Minimalism

Warum sich jeder nachhaltige Mode leisten kann

Fairtrade Mode Preis

Ich muss mir heute den Frust von der Seele schreiben. Diese Woche habe ich auf Facebook heftig über fair produzierte Mode diskutiert. Ein Hin und Her, das sich auf der Fanpage „Neue Wege finden“ über mehrere Tage zog. Und zugegeben, vielleicht war ich dabei ein bisschen zu vehement. Nicht unsachlich – aber irgendwann doch ganz schön genervt von den immer gleichbleibenden Antworten, die ich auf meine Argumentation bekam. Wenn man sich lange mit einem Thema beschäftigt, vergisst man manchmal, wie es war, bevor man darüber Bescheid wusste. Man fragt sich, wie man überhaupt jemals so denken konnte. Wie konnte ich früher genauso pauschal sagen „Fairtrade Mode kann sich eh niemand leisten“, wenn mich dieser Satz heute so sehr aufregt? Dass nachhaltiger Konsum nicht bezahlbar ist, ist ein unsäglich faules Argument, das einfach nicht besser wird, je öfter man es wiederholt. Ich jedenfalls habe es satt, es bei jeder Gelegenheit zu hören. Weil es bestenfalls uninformiert und schlimmstenfalls verlogen ist. Mit meinem Umstieg als Studentin habe ich am eigenen Beispiel gelernt: Es stimmt nicht. Nahezu jeder kann sich nachhaltige Kleidung leisten. Auch du!

Eins vorweg: Du musst nicht fair kaufen. Du musst genau genommen gar nichts. Ich will dich nicht überreden, indoktrinieren oder dich für dein Konsumverhalten verurteilen. Du kannst frei entscheiden, wie nachhaltig oder nicht nachhaltig du handeln willst. Aber: Du kannst dich eben entscheiden. Du bist nicht das wehrlose Opfer der bösen, alternativlosen Fast Fashion Industrie. Du musst nicht bei Herstellern einkaufen, die unmenschliche und umweltschädigende Bedingungen fördern. Weil es für jeden mindestens einen, tendenziell eher mehrere Wege gibt, nachhaltige Entscheidungen auch finanziell zu tragen. Warum das so ist und wie du es anpacken kannst, möchte ich dir in diesem Artikel zeigen.

Ja, auch du kannst dir nachhaltige Mode leisten. Wirklich!

Weil du sonst doppelt zahlst.

Vor ein paar Jahren gab es einen Skandal, für den ich mich am liebsten bei Primark bedanken würde. Ich formuliere das jetzt absichtlich polemisch. Aber ist es nicht so, dass erst der Hype um das 2 Euro Shirt die eigentliche Frage aufgeworfen hat? Das 2 Euro Shirt, das damals als Sinnbild mit der international gefeierten Discounterkette nach Deutschland kam, stank. Und zwar nicht nur wörtlich, sondern auch sprichwörtlich. Ich meine, einen 150 Euro Markensportschuh konnte man locker fair produziert haben. Musste man zwar nicht, weil in Zeiten des Überflusses niemand danach fragte.

Aber was Primark sich hier traute, war mehr als offensichtlich – es war dreist. Das Preisdumping auf einem ganz neuen Niveau machte die Methoden dahinter selbst für Endverbraucher offensichtlich, die bisher kaum Gedanken an das Thema verschwendet hatten, wie zum Beispiel mich. Ein Shirt für 2 Euro; das konnte nicht sein. Die breite Masse merkte: Hier stimmt etwas nicht. Und es gab – endlich – einen Skandal, der die Ausbeutung von NäherInnen aufdeckte und ins öffentliche Bewusstsein katapultierte. So weit, so genial. Ich möchte heute noch sagen: Danke, Primark! Nur, leider, ging die Aufmerksamkeit voll auf den einen Laden und damit vorbei an allen anderen.

