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Introvert’s Diary: can’t change the weather.

introvertiert und wetterfühlig

Mir ist kalt. 8 Grad in der Wetter App, Grau am Himmel. Es sind nur zwei oder drei Tage, die zwischen den warmen in diesem sommerlichen April liegen, aber im Moment… passen sie mir gar nicht.

So oft ich behaupte, dass das Wetter in Hamburg mich abgehärtet hätte, muss ich mir auch eingestehen, dass das eigentlich nicht stimmt. Ich bin wetterfühlig. Dagegen helfen keine schönen Hausfassaden, keine Franzbrötchen, noch nicht einmal der Hafen. Sinkt die Temperatur, sinkt auch mein Spirit.

Dabei ist mieses Wetter nicht nur schlecht für mich. Der skandinavisch tiefe Himmel über Dänemark, Schweden und oft eben auch Hamburg ist einer, unter dem ich mich sehr geborgen fühle. Er gibt mir sofort den melancholischen Moment, den ich sonst mühsam mit der richtigen Musik herstellen muss, wenn ich ihn mal brauche. Ich denke, schreibe und fühle so viel tiefer, wenn der Nebel mich nach Hause begleitet und stundenlang der Regen an meine Scheibe trommelt.

Die Sonne dagegen – ist das, was mich rausholt. Aus meinem Kopf, der Routine, der stillen Wohnung, so leicht auch aus der Comfort Zone. Genau das, was ich nach diesem überlangen, harten Winter brauche. Und jeder Tag, der es mir verwehrt, lässt mich quengelig und bedürftig zurück. Müde. Als ich wieder den Wintermantel von der Garderobe nehme, habe ich nicht einmal die Kraft, mich zu ärgern, ich bin bloß irgendwie enttäuscht. Noch so ein Tag.

wetterfühlig

Das Wetter: eines dieser Dinge, die man nicht ändern kann, „can’t change the weather“, das ist auch eine Metapher. Eine, die ich sehr gern habe. Sie steht für den Pragmatismus, den ich mir sonst ganz gerne auf die Fahne schreibe, und irgendwie ist es doch auch tröstend, wenn man nichts machen kann, weil man dann auch nichts machen muss und nichts dafür kann. Kein Optimierungszwang. Nicht noch etwas, an dem man noch ein bisschen drehen kann. Nur die Möglichkeit, es anzunehmen und das Beste daraus zu machen, während man sich auf bessere Zeiten freut.

Also übe ich mich im Schwarzteetrinken, warte bis endlich meine Erkältung verschwunden ist und sehne mich abwechselnd nach Palmen und dem mystischen Norden. Ich weiß noch nicht, ob ich im Sommer mit Freunden an den Strand fahren soll oder doch lieber mit Notizbuch durch Schottland oder Norwegen. Es hängt wohl davon ab, was Hamburg in nächster Zeit macht…

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