Minimalism

SALE, SALE, STOP! 2 Wege aus der Rabattfalle

Wie du der Rabattfalle entkommen kannst

Samstag in Altona. Ich schlendere aus dem Bahnhof und freue mich ein Mal mehr über meine Entscheidung: Die Ottenser Hauptstraße ist zum Einkaufen so viel angenehmer als die Mönckeberg. Hier verbringe ich regelmäßig meinen Samstagvormittag, wenn ich ein paar Erledigungen machen muss, die über den Supermarkt und Blume2000 in der Osterstraße hinaus gehen. Wenn ich einen draufgängerischen Tag habe, stürze ich mich hier sogar ins IKEA-Chaos. Heute möchte ich aber nur mein Parfum nachkaufen und vielleicht noch zu idee, mal sehen, ob die schöne Papiere oder Masking Tapes für mein Memorybook haben. Aber im Mercado ist heute etwas komisch. Ich fühle mich plötzlich… eingeengt. Das gefühlt kleinste Einkaufszentrum Hamburgs quillt über – mit roten Plakaten.

Mercado
Sale im LadenOnline Sale
Straßenverkauf ablehnen
SALE Plakate HamburgProzente als Falle
wie man den Sale Wahnsinn stoppt

Nach Weihnachten geht der Schlussverkauf in die finale Runde. Das alte Jahr gibt noch einmal alles, das neue fängt gerade erst an. Jeder hat von Oma Geld bekommen und hat an den Tagen, die auf Weihnachten folgen, nur ein Ziel: Raushauen. Weil es geht. Und nach Weihnachten schließlich alles billiger ist. Oder? Eine Kollegin formulierte ihre Gedanken zu einer speziellen Rabattaktion diese Woche so: „Es war, als hätte es einen spontanen Wirtschaftsboom gegeben“. Menschen tragen Fernseher, Konsolen und Klamottenberge nach Hause, als wären es die ersten.

Ich glaube, ich finde im Mercado keinen Laden ohne ein grelles Schild, das Prozente anpreist oder einfach nur sagt: SALE. Das steht für billig, billiger, Supersonderrabatt. Kurz bin ich verwundert, dass die Metzger und Bäcker in der Mitte nicht ebenfalls Schilder tragen. Aber im Gegensatz zum restlichen Einkaufszentrum ist dort auch ziemlich wenig los. Was ist es, mal abgesehen von den grellroten Reizüberflutungsplakaten, das uns im Schlussverkauf so wild macht, dass wir alles vergessen, sofort in die Läden rennen und blind in jede Rabattfalle tappen? Und geht das auch anders? Kann man dem allgemeinen Wahnsinn noch entkommen? Stell dir vor, es ist SALE und…

1. Du gehst nicht hin!

Es ist doch so: Niemand zwingt dich, die Büchse der Pandora überhaupt zu öffnen. Die Entscheidung, ob du einem knallroten Schild in den Laden oder einem Werbebanner in den Onlineshop folgst, triffst nur du. Und mal ehrlich – wenn du auf den Link im Newsletter klickst, hast du doch eigentlich schon entschieden, dass du jetzt etwas, irgendetwas, für 20% weniger kaufen wirst. Und dass es etwas sein wird, an das du gar nicht gedacht und das du nie vermisst hättest, hätte man dir damit nicht vor der Nase rumgewedelt. Es ist wirklich so leicht: Entscheide dich dagegen. Du willst der Rabattfalle entkommen, weil du weißt, dass du gerade gar nichts brauchst. Es sind die Zahlen, die uns hier reizen und uns einen falschen Eindruck vermitteln. Du wirst im Sale nur wirklich sparen, wenn du die Finger davon lässt. 30% Rabatt = 30% gespart, as if! Ungeplante Ausgaben, egal wie günstig, sind immer einfach nur das: Mehrausgaben. Sparen, wenn man etwas Neues kauft, kann man nur in einem einzigen Fall…

2. Du nutzt ihn aus.

Angenommen, es gibt etwas, das du schon länger brauchst oder dir sehnlichst wünschst, und dieses Ding gibt es im SALE billiger. Brauchst du dann noch irgendwas anderes vom Wühltisch? Ist es nicht dieser eine Rucksack, der Kopfhörer, das schöne Sideboard, auf das du ewig gewartet hast und über das du dich jetzt richtig und ohne Ablenkung durch andere Konsumgüter freuen kannst? Ich verachte den SALE nicht. Ich nutze ihn für das, was ich wirklich gerne haben will. Und das erfordert Planung und Geduld. Wenn ich mir immer sofort jeden Wunsch erfüllen würde, wäre der Sale nutzlos. Dadurch, dass ich meine Wunschlisten zelebriere und pflege, trainiere ich das Warten und nehme im besten Fall wirklich weniger Geld in die Hand, als geplant. Ist das, was ich mir wünsche, dann doch nicht im Sale, kann ich es meistens auch noch für den Originalpreis kaufen – ich habe mein Geld ja nicht für impulsive Fehlkäufe ausgegeben. Minimalistin und Schnäppchenjägerin, das geht sehr wohl zusammen. Aber nur bei den Schnäppchen, die es auf lange Sicht wert sind und für die ich mich bewusst entschieden habe.

