Minimalismus

Fair Fashion Outfit: Die Agenturuniform

23.08.17

Schwarz, schwarz, und schwarz: #allblackeverything ist nicht nur die Uniform jener Menschen, die meine Mutter “Gruftis” nennt. Sie ist noch nicht einmal den Minimalisten vorbehalten, deren 30-Teile-Kleiderschrank sich einfach besser kombinieren und waschen lässt, wenn die Farbpalette sich zwischen ausgewaschenschwarz und tiefschwarz bewegt. Schwarz ist die Kleidung von Agenturleuten. Mit einem Unterschied: Die Werber, die Medienmenschen, die Großstadthipster erkennt man – an ihren weißen Sneakers.

Muss man solche Trends mitmachen? ist die Frage, die sich aufdrängt. Als überzeugte Minimalistin sage ich: Nein, natürlich nicht. Als jemand, der neben “irgendwas mit Medien” auch noch “irgendwas mit Kultur” studiert hat, finde ich solche urbanen Codes aber eigentlich ganz geil. Es ist doch einfach spannend, wie wir ticken; wie wir in allen Aspekten unseres Alltags versuchen, eine Relation zu unserem Umfeld herzustellen, uns klar dazu zu zählen oder vehement zu distanzieren. Die Sache mit den hochgekrempelten Hosen kommt mir nicht nur deshalb gelegen, weil mir selten eine passt, die nicht gekürzt wurde. Ich finde es voll und ganz in Ordnung, mich morgens beim Anziehen mit vollster Absicht einer Gruppe zuzuordnen. Und an einem anderen Tag vielleicht wieder einer anderen. Solange es mir selbst so gut gefällt, dass ich mich nie verkleidet fühle.

Agenturuniform

Ich mag Uniformen, weil sie einfach sind und Raum für den Rest lassen. Vielleicht mache ich irgendwann den Zuckerberg und trage jeden Tag das Gleiche. Im Moment bin ich happy mit dem Mix: Vieles in meiner Garderobe ähnelt sich, trotzdem habe ich noch Lieblingsteile, die ich reinwerfe, um doch ein bisschen anders auszusehen – oder einfach, weil sie so bequem sind und zu schwarz passen.

Nach etwa anderthalb Jahren ohne Fast Fashion spüre ich langsam einen echten Wandel in dem, was ich trage: 80% meiner Hosen sind fair produziert oder aus zweiter Hand.

Veja Produktionsbedingungen

Was meinem übrigen Kleiderschrank betrifft, habe ich besonders bei Oberteilen, Kleidern und Röcken trotzdem noch bis zu 90% Fast Fashion. Sozusagen Restbestände. Dass der “Rest” zurzeit noch einen so großen Teil ausmacht, finde ich aber in Ordnung. Was nicht ausgedient hat, muss nicht vorschnell ersetzt werden. Die Sachen sind qualitativ oft besser als ihr Ruf, einige Stücke sind mir ans Herz gewachsen und wieder andere trage ich eben, weil sie noch funktionieren. Also schwarz (oder grau oder weiß) sind. Und dann ist es auch nicht so wild, dass sie nicht ganz dem Schnitt des Jahres entsprechen. Diese nicht so bunte Mischung ergibt meine Arbeitskleidung – ein Glück, dass die auch alltagstauglich ist.

Hafencity Modeblog
Shirt & Longsleeve: alt / Rucksack: alt / Hose, Socken und Schuhe. Fair Fashion

Öko-Kleidung und trendige, “coole” Mode mögen sich im ersten Moment wie Gegensätze anhören. Ich genieße jedoch genau diesen Spagat zwischen dem Ökoimage und der Agenturuniform – weil ich mir immer wieder selbst beweise, dass beides geht.

Fotos: Johannes Fucke

  • Reply
    Simone
    24.08.17 at 09:27

    Ich wollte nur schnell was dalassen: Das letzte Foto ist so richtig, richtig toll! <3

    (Zum Thema selbst hab' ich heute – leider – nicht wirklich was beizutragen. Mein Kasten geht quasi über, ist knallvoll und davon bin ich einfach nur genervt… Deswegen schiebe is das Thema gerade sehr gern aus meinem Kopf raus *g*)

    Alles Liebe, Simone

  • Reply
    Cigdem
    05.09.17 at 16:53

    Wenn ich schonmal hier bin…
    Finde dein Outfit klasse, eventuell liegt es daran, dass ich auch Mediengestalter bin und mich auch gern zu den Minimalisten zähle und auch weiße Sneaker von Veja habe 😀
    Aber ja, ich lebe und liebe die Verbindung von ambivalenten Themen. Mode und Nachhaltigkeit, öko und trendbewusst, Schwarz und Weiß oder auch Minimalismus und Konsum. Ich probiere gerade die Capsule Wardrobe für mich aus und man stößt auch da an Grenzen aber man entwickelt sich, man lernt und man lernt besonders hinzuschauen. Deine Bilder wecken direkt wieder meine Hamburgliebe und ich liebe deine Fotos im allgemeinen sehr!

    Liebe Grüße,

    Cigdem

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