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Bücher 2018 #03: Spannung, Beziehungen und die Entscheidung zum “Nein”

03.12.18
eine illustratorische Biografie

Einfach mal “Nein” sagen, zu unfairen Verträgen, unehrlichen Dates, zum schlechten Gewissen, zum Rausgehen bei miesem Wetter – und stattdessen ein paar Bücher lesen. Ich fände es zurzeit sehr schön, wenn die Wochenenden noch ein bisschen länger dauern würden und ich noch viel mehr aufnehmen könnte. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich das Lesen überhaupt wiederentdeckt habe und mich wieder so richtig für fiktive Geschichten und echte Themen begeistern kann.

Into The Sea – Paula Hawkins (+)

Eine Frau wird tot am Fluss gefunden. Sie ist nicht die Erste, die im englischen Beckford auf diese Weise ums Leben kommt, und schon die zweite in diesem Jahr. Ihre Schwester, die lange nicht mit ihr gesprochen hat, ist sich sicher: Sie ist nicht gesprungen.

Wenn ich an das Buch denke, träume ich sofort wieder von diesem einen Strand auf Korfu, im hintersten Dorf, bei Nieselregen, der vollständig leer war und mir an einem langweiligen Nachmittag stundenlanges Lesen auf meiner eigenen Liege unter einem Strohschirm erlaubte. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich den Thriller so genial finde. Paula Hawkins ist extrem gut darin, Stimmungen für ihr Setting zu kreieren und durch klug ausgearbeitete Charakterbeziehungen aktuelle gesellschaftliche Themen anzusprechen, die den Plot bedingen, ohne ihn zu dominieren.

Bücher Spannung im Winter

Little Fires Everywhere – Celeste Ng (+/-)

Ein Teenager zündet das Haus ihrer wohlhabenden Eltern an. Im ärmeren Stadtteil wohnt seit diesem Jahr eine Mutter mit ihrer Tochter – und die würde am liebsten zu besagter Familie gehören.

Mir war selbst nicht bewusst, wie sehr ich auf Familiengeschichten stehe. Wahrscheinlich sind es die Beziehungsgeflechte, die mich faszinieren, und die gesellschaftlichen Konflikte, die viele Geschichten komplett tragen. In diesem Fall fand ich es besonders auffällig: Der Ausgangspunkt, die eigentliche Tat, rückt sehr weit in den Hintergrund, während man sich in die Perspektiven der einzelnen Charaktere einfühlt und sich unweigerlich für eine Seite entscheidet. Die konträren Sichtweisen waren mir an vielen Stellen zu einfach, zu konservativ gedacht. Entziehen konnte ich mich trotzdem nicht.

Lethal White – Robert Galbraith (/)

In das Office von Strike und Robin platzt ein geistig verwirrter Mann, der vor Jahren den Mord an einem Kind beobachtet haben will. Strike schleust Robin ins Parlament ein, um mehr über die Machenschaften eines Politikerpaares zu erfahren… // Der neueste von inzwischen vier Krimis aus der Strike-Serie von Robert Galbraith, dem Pseudonym von J.K. Rowling.

Ich teile hier sonst nur Bücher, die ich zuende gelesen habe. Ich dachte aber, ein Zwischenfazit (oder Abbruch?) wäre auch mal interessant für euch: Den Schreibstil finde ich auch im vierten Band gut und die Protagonisten mag ich nach wie vor, aber: ich. komme. nicht. voran. Der Plot langweilt mich bis Seite 150 so sehr, dass ich nicht die Disziplin finde, es weiter durchzuziehen. Ging es noch jemandem so?

Das Milennial Manifest – Bianca Jankovska (+)

Diese Digital Native Generation, die alle Möglichkeiten hat, und trotzdem immer nörgelt? Mit diesem Narrativ räumt Bianca Jankovska in ihrem Buch auf: Sie erzählt von Anforderungen, die immer höher werden, und Selbstvertrauen, das entsprechend schrumpft, von fehlendem Anstand im Internet und in Chefetagen, von Influencern, die uns schlicht verarschen, vom do-what-you-love-Mythos und davon, wie man als junger Mensch für seine Rechte in Jobs und anderen Beziehungen einstehen kann. Muss.

“Das Millennial Manifest”, der Titel hat mich kurz abgeschreckt. Und das ist nicht verwunderlich, wenn Bianca Jankovskas Aussage, dass fast niemand von uns so genannt werden mag, stimmt. Letztendlich habe ich das Buch sehr genossen. Es liest sich trotz verschiedenster Themen eben doch so flüssig wie ein Manifest. Gleichzeitig ließ es mich stolpern. Es gab viele Stellen, an denen ich kurz lachen musste, bevor ich erkannte, dass ich mich eigentlich ärgern sollte: (Fast-)Beziehungen, Freundschaften, Jobs – in allen Bereichen mindestens ein “Verdammt, habe ich genau so erlebt”. Und die leise Frage: Warum habe ich mir das eigentlich gefallen lassen? (…)

Meine vollständige Rezension gibt es auf Amazon.