Die konnten den Kopf unter dem Schutz des Primark Skandals relativ bequem aus der Schlinge ziehen – nicht in dem Report, der nach dem Rana Plaza Unglück eingefordert wurde, aber in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Der Fokus der Berichterstattung lag zu sehr auf dem Preisdumping – beinahe suggerierten diese Zahlen, dass nur Discounter Arbeiter in Entwicklungsländern ausbeuteten. So billig kaufe ich nicht, also geht es mich nichts an. Nur wenig sickerte an die Oberfläche, dass unzählige, teurere Marken genau dieselben Arbeitsbedingungen fördern. Die Textilbranche hatte einen Sündenbock gefunden, und der hieß Primark. Und diejenigen Konsumenten, die auch noch versuchten, auf die anderen zu achten, fanden sich vor einer spontan nicht zu bewältigenden Sinn- und Lösungsfrage.

Die anderen machen es doch auch alle so, ist bis heute das Argument derjenigen, die es entweder bequem mögen oder sich tatsächlich hilflos fühlen im übersättigten Markt der Möglichkeiten. „Alle“ meint hier meistens die Mainstream-Marken, die jeder kennt, weil sie omnipräsent in den Schaufenstern stehen. Marken, die einem täglich vor die Nase gehalten werden und die einen mit Werbebotschaften bombardieren, ohne dass man sich wehren kann. Oder will. Denn für alles andere müsste man sich wirklich informieren und sich mit einer nicht ganz unkomplexen Thematik und einer Bandbreite an möglichen Alternativen auseinandersetzen. Und das ist anstrengend. Mich hat dieser Schritt in aller Endgültigkeit immerhin drei Jahre gekostet.

Die Umstellung von Fast auf Fair Fashion ist beängstigend. Fast so sehr wie die Umstellung auf beispielsweise eine vegane Ernährungsweise. Weil sie mehr von uns verlangt als den passiven, ferngesteuerten Nebenbeikonsum, an den wir uns gewöhnt haben. Sie verlangt auch mehr als eine Limitierung des Shoppingbudgets oder der Anzahl an neuen Kleidungsstücken pro Saison. Damit habe ich es die ersten beiden Jahre versucht, aber irgendwie fühlte es sich immer an wie ein kleiner Selbstbetrug. Ich kaufte weniger und qualitativ hochwertiger. Ich hatte Primark damit zwar hinter mir gelassen. Aber auch „Qualität“ macht keinen Spaß, wenn sie noch immer auf Kosten derselben Menschen geht. Solange ich konventionell produzierte Kleidung kaufte, egal in welcher Preisklasse, fühlte es sich immer an wie doppelt zahlen: Mit meinem Geld und mit dem Leid fremder Menschen.

Fairtrade Mode günstig

Weil es nachhaltige Mode in fast so vielen Preiskategorien gibt wie herkömmliche.

Der Preis sagt gar nichts – vor allem aber garantiert er nichts. Dass etwas mehr kostet als beim Discounter, heißt nicht, dass der Anfang der Produktionskette mehr abbekommt oder humaner behandelt wird. Es heißt im Zweifelsfall nur, dass die Gewinner noch mehr einsacken. Vielleicht macht es mich deshalb so wütend, wenn jemand in Adidas Sneakers und Michael Kors Tasche zu mir sagt „Fairtrade kann ich mir nicht leisten“. Es ist okay, wenn du es dir nicht leisten willst. Wenn das Thema keine Priorität für dich hat.

Ich werde niemanden überreden, denn jeder entscheidet für sich und jeder handelt im einen oder anderen Aspekt seines Lebens nachhaltig oder nicht nachhaltig. Niemand macht alles richtig oder muss das überhaupt. Aber dann steh dazu. Ich habe als Studentin angefangen, von Fast Fashion auf Fair Fashion umzustellen. Und es hat problemlos funktioniert. Meine Erfahrung der ersten 3 Monate habe ich damals aufgeschrieben. Nachhaltigkeit ist keine Preisfrage, sondern eine Planungs- und Prioritätenfrage. Sie hängt auch von den Erwartungen ab, die du an sie hast.

Spoiler: Du wirst nicht exakt so weiterleben können wie bisher. Aber willst du das überhaupt? Ist das, was du bisher machst, überhaupt deine eigene Entscheidung oder entspricht dein Kaufverhalten meistens eher dem, was die beliebtesten Marken dir als das neueste “Must Have” verkaufen?