Nach weniger als einer halben Stunde sitze ich wieder im Bus nach Hause. Ich bin tatsächlich ein bisschen platt, obwohl ich in keinem Laden war, den ich nicht eingeplant hatte. In meiner Tasche: Das Parfum und zwei Masking Tapes. Drei gute Entscheidungen.

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4 Comments

  • Reply
    Julia
    06.01.17 at 12:53

    Als wäre der Kaufrausch vor Weihnachten nicht schon groß genug kommt jetzt nochmal der große Sale. Ich bin eine Mischung aus „vor dem Wahnsinn fliehen“ und „den Sale nutzen“. Zugegeben – wenn ich eh in einem Laden bin und dann eine Ecke sehe, die mit Sale ausgeschildert ist, schau ich schon ob ich was gebrauchen kann. Die Betonung liegt auf „gebrauchen“, denn in 95% der Fälle schafft es dann doch nichts in den Einkaufskorb, weil es nicht zwingend notwendig ist. Dafür freu ich mich wenn ich notwendigen Einkäufen sparen kann. Bspw. wusste ich, dass ich irgendwann vor Weihnachten einen neuen Blazer brauche für Bewerbungsfotos und -gespräche, und dann klicke ich schon zuerst die Shops an, die mir gerade Rabatte per Newsletter angeboten haben (und bin dann auch direkt fündig geworden, tschakka!).
    Du sprichst mir also vollkommen aus der Seele, man kann den Sale auch für sich nutzen, ohne es direkt zu übertreiben, und es ist auch ein schönes Gefühl, nur das gekauft zu haben, was man wirklich wollte und nicht vor einem Haufen unnützem Kram zu stehen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Julia

  • Reply
    Sarah
    06.01.17 at 22:00

    Also ich muss zum Glück sowieso für London sparen! 😀
    Ich nutze generell den Sale allerdings gerne, wobei dann natürlich auch das Lager leer gemacht wird und manchmal findet man noch tolle Teile, die nicht so im Geschäft hängen!
    Ganz Liebe Grüße Sarah <3

  • Reply
    Missi
    07.01.17 at 07:11

    Ich habe bestimmt seit drei Jahren nicht mehr „einfach so“ was im Sale gekauft, nur weil es im Angebot war. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass man an den Sachen nicht so viel Freude hat wie an Dingen, die man schon lange haben möchte 🙂 mich reizen die roten Schilder schon gar nicht mehr und auch die Newsletter klicke ich einfach weg. 🙂

    Viele Grüße, Missi

    PS: danke für die süße Karte! Sie ziert jetzt mein Harry Potter Regal <3

  • Reply
    Jenni
    07.01.17 at 17:07

    Liebe Sabine!

    Ich finde es großartig, dass du darauf eingehst, dass es absolut nicht verwerflich ist, den Sale für sich zu nutzen.
    Wir schreiben seit einiger Zeit auch alle Wünsche in ein Notizbüchlein (schön säuberlich mit eventueller Bezugsquelle und erwartbarem Preis) und warten dann. Wenn wir langfristig eine wie auch immer geartete Sehnsucht nach diesem Objekt haben, dann schlagen wir auch gerne mal im Sale zu – denn dann lohnt er sich für uns wirklich, weil wir nur das kaufen, was wir sonst bald ohnehin gekauft hätten (das hast du ja auch sehr schön beschrieben).
    Das Schöne am Reflektiert-Kaufen ist, dass wir nun nicht mehr dem Sale entgegenfiebern und kaufwütig losziehen, sobald wir die ersten verdächtigen roten Schilder irgendwo stehen sehen. Und es tut uns auch gar nicht weh, wenn wir ein Wunschding von der Liste nicht im Sale sehen – denn bereit, den „regulären“ Preis dafür zu zahlen, waren wir ja sowieso. Das nimmt wunderbar eine ganze Menge Druck aus dem Anschaffungsprozess raus. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

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