Hamburg

morgens um 6 auf dem Fischmarkt

12.09.15

Ein unbekannter Klingelton reißt mich aus dem Schlaf. Mein Herz hämmert, als meine Augen ganz ohne mein Zutun auffliegen. Ich drehe mich hektisch um und starre auf mein iPhone. 5 Uhr 12. Was ist los? Notfall? Urlaub? Geht’s gleich zum Flughafen? Nein, zum Altonaer Fischmarkt. Es ist der Wecker, den ich extra neu eingestellt habe, damit ich ihn nicht automatisch wegdrücke. Uff.

Es ist Sonntagmorgen. Normalerweise würde ich mir dieses Schicksal nie selbst aussuchen. Unter den Dingen, die mir eine haltlos beschissene Laune bescheren, ist früh aufstehen nämlich der Spitzenreiter. Ganz egal, wann ich mich am Vorabend hingelegt habe: Zwing mich vor 7 Uhr aus dem Bett und du lernst den grantigsten, tollpatschigsten, unfähigsten Menschen der Welt kennen. Seit meiner Schulzeit habe ich deshalb nur noch für eine einzige Sache eine Ausnahme gemacht: Reisen. So lange es mein einziger Task ist, schaffe ich es morgens um 4 zum Flughafen. Auch wenn ich mir auf dem Weg nach draußen wahrscheinlich drei Mal beinahe den Zeh amputiere. Aber mal ehrlich: Es muss doch noch mehr geben, für das es sich lohnt, früh aufzustehen. Zeit, meine alte Regel zu brechen.

Nachdem ich trotzdem ein Mal gesnoozt habe (Prinzip!), schäle ich mich also tatsächlich aus meinem gemütlichen, weich-warmen Sonntagsbett. Der Plan, ein Nutellabrot zum Frühstück einzuwerfen, damit der Fischgeruch meinen nüchternen Magen nicht umstülpt, ist dem Snooze-Button zum Opfer gefallen. Ich platziere in zwei Sekunden den obligatorischen Haarezuwild-Dutt auf meinem Hinterkopf, ziehe etwas an, putze meine Zähne und bin aus der Tür. Zur U-Bahn-Station renne ich – wenn schon, denn schon! Ich bin bestimmt nicht so früh aufgestanden, um 15 Minuten auf die nächste Bahn zu warten.

Der Hamburger Hafen bei Sonnenaufgang

Wenige Stationen später steigt meine Kollegin C. ein – in ihrem Gesicht dieselbe Mischung aus müde und aufgeschreckt. Sie hat mich zu dieser Aktion überredet. Sie spricht leise, angenehm, gemeinsam dümpeln wir so vor uns hin. Der Weg von der U-Bahn zum Markt weckt uns ein bisschen auf – es ist kalt. „Die blaue Stunde ist heute eher eine graue Stunde“ stellt C. mit einem Blick zum Himmel fest. Mal wieder. Und exakt in dem Moment, in dem wir den Markt betreten, fängt es auch an zu nieseln. Ach, Hamburg!

Fischmarkt AltonaC. am Hafen
Aal Kai Fischmarkt Altona

Die Marktschreier krakeelen nur vereinzelt. Es ist, als wären auch sie noch nicht ganz wach. Oder als schrien sie erst für die Touris, die den Fischmarkt gegen 7 Uhr überschwemmen. Der Fischgeruch ist mit leerem Magen und nebligem Kopf wirklich ein bisschen derb. Aber der Hamburger Hafen ist zu dieser Zeit ein magischer Ort. Nicht ausgestorben, aber auch noch nicht aktiv. Verschlafen. Und vor ihm geht das Gewusel los – oder hat gar nicht aufgehört, denn in der Fischauktionshalle feiern gerade die letzten zur Live-Band, die sowohl Schlager als auch Lena (inklusive eigenwilligem Akzent) und Sunrise Avenue covert. Hier gönne ich mir eine dicke Puderzuckerwaffel, auch bekannt als Instant-Glück. Ein Betrunkener quatscht mich an und findet mich schön. C. findet 5 Euro auf dem Boden.

Fischmarkt Altona Sonnenaufgang
Fischauktionshalle Altona

Nach dem Frühstück geht ein Lachsbrötchen. Aber das ist um 7 Uhr morgens auch wirklich die Fisch-Schmerzgrenze, sagt der dritte salzige Bissen zu mir. Wir gehen noch einmal an dem Stand mit den irren Obstkörben vorbei, hören noch ein gebrülltes „Und jetzt geht’s weiter!“ und beenden dann unsere Tour mit derselben dösigen Bahnfahrt. Zuhause angekommen fühlt sich diese kleine Exkursion ein bisschen an wie ein Traum – denn es ist Sonntag, die Jalousie ist noch unten und ich darf wieder ins Bett.