„Fairtrade ist einfach unbezahlbar“, höre ich oft. „Die Marke hier ist ja fast so teuer wie ein Designer!“ Nun ja. Nicht jeder Normalo hat die Möglichkeit, Designerklamotten zu kaufen. Genauso hat nicht jeder, der Fairtrade kaufen will, die Möglichkeit, Designerfairtrade zu kaufen. Ist es also nicht absurd, das zu einer Voraussetzung für eine Umstellung zu machen? Das ist so, als würde ich sagen „Ich kaufe keine Mainstream Mode, weil ich mir Louis Vuitton nicht leisten kann. Und die Muster bei H&M sind mir einfach nicht Karo genug!“ Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ob man eine Geschmacksfrage mit einer Ethikfrage aufwiegen will, ist dabei nochmal ein ganz anderes Thema.

Weil auch Second Hand nachhaltig ist.

Dass nachhaltige Mode grundsätzlich schwerer bezahlbar ist, stimmt nämlich einfach nicht. Es muss überhaupt nicht teuer sein, ressourcenschonend zu leben – wie ironisch wäre das? Klar gibt es ein gewisses Grundlevel, unter dem ein neues Kleidungsstück nicht zu haben ist. Nicht zu haben sein kann. Aber es gibt grundsätzlich schon mal zwei Richtungen von nachhaltiger Mode, von denen eine gerne vergessen wird: Neben Fairtrade in verschiedenen Preisklassen gibt es immer die Möglichkeit, Kleidung aus zweiter Hand zu kaufen. Die Vorteile und Nachteile habe ich in meinem Artikel „Second Hand vs. Fair Fashion“ aufgelistet. Kurz: Second Hand ist unschlagbar günstig, dabei individuell und die schonendste Lösung für die Umwelt. Neue Fairtrade Kleidung ist bequemer zu finden, leichter in jeder Größe verfügbar und trendiger – quasi der nachhaltige Mainstream.

Sagen wir, du entscheidest dich für einen Mix aus Second Hand und Fair Trade, so wie ich. Dann musst du nicht automatisch jedes Mal Unsummen für neue Kleidung ausgeben, aber wenn du hier und da genaue Vorstellungen und wenig Glück am Wühltisch hast, kommt es vor, dass du für ein neues Teil mehr ausgeben musst als bisher. Der Schluss ist aber nicht automatisch „Das geht nicht“. Der Zusammenhang ergibt sich doch so: Wenn du tendenziell mehr Geld für ein Teil ausgeben musst, kannst du insgesamt weniger Teile kaufen. Die Frage, die du dir stellen musst, ist also: Brauche ich so viel, wie ich bisher gewohnt war, zu kaufen? In den meisten Fällen wirst du diese Frage mit einem klaren “Nein” beantworten können. Gedankenübung: Wie viele Teile liegen in deinem Schrank, die du kaum bis gar nicht trägst? Die Anzahl derer, die dir jetzt spontan einfallen, kannst du geschätzt verdreifachen – für alles, von dem du gar nicht mehr weißt, dass du es besitzt. Hättest du es gebraucht?

Wer grundsätzlich weniger kauft, hat mehr Geld für das zur Verfügung, was er kauft. Toll wäre natürlich, das gesparte Geld komplett in Reisen und andere, non-materielle Güter investieren zu können. Klug ist aber auch, einen Teil davon in alternative materielle Güter aka hochwertige Kleidung zu investieren – denn ein gewisses Maß an Dingen brauchen (und wollen!) wir eben. Perfekt, wenn diese Dinge dann auch noch sorgfältig ausgewählt sind, uns ans Herz wachsen und lange leben. Der “Cost per use” ist für mich mittlerweile relevanter als der einmalige Kaufpreis. Ich stecke das Geld, das ich früher in 5 Teile der neuen Kollektion gesteckt hätte, heute lieber in ein lang ersehntes und kombinierbares Keypiece.

Weil du alleine über deine Prioritäten entscheidest.

