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Italien: Warum ich Mailand zu Nordeuropa zähle

Gehört Mailand zu Nordeuropa?

Wenn es in Hamburg noch kälter und grauer wird als sonst, gibt es eigentlich nur eine Lösung: sich woanders hinträumen. Mit einer gemütlich gruseligen Netflix-Serie, einem Glühwein in der Hand oder auch einfach mit ein paar alten Reisefotos. Ich habe euch noch gar nicht von Italien erzählt! Oder davon, wie ich beim Ansehen der Fotos wieder bemerkt habe, wie sehr unser erster Stop Hamburg ähnelte. Mit 1,3 Millionen hat Mailand zwar weniger Einwohner als Hamburg – das fühlt sich aber nicht so an. Selbst im Oktober sind die Straßen voll, die Touristenattraktionen sowieso. Wir beschränken uns deshalb auf zwei: den Duomo di Milano und das Einkaufszentrum Galleria Vittorio Emanuele II.

Marmor Dom MailandDomplatz Mailand

Während beides wirklich beeindruckend ist – wir haben einen magischen Moment, als wir gerade zu den kunstvoll verzierten Marmorspitzen hinaufsteigen und in dem Moment „Hallelujah“ von der Straße ertönt – ist es uns am Ende doch wichtiger, die Stadt in Ruhe zu erkunden. Und ich mag sie irgendwie, auch wenn sie mich zunächst wenig überrascht. Es ist nicht nur das Wetter, das Hamburg im frühen Oktober ähnelt. Es ist das ganze Flair, das Mailand in meiner Wahrnehmung mehr mit dem städtischen Nordeuropa verbindet, als mit Italien. Und ja, ich zähle auch Hamburg zu diesem imaginären Norden – ich war schon immer schlecht in Erdkunde und würde die Zugehörigkeiten auch heute noch viel lieber an Mentalitäten festmachen, als an Ländergrenzen.

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Dass Mailand sich so international anfühlt, liegt sicher nicht nur an dem typischen Bild der europäischen Einkaufsstraße zwischen H&M und Louis Vuitton, sondern auch an dem AirBnB, in dem wir wohnen. Die Gastgeber sind Designer – und das Apartment absolut minimalistisch. Damit meine ich nicht nur, dass es wenige Sachen gibt. Ich meine, dass im marmornen Badezimmer ein einziger Glasbehälter mit Duschgel steht, der Hausschlüssel eine eigene Schale hat und im Wohnzimmer ein dicker Bildband ausliegt. Es ist die perfekte Ergänzung zu unserem Eindruck von Mailand. Die Nachbarschaft mag nicht die beste sein und das sieht man von außen. Aber das bedeutet hier nicht, dass in der Wohnung nicht alles perfekt ist.

Europäische Stadt, europäisches Essen

Und auch unser Foodie-Herz wird nicht enttäuscht. Das Essen ist wohl anders, als wir gedacht hätten. „Ein bisschen teurer und ein bisschen weniger italienisch“ wäre die grobe Zusammenfassung, aber sie wäre auch ein wenig zynisch. Denn am ersten Abend finden wir, nachdem wir zehn Stunden unterwegs waren und seit mindestens drei hangry sind, das perfekte Restaurant. Schon das vielfältige Brot zur Vorspeise macht mich nahezu satt, aber das hält mich nicht von den himmlisch weichen, hausgemachten Gnocchi in Gorgonzolasauce – oder vom Tiramisu – ab. Als ich mit Seitenstechen nach Hause watschle, schwöre ich: Einen besseren Italiener als die Osteria dei Malnat kann es in Mailand nicht geben.

Zwar gibt es zwischendurch noch einen Wir-suchen-verzweifelt-Essen-und-landen-in-einem-miesen-Restaurant-Vorfall, aber dann passiert es. Am letzten Abend stoßen wir, ebenso in unserer Nachbarschaft, per Zufall auf den Laden, der bestimmt den besten Veggie-Burger der Stadt und dazu die leckerste Pommes-Chips-Kreuzung serviert. Burgerrestaurants wie Streat Food & Beers – De Angeli mögen ein weiterer europäischer Trend mit amerikanischem Ursprung sein, und wir haben hier noch keine einzige Pizza gegessen. Aber das ist uns an der Stelle völlig egal.

Mailand ist eben anders als erwartet.

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2 Comments

  • Reply
    Rabea
    29.11.17 at 15:51

    Witzigerweise hatte ich in Mailand irgendwie auch dieses Gefühl von Nordeuropa. Irgendwie so ganz anders als in Kalabrien oder auf Sizilien.
    Wobei aber der Rest der Lombardei dann doch irgendwie wieder so sein ganz eigenes italienisches Flair hat!

    Tolle Bilder!

  • Reply
    Carolin
    03.12.17 at 01:30

    Ich war im August in Mailand und fand es wunderschön dort! Das Flair ist aber tatsächlich ganz anders, als im Rest Italiens.

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