt das Plastik ja ins Abwasser…
    Naja, wenigstens die Petition unterschreibe ich jetzt schon mal! (Oh, ich sollte echt erst zu Ende lesen und dann das Kommentar beginnen. Also weg damit – ich werde suchen, wo es noch drin ist.)

    Ein Tipp fürs Bad fällt mir noch ein: Tampons und Binden durch diese Tasse ersetzen – oder Stoffbinden.

    Liebe Grüße

  • Reply
    Kati
    03.06.17 at 20:21

    Lauter gute Tipps, die ich auch schon umgesetzt habe – einfach und günstig 🙂 Danke auch für die Verlinkung! Ich bin allerdings auch noch am Aufbrauchen von ein paar „Altlasten“ – aber das wird schon 🙂
    Übrigens kann ich vor allem die Shampoos von Sante Family empfehlen – mit Alverde kommen viele aufgrund des zu 90% generell hohen Alkoholeinsatzes in Alverdeprodukten nicht klar, und lassen dann frustiert von ihren ersten Naturkosmetik-Gehversuchen ab – schade! Ich teste seit heute eine plastikfrei verpacktes Stück-Shampoo und bin mal sehr gespannt, wie sich das auf Dauer so schlägt.

    Liebe Grüße,
    Kati

  • Reply
    Lena
    09.06.17 at 11:57

    Was für ein toller Artikel, der wirklich dazu motiviert, sich mal ein paar Gedanken zu dem ganzen Müll zu machen, den man so den ganzen Tag produziert. Von dieser Haarseife hab ich nun schon öfter gelesen, aber dass es da noch Shampoobars gibt, das wusste ich nicht. Es hört sich auf jeden Fall echt nicht verkehrt an, das möchte ich wirklich mal ausprobieren. Abschminken tu ich mich schon seit jeher mit Waschbaren Läppchen. Es ist wirklich so viel einfacher und man muss nicht zu diesen Wattepads greifen. Bald macht bei uns in der Stadt ein verpackungsfreier Laden auf, da schaue ich auch mal, was man da so bekommt.

    Danke für deine tollen Tipps und ganz liebe Grüße ❤️

  • Reply
    Claudia
    12.06.17 at 12:36

    Was für ein interessanter Beitrag! Das mit den Wattepads und den Plastikflaschen war mir natürlich auch schon aufgefallen. Vor einem Jahr habe ich beim Abschminken komplett auf Wattepdas verzichtet, bin dann aber doch wieder zum Mizellenwasser und den damit verbundenen Wattepads zurückgekehrt. Da werde ich mal wieder nach einer anderen Alternative gucken. Vom Thema Mikroplastik hatte ich bisher noch nichts gehört, aber das ist echt krass. Die BUND Liste ist ja echt mega land und vermutlich ist da ja auch nicht ALLES aufgeführt. Krass. :O

    Claudia | http://junegold.blogspot.de

    • Reply
      Sabine
      13.06.17 at 08:12

      Hey Claudia,
      das Mizellenwasser kannst du auch gut mit einem Stoff-Pad verwenden! Mit dieser handtuchartigen Sache, die ich verwende, ist es vielleicht etwas schwierig, aber schau mal die DIY-Anleitung, die ich verlinkt habe Wenn du da einen feinen Stoff nimmst, kannst du auf der Seite perfekt das Mizellenwasser auftragen!
      xx

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