„Ich muss bei diesen Marken einkaufen“ höre ich oft. „Einen Scheiß musst du!“ will ich dann rufen, mich kurz auf den Kopf stellen und die Zunge rausstrecken. Ehrlich – in den wenigsten Fällen kann ich diese Opferrolle für voll nehmen. Ob du bei den herkömmlichen Ketten einkaufen „musst“, ist vor allem eine Frage deiner Prioritäten. Wenn du darauf bestehst, einen doppeltürigen, deckenhohen Schrank mit Klamotten zu füllen, musst du vielleicht zu H&M. Wenn Einkaufen dich nur befriedigt, wenn du mindestens 5 Tüten nach Hause trägst, musst du ziemlich sicher zu Primark. Ansonsten… nicht. Es liegt in deiner Hand, solche eventuell verschobenen und fehlgeleiteten Bedürfnisse zurechtzurücken, wenn du bereit dazu bist. Klar, Umdenken ist anstrengend und nicht mit einem Fingerschnipsen erledigt. Manchmal möchte ich auch noch spontan zum Zara Sale. Mir tut es auch nach knapp einem Jahr noch ein bisschen weh, die Armedangels Jeans für 100 Euro zu bestellen. Das ist ein Batzen Geld. Ich denke darüber ein paar Wochen nach. Aber wer in Sachen Mode komplett nachhaltig handeln will, muss all seine Prioritäten – auch die aus anderen kostenrelevanten Lebensbereichen – überdenken.

nachhaltige Mode - du hast die Wahl

Die gute Nachricht: Du hast diese Wahl. Und der mentale Invest, den du zu Beginn deiner Umstellung bringen musst, ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine richtig fette Chance. Du kannst alles anders machen als bisher. Du kannst bewusst auswählen, was du ab jetzt in deinen Kleiderschrank lässt – wie es aussehen soll, aber auch, wie es zu diesem Aussehen gekommen ist. Du entscheidest, was das Ergebnis sein soll und welches Ziel du neben der Nachhaltigkeit auf lange Sicht für deine Wardrobe verfolgst. Suchst du nach Einfachheit, also danach, morgens quasi blind in den Schrank greifen zu können, nach einem Gemütlichkeitsgrad, der dich dein Äußeres vergessen und auf die wichtigen Dinge konzentrieren lässt, oder vielleicht nach Unverkennbarkeit, indem du dich ausgefallen stylst? Wie viele Kleidungsstücke brauchst du wirklich, um dieses Bedürfnis zu befriedigen? Mit welchem Maß fühlst du dich wohl?

Du entscheidest, was ein neues Kleidungsstück kosten darf, indem du Prioritäten setzt. Es geht hier für mich um Klasse statt Masse, und darum, in weniger wichtigen Bereichen ein bisschen einzusparen. Zugegeben, wie viel Kohle du am Ende des Tages wirklich ausgeben kannst, wie schnell du also alle ungeliebten Teile durch die Keypieces aus deiner Vision ersetzen kannst, wird durch die Umstände immer auch ein bisschen für dich entschieden. Aber that’s life, und das ist in jedem anderen Aspekt unseres Lebens so. Wieso haben wir an Mode den Anspruch, alles sofort in x-beliebiger Menge in den virtuellen Warenkorb schaufeln zu wollen, akzeptieren aber recht klaglos, dass wir uns in Hamburg halt nur eine 1-Zimmer-Wohnung leisten können und auf den Kalifornien Roadtrip drei Jahre sparen müssen? „Ich will auch viel, wenn der Tag lang ist“ sagte meine Mutter früher oft zu mir. Das hat mich geprägt. Für mich ist es ein No Brainer, dass bedingungsloser Konsum nicht funktioniert. Es geht immer darum, das Beste aus dem zu machen, was man hat – oder haben kann. Und was ist das Beste, wenn nicht das, das auch allen anderen Beteiligten und der Umwelt gut tut?

// Nachwort

Was hat dieser Artikel dir nun gebracht? Ich nehme an, du bist hierher gekommen, weil du dich schon mit dem Thema nachhaltige Mode auseinandergesetzt hast oder dich dafür interessierst. Vielleicht bist du sogar jemand, der schonmal das Argument “Kann ich mir nicht leisten” vorgebracht hat – und wolltest mal sehen, ob ich dir nun das Gegenteil beweisen kann. Ich denke, abgesehen von Extremen und Ausnahmesituationen, konnte ich das. Natürlich ist dieses Leistenkönnen, wie alles andere im Leben, an Bedingungen geknüpft. Die Bedingung heißt im Fall nachhaltige Mode meistens: Reduziere dich auf das Wesentliche. Ob diese Überlegung für dein Leben nützlich ist oder dir vielleicht sogar einen Sinn für dein Konsumverhalten bringen könnte, den du bisher vermisst hast? Das musst du wissen.

Du kannst nun zwei Dinge tun: Du kannst dich entscheiden, etwas zu ändern. Der radikale Weg der Komplettumstellung, der moderate Weg des Reinschnupperns in nachhaltige Alternativen… such’s dir aus. Oder du kannst dich entscheiden, einfach so weiterzumachen wie bisher. Es wird nichts passieren. Kein Shitstorm, kein Urteil, niemand hat überhaupt mitbekommen, dass du darüber nachgedacht hast. Außer – dir. Und das heißt, dass du wahrscheinlich nicht genauso weitermachen kannst wie bisher. Denn dir ist etwas bewusst geworden; wahrscheinlich gar nicht durch meinen Artikel, sondern schon vorher. Du bist ja aus einem Grund hierher gekommen. Wenn du dich nun dafür entscheidest, weiterhin Fast Fashion zu kaufen, macht dich das in meinen Augen übrigens nicht zu einem schlechteren Menschen, genauso wenig wie ich ein schlechterer Mensch für meine Vegetarierfreunde bin, weil ich hin und wieder Fleisch esse. Es macht dich zu einem Menschen, der sich bewusst entschieden hat, weil er Gründe hatte. Weil er es so wollte. Aber dann steh – wenigstens vor dir selbst – zu den wahren Gründen. „Ich kann es mir nicht leisten“ ist keiner.

// Die Liste für jedes Budget

Für alle, die interessiert sind oder direkt starten wollen, habe ich eine Liste nachhaltiger Stores und Brands zusammengestellt. Sie lehnt sich an meine eigenen Erfahrungen sowie andere Listen, zum Beispiel die von dariadaria, an. Der Unterschied: Ich habe meine Liste nach Preisklasse sortiert. Denn obwohl ich zu meinem Argument stehe, dass gute Qualität mehr kosten darf, weiß ich, dass es Situationen gibt, in denen der Preis eine übergeordnete Rolle spielen muss. Dabei helfe ich gerne!

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14 Comments

  • Reply
    Johanna
    28.01.17 at 23:04

    Ein wirklich toller Artikel! Ich habe mich auch erst vor kurzer Zeit dafür entschieden, nur noch fair fashion und noch mehr Secondhand als zuvor zu kaufen und generell meinen Konsum in Bezug auf Mode einzuschränken. Ich habe heute den halben Abend auf deinem Blog verbracht und muss sagen, dass du mir bei vielen Artikeln, gerade aus deiner Anfangszeit, aus der Seele sprichst. Auch ich konnte früher mein Gewissen damit beruhigen zumindest etwas höherpreisige Kleidung und weniger Teile zu kaufen – der Mehrerlös muss ja auch den besseren Produktionsbedingungen zugute kommen dachte ich.

    Trotz der neuen Vorsätze habe ich mich dazu entschieden, meine alten „nicht fairen“ Sachen weiterhin „aufzutragen“ – denn diese Ressourcen habe ich ja schon verbraucht und meine ganze Garderobe durch neue fair fashion zu ersetzen würde ebenfalls neue Ressourcen und ziemlich viel Geld kosten ;).

    Mach weiter so – ich lese mit 😉

  • Reply
    Windsprite
    29.01.17 at 01:32

    Dafür muss ich erst mal selber anfangen mich um meine Klamotten zu kümmen 😛
    Ich muss sagen, ich denke schon einige Zeit drüber nach und überlege mir eigentlich nur noch, wo ich anfange, ich war allerdings die bisherigen siebzehn (fast achtzehn!) Jahre meines Lebens zu faul, mich überhaupt um Kleidung zu kümmern. Kleidung hat immer Mama gekauft und es war mir nur wichtig, dass ich möglichst unauffällig darin bin, insofern wäre es für mich aus modischer Sichtweise überhaupt kein Problem auf faire Kleidung umzusteigen. Ich bin keine große Shopperin (es gibt wahrscheinlich einen Haufen Jungs, die sich mehr Gedanken darum machen, was sie im Kleiderschrank haben als ich.) und der ewige Streit zwischen mir und meiner Mutter ist eigentlich der, dass sie ständig möchte, dass ich neue Kleider kaufe und ich eigentlich zufrieden bin, mit dem was ich habe und eigentlich damit leben könnte, wenn wir nur ab und zu neue Unterwäsche und Socken kaufen, dass sich das zieht und ich dann wieder nicht dran denke, beim nächsten Mal Mama zu bitten, sich einfach mal bei Fairtrademarken umzugucken. Ich werde daraufhin alle paar Wochen von meiner Mutter mit irgendwelchen neuen Stücken konfrontiert werde, weil ich dringend dringend und ganz unbedingt, sonst fällt uns der Himmel auf den Kopf, eine neue Frühlings- und Herbstjacke brauche. Laut Mama. Ich wusste gar nicht, dass es so war und will mich eigentlich absolut nicht von der alten trennen. Gleichzeitig tut es weh, wenn dann Stücke zurückgeschickt werden und meine Mutter sowieso immer ein unglaubliches Zalandokaufverhalten an den Tag legt, durch das ständig irgendwelche Pakete kommen. Und dass sie nicht verstehen will, dass ich die Dinge, die sie toll findet nicht mag. Und wär ja nicht schwer, mir vorm Bestellen die Bilder zu zeigen. Ja, wie gesagt, ich muss mal mit ihr reden.
    Ich gebe zu, dass ich da eigentlich relativ gedankenlos bin, weil ich zwar kein Mensch bin, der sich bei irgendetwas denkt: Jau, super, brauch ich unbedingt in meinem Kleiderschrank aber dafür auch aktiv nicht viel tue, außer die Dinge, die ich absolut nicht tragen möchte abzuwehren.
    Ich glaube, alles was ich bräuchte für die Zukunft ist irgendeine Möglichkeit, Fairtradeshirts und Hoodies mit nerdigen und geekigen Motiven zu überziehen (wäre glaub ich ein guter Ansatzpunkt um mit Fairtradekleidung anzufangen) . Und irgendwann meiner Mutter Bescheid zu sagen. Sie interpretiert mein Verhalten meist so, dass ich im Dreck lebe und mich nicht im Geringsten um mein Äußeres kümmere (und so war es ursprünglich auch, kann ich ihr keinen Vorwurf machen) und glaubt wahrscheinlich auch, dass man sich Fairtrade nicht leisten kann, einen Ansatz, der eigentlich bei nichts stimmt, schließlich zahlt man beim iPhone auch hauptsächlich für den Apfel im Logo und nicht für die Foxconn Mitarbeiter.

    • Reply
      Sabine
      29.01.17 at 14:46

      Danke für den ausführlichen Kommentar! Ich kenne mich mit dem Bedrucken von Shirts jetzt nicht so gut aus. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass es sogar Copyshops gibt, die den Service anbieten, dir ein mitgebrachtes Shirt mit einem mitgebrachten Motiv zu bedrucken. Vielleicht kannst du da mal recherchieren! Fairtrade Shirts sind wirklich das unkomplizierteste, was den Preis angeht. Du kannst ja mal einen Blick in meine Liste werfen!
      xx