Warum Rezensionen bei Amazon veröffentlichen? Weil viele Menschen, die Bücher suchen, zuerst dort schauen. Wenn ihr also AutorInnen, deren Arbeit ihr gut findet, unterstützen wollt, schreibt eure Meinung auf solche Plattformen – genörgelt und kleingeredet wird nämlich auch zuerst dort.

Millennial Manifest

Am Arsch vorbei geht auch ein Weg – Alexandra Reinwarth (+/-)

Wie wäre es, wenn uns manche Dinge ein ganzes Stück egaler wären? Nach Bestsellern wie “The Life-Changing Magic of Not Giving a F**k” gibt es nun auch ein deutsches Pendant auf der Bestsellerliste.

Ich fand das Hörbuch auf einem Spaziergang durch Salzburg sehr unterhaltsam, dabei wurde für mich aber auch viel Offensichtliches angesprochen. Teilweise kam ich mir in der Welt der Autorin fremd vor. Sie spricht zum Beispiel mehrfach davon, dass Werbeagenturen “schick” seien und stellt sie als Orte für gehobenen Dresscode dar – ich weiß nicht, ob’s auf Bayern zutrifft, auf meine Erfahrung in Hamburg jedenfalls null. Die Brainstorming-Anekdote bleibt trotzdem mein Favourite und ich denke, die Perspektive einer anderen Generation macht die Grundaussage nicht weniger valide.

Was man von hier aus sehen kann – Mariana Leky (+)

Immer, wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt am Tag darauf jemand aus ihrem Dorf im Westerwald. Das wissen alle – auch ihre Enkelin Luise, die gerade einen buddhistischen Mönch kennenlernt, ihr Sohn, der in der Welt herumreist und eigentlich gar nichts von alldem wissen will, und der gute Freund, der sich nie getraut hat, Selma seine Liebe zu gestehen.

Das Wort, das Mariana Lekys Erzählweise für mich am besten beschreibt, ist skurril. “Was man von hier aus sehen kann” ist eine schöne und traurige und sonderbare Geschichte, die sicher nicht jedem zusagt, aber sehr viel Wahres anspricht. Ich mag sie besonders als Hörbuch, vielleicht für einen Adventssonntag.

Maria Hesse Frida Kahlo

Frida Kahlo: Eine Biografie – María Hesse (+)

Die Werke und das Leben der Frida Kahlo, illustratorisch interpretiert und nacherzählt von der spanischen Künstlerin María Hesse.

Je dunkler und kälter es draußen wird, desto langsamer und ruhiger werden meine Bücher. Während ich im Spätsommer einen Thriller nach dem anderen verschlungen habe, mag ich zurzeit am liebsten Bücher, die man am Nachmittag bei einem Tee im Bett durchblättern und wirken lassen kann. Die Illustrationen von María Hesse, zusammen mit den Tagebuchauszügen von Frida Kahlo selbst, eignen sich perfekt dafür. Auch, um endlich mal etwas über diese Frau zu erfahren, von der jeder spricht, mit der ich mich aber bisher nur wenig beschäftigt hatte.

Was habt ihr zuletzt gelesen?

  • Reply
    Annika
    04.12.18 at 11:58

    Am Arsch vorbei geht auch ein Weg fand ich sehr lustig und auch sehr wahr. Habe lange nicht mehr in einer Hamburger Agentur gearbeitet aber sind die nicht mehr schick und hip? Zu meiner Zeit waren sie’s noch… (oh je, jetzt fühle ich mich alt 😉

    • Reply
      Sabine
      04.12.18 at 15:05

      Hip kannst du haben, aber “schick” sieht man in meiner Erfahrung höchstens zum Kundentermin aus und das wirkt dann meistens leicht verkleidet…

  • Reply
    Laura
    05.12.18 at 20:22

    Oh, ‘Lethal White’ habe ich in ca. drei Tagen gelesen und fands total spannend! Allerdings hat mich das Ende dann irgendwie etwas enttäuscht..
    Liebe Grüße, Laura

    PS: Ich mag es sehr gerne wenn du Bücher vorstellst 🙂

    • Reply
      Sabine
      06.12.18 at 14:41

      Oh nein, so kannst du mich doch nicht zum Weiterlesen motivieren! 😀
      Aber danke für dein Feedback, das freut mich!
      xx

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