Altonaer Fischmarkt
Große Elbstraße 1
20000 Hamburg

  • Reply
    Irina
    14.09.15 at 11:52

    Liebe Sabine,

    wie du weißt bin ich ein Riesen-Fan von dir 🙂
    Ich finde es sehr toll, dass du den Schritt gewagt und dir einen neuen Blog zugelegt hast.
    Deinem alten Blog Lebewohl zu sagen, ist sicher nicht ganz einfach.
    Denn in jedem Beitrag steckt viel Liebe und ganz viele Erinnerungen.
    Und trotzdem glaube ich, dass ein Neuanfang mit vielen neuen Abenteuern einhergeht, die ich hier dann zu lesen bekommen 🙂 Ich freue mich schon sehr auf deine Beiträge.
    Alles Liebe und Gute wünsche ich dir :*

    • Reply
      Sabine
      15.09.15 at 20:23

      Ahh, meine liebe Puppe 🙂 Tausend Dank!
      xx Sabine

  • Reply
    Ghost
    14.09.15 at 16:13

    Hey Sabine, danke für deinen Kommentar zu meinem Post, der mir sehr am Herzen liegt. Es ist so eine Sache mit der Zeit und dem bisher Erreichten und in meinem Fall der oft großen Selbstzweifel. Anderen zuzusprechen was sie selbst können und erreicht haben fällt mir soviel leichter, als es mir auch mal selbst einzugestehen. Toller Blog und auch Hamburgerin =) Ich mag dein Design und deinen lockeren Schreibstil sehr. Ich folge dir nun und komme somit öfter.

    Ghost

    • Reply
      Sabine
      15.09.15 at 20:21

      Hey Ghost,
      danke für den netten Kommentar. Wahrscheinlich hast du meine Wanderung vom alten Blog gar nicht mitbekommen, dort hast du nämlich auch schon kommentiert – macht aber nichts, wir haben uns ja wiedergefunden 🙂
      xx Sabine

  • Reply
    Christine
    15.09.15 at 10:38

    Der Fischmarkt ist schon echt ein cooles Erlebnis! Wobei ich dich gut verstehen kann: ich bin auch kein Morgenmensch und meistens etwas muffelig drauf bzw. brauche meine Zeit, bis ich in die Gänge komme. Das kann schon mal dauern… ^^
    Aber für so etwas lohnt es sich dann einfach und man ist am Ende froh, dass man sich morgens aus dem Bett gequält hat.

    • Reply
      Sabine
      15.09.15 at 20:23

      Liebe Christine,
      du hast absolut recht! Gelegentlich lohnt es sich einfach. Vor allem, wenn es keinen Rattenschwanz an Müdigkeit nach sich zieht, weil man noch genug Zeit hat, um sich zu erholen.
      xx Sabine

  • Reply
    kaddinator
    16.09.15 at 15:45

    Ich war bisher einmal auf dem Fischmarkt und fand die Marktschreier echt ulkig! Ich war danach noch 4 mal in Hamburg, hab es aber Sonntags nie wieder so früh aus dem Bett geschafft, dabei will ich da immer noch n Krabbenbrötchen essen.

  • Reply
    Reiseblogger Lisa
    20.09.15 at 20:58

    Sehr schöne Bilder! Wenn es mich (hoffentlich bald) wieder einmal nach Hamburg zieht muss ich dort auch unbedingt einmal hin 🙂

    Lisa | Joy Della Vita Travelblog

  • Reply
    Conny Lomoherz
    30.09.15 at 21:09

    DU HAST EINEN NEUEN BLOG! Wowsen. Das beeindruckt mich gerade sehr. Wie kommt’s, was war der Auslöser? Oder gibt es dazu bereits einen Post, den ich noch nicht entdeckt habe? (weil ich das erst loswerden muss, bevor ich mich hier näher umschaue, sehr unlogisch, ich weiß;) Was mir auf den ersten Blick entgegenstrahlt gefällt mir sehr sehr gut, und dieser Post sowieso…Fischmarkt <3
    Und dein alter Blog? Wie geht es damit weiter? Hast du dich von ihm verabschiedet?
    Viele Grüße und bis bald,
    Conny
    Ich folge dir auch hier! 😉

    • Reply
      Sabine
      01.10.15 at 13:44

      Hey Conny,
      tausend Dank für deinen Kommentar und die lieben Worte! Das freut mich sehr, vor allem von dir 🙂
      Einen Abschieds- und Begründungsbeitrag findest du auf dem alten Blog.
      xx Sabine

  • Reply
    Esra
    25.10.15 at 23:20

    Total super geschrieben! hab mit dir mitgelitten, hasse es auch, so früh aufzustehen :DDD
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

Leave a Reply