  • Reply
    Emilie
    29.01.17 at 09:59

    Ein toller Artikel! Ich persönlich habe es noch nicht geschafft, komplett auf faire Mode umzustellen, kaufe aber zu 80% Second Hand und im Jahr maximal 5 neue Sachen ein. Für einen Pulli habe ich dieses Jahr sogar richtig Geld gelassen, um einen fair-produzierten zu bekommen. Ich liebe ihn über alles! Ich wähne mich also alles in allem schonmal auf der „nachhaltigeren“ Seite. Deine Worte haben mich trotzdem wieder einmal ein wenig wachgerüttelt. Der Gedanke, dass ich mir das eine oder andere Stück nicht leisten kann, kam mir schon oft. Aber du hast recht: Es ist eine Prioritätenfrage. Für meine Bio-Lebensmittel gebe ich schließlich auch mehr Geld aus, weil sie es mit wert sind.
    Was mich überrascht und total beruhigt hat, ist, dass Second-Hand unter nachhaltige Mode fällt. Das streichelt mein Gewissen! 😉
    Viele Grüße,
    Emilie

    • Reply
      Sabine
      29.01.17 at 14:39

      Gerne! Die Frage, ob Second Hand nun ethisch korrekt ist oder nicht, hat in besagter Facebook Diskussion auch nochmal für Auseinandersetzungen gesorgt, weil man dazu natürlich verschiedene Meinungen haben kann. Unterstützt man H&M, wenn man den Leuten auf Kleiderkreisel ihre alten Sachen abkauft und sie sich dann neue holen? Ist es verwerflich, mit Second Hand quasi „Werbung“ für Mainstream Marken zu laufen? Das kann man so oder so sehen. Ich finde, es kommt auf eine gesunde Mischung an – Second Hand mag nicht ganz so konsequent sein, was den Boykott von unmenschlicher Produktion angeht, aber nachhaltig (also umweltschonend) ist es absolut. Man verbraucht ja keine neuen Ressourcen, während das sogar bei fairer Produktion der Fall wäre.

  • Reply
    Kati
    29.01.17 at 11:21

    Ein toller Post, den unterschreibe ich so! 🙂 Fand auch schon deinen Beitrag zu Second Hand vs. Fairtrade wirklich klasse. Klar, ein Printshirt von Armed Angels ist schon deutlich teurer als eines von H&M, aber unbedruckte Basics bekommt man wirklich auch zum gleichen Preis, wenn man etwas sucht.
    Ich möchte dieses Jahr mit dem neu kaufen zurückhalten, denn eigentlich habe ich ja genug – wenn schon kaufen, dann eher eine Nähmaschine, um schon vorhandene Stücke anzupassen, reparieren und umzunähen, was im Idealfall auch noch Spaß macht 🙂
    Vielen Dank auch für die Liste, falls ich was brauche, wird da gestöbert. Zwei Labels fallen mir noch ein – Bidges & Sons, die haben richtig coole Sachen, und monamama – vielleicht sind die ja noch eine Aufnahme wert 🙂

    Liebe Grüße,
    Kati

    • Reply
      Sabine
      29.01.17 at 14:13

      Oh cool, ich habe Bidges & Sons schon öfter in der Rindermarkthalle gesehen, wusste nur nicht, dass die auch fair produzieren! Danke für den Input! Die Liste ist natürlich längst nicht vollständig, also immer her mit euren Lieblingen.
      xx

  • Reply
    Anne
    29.01.17 at 12:36

    Ja, genau das! Schön, dass du hiermit einen Text geschrieben hast, den man bei passender Gelegenheit immer wieder gut zitieren kann 🙂 Und was du schreibst, lässt sich ja eigentlich auch 1:1 auf andere Lebensbereiche übertragen. Lebensmittel, Mobilität – auch hier treffen wir Entscheidungen, die sich nicht nur auf unseren Geldbeutel unmittelbar auswirken.

  • Reply
    Karin
    29.01.17 at 14:30

    Danke für die supertolle Liste! 🙂

  • Reply
    Elisabeth
    30.01.17 at 09:14

    Liebe Sabine,
    ein toller Artikel, dem ich nur voll und ganz zustimmen kann! Ich war früher auch der Meinung, dass ich nicht fair kaufen kann weil das a) zu teuer ist und b) mir nicht gefällt. Diese Meinung hatte ich wohlgemerkt, ohne jemals nach den Möglichkeiten, faire Mode zu kaufen, recherchiert zu haben. Schon lustig, wie schnell sich die Sicht ändern kann. Heute frage ich mich so wie du, wie überhaupt noch irgendjemand sich nicht über dieses wichtige Thema bewusst sein kann?
    Vielen Dank für die tolle Liste, die werde ich beim nächsten Bedarf auf jeden Fall konsultieren.
    Liebe Grüße,
    Elisabeth

  • Reply
    Rebecca
    31.01.17 at 17:46

    Hallo du Herzchen,

    ich habe deinen Blog gerade erst gefunden und bin bereits verliebt! Super Artikel. Nachdem ich mich jetzt schon etwas länger mit Plastik-(vermeidung) und somit auch Mikroplastik beschäftige, hat dies mich auch zu einem Umdenken bezüglich meiner Kleiderwahl geführt. Fängt man einmal an, gibt es kein halten mehr;). Es ist wirklich schwierig am Anfang. Denn man muss mit jahrelangen Gewohnheiten brechen. Früher spazierte man kurz in den Laden und heute recherchiert und recherchiert man. Manchmal ermüdend aber oft sorgt es auch dafür, dass man sich wirklich aktiv damit auseinandersetzt und dann merkt man erst wirklich ob man eine Sache unbedingt braucht oder vielleicht auch gar nicht. Ich habe mich heute erst bei der Kleiderei angemeldet, um mal zu schauen ob das etwas für mich ist und ich so vielleicht erst einmal komplett auf die Neuanschaffung von Kleidung verzichten kann. Wir werden sehen:).

    Liebe Grüße,

    Rebecca

  • Reply
    Petra
    01.02.17 at 08:44

    Ich kaufe seit über fünf Jahren fast nur noch Secondhand und ich liebe es! Es ist nicht nur günstiger, sondern auch individueller. Allerdings frage ich mich manchmal auch da, ob es okay ist, gebrauchte Teile von H&M und Co. zu kaufen, da man die Marken damit ja indirekt unterstützt. Eine richtige Lösung habe ich dafür noch nicht gefunden. Besonders bei Socken und Unterwäsche fällt es mir noch schwer, nicht auf Fast Fashion zurückzugreifen – Secondhand geht da für mich einfach nicht. In Zukunft will ich aber auch darauf besser achten 🙂 schön aufgeschrieben und gute Tipps – Danke dafür! 🙂
    <3 Petra

  • Reply
    Jenni
    01.02.17 at 09:49

    Liebe Sabine!

    Ganz ehrlich? Ich bin froh, dass du dir deinen Frust von der Seele geschrieben hast!
    Sonst wären wir alle vermutlich niemals in den Genuss dieses gut durchdachten und super aufbereiteten Artikels gekommen! Dieselbe Argumentation schwirrt auch schon seit geraumer Zeit in meinem Kopf herum und ich danke dir, dass du mir mit dem Aufschreiben und Ausformulieren zuvor gekommen bist – besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können, wirklich nicht.
    Die Frage nach Fair Fashion ist alles andere als eine Kostenfrage und es ist wichtig und notwendig, das einmal in aller Härte und Konsequenz zu formulieren – auch, wenn das vielleicht zunächst verletztend sein kann, möchte man selbst sich doch am allerwenigsten eingestehen, dass man eigentlich nur kauft um des Kaufens Willen. Aber genau hier ist der Angelpunkt des Ganzen, der letzten Endes um Umdenken führen kann (in welcher Konsequenz auch immer). Und genau hier müssen wir ansetzten und wir dürfen dabei auch gerne mal unbequem sein.

    Liebe Grüße
    Jenni

  • Reply
    Christiane
    05.02.17 at 17:53

    Guter Artikel. Mode und Konsum hat eine langen Rattenschwanz. Definitiv.
    Mein Ansatz geht nicht darauf fair produzierte Mode zu kaufen, sondern Klamotten lange zu nutzen und nur zu ersetzen, wenn es von Nöten ist, also „nachhaltig konsumieren“, irgendwie sozusagen